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  • Di., 15. Juni 2021, 20:15 Uhr
    Wormser Traditionsveranstaltung: Auch ohne Wonnegauer Weinkeller und Backfischbraut soll gefeiert werden

    „Backfischfest bleibt Backfischfest!“

    Das Riesenrad wird dem „neuen Backfischfest“ sicherlich erhalten bleiben. Archivfoto: Mirco Metzler/Die Knipser


    VON ROBERT LEHR | Für zahlreiche Wormser sind es die 9 schönsten Tage im Jahr, sehr viele nehmen sich hierfür extra Urlaub und als größtes Wein- und Volksfest am Rhein ist das Backfischfest ein überregionaler Magnet für Besucherströme. Noch 73 Tage bis zum Beginn des „Festes der Feste“ zählt der heutige Countdown auf der Homepage der Großveranstaltung – doch wo das Programm stehen sollte, vertröstet ein Hinweis darauf, dass es „rechtzeitig bekannt gegeben wird“.

    Nachdem bereits im Februar Dr. Andreas Schreiber als Vorsitzender des Wonnegauer Weinkellers dessen Beteiligung für dieses Jahr abgesagt hat, haben jetzt die Fischerwääder bekannt gegeben, dass auch sie in diesem Jahr auf eine Backfischbraut verzichten.

    „Selbst wenn jetzt wieder alles einigermaßen normal verlaufen wird, wäre die Backfischbraut nur eine ,halbe Braut’“, so Markus Trapp, Bojemääschter vun de Fischerwääd. „Das wollten wir keiner der zahlreichen Bewerberinnen zumuten“. Üblicherweise sei der erste offizielle Auftritt der Braut bei der Eröffnung der Pfingstmesse, die aber auch schon ausgefallen sei. Dann begleite sie „ihren Bräutigam“ bei zahlreichen anderen Traditionsveranstaltungen und repräsentiere Worms und seine Fischerzunft auch bundesweit. 

    „Das alles ist auch in diesem Jahr nicht möglich, wobei wir froh sind, dass Lisa Weber als Braut des Jahres 2019/2020 einfach um ein Jahr verlängert hat“. Doch in diesem Jahr bliebe eine Lücke in der Ahnentafel der Backfischbräute, bedauert Fischerwääder Marcus Berkes, „die uns an diese besondere Zeit erinnert“.

    Wer aber jetzt glaubt, dies seien Anzeichen dafür, dass das Backfischfest in diesem Jahr erneut ausfällt, kennt die zahlreichen Aktivitäten „hinter den Kulissen“ nicht, mit denen coronakonform gefeiert werden kann. Gerade die Fischerwääder, die laut Wikipedia „im Mittelpunkt des Backfischfestes als eine der ältesten Fischerzünfte Deutschlands stehen“ sind voller Pläne.

    Vereinskasse leer!
    „Zumal unsere Vereinskasse ziemlich leer ist“, gesteht Markus Trapp. „Mit der Beteiligung am Spectaculum, der Kulturnacht und vor allem unserer Fischerwääder Kerb finanzieren wir in der Regel u.a. unsere Bojemääschterei mit dem Museum zur Fischerzunft und das Heim der Fischerstecher“. Allerdings hätte es nur wenig an Corona-Hilfen gegeben, ergänzt Marcus Berkes, „und die sind für Instandhaltungsmaßnahmen schon wieder aufgebraucht“. Auch erhebe der Verein nur einen recht geringen Mitgliedsbeitrag, was die finanzielle Situation noch verschärfe.

     Wahrung der Tradition
    Aber jetzt gehe es zunächst „um die Wahrung der Tradition“, unterstreichen die Beiden. Massiv erschwert werde dies allerdings durch die momentane Unwägbarkeit der Corona-Entwicklung und der entsprechenden gesetzgeberischen Vorgaben für Großveranstaltungen. Aber das Backfischfest „muss es geben!“, betonen die Fischerwääder ebenso trotzig und hoffnungsfroh, selbst wenn es – wie zu erwarten – nicht in der gewohnten Form stattfinden könne.

     Doch bereits im Vorfeld zeichneten sich Konfliktlinien ab: Auf NK-Nachfrage am Montag erneuerte Dr. Andreas Schreiber seine Absage des Wonnegauer Weinkellers. „Er wird auch nicht in veränderter Form stattfinden“, so Schreibers Credo. „Wir haben um die 7.000 bis 8.000 Gäste an einem guten Wochenendtag“, deren Schutz sei ebenso Grundlage der Entscheidung wie jener der Winzerinnen und Winzer. „In veränderter Form z.B. als Weindorf im Freien als Provisorium können und wollen wir diesen Andrang nicht bewältigen“. Zu groß sei die Zahl derer, die so nicht bewirtet werden könnten“. 

    Den Winzerinnen und Winzern stelle er aber gerne frei, sich anderweitig auf dem Fest zu positionieren – nur unter dem Label „Wonnegauer Weinkeller“ gehe das absolut nicht. Um den Namen und letztlich auch das Fest nicht zu beschädigen sei es besser, man verzichte ganz auf den „Wonnegauer Weinkeller“ anstatt ihn in „halbgarer Form“ stattfinden zu lassen. „Wir verzichten, vor der Gefahr, ein Superspreader-Event zu werden, lieber ganz!“. Der Schutz der Menschen, aber auch die Unbeschadenheit des Namens stünden im Vordergrund.

    Ein Bild aus vergangenen Tagen – So feuchtfröhlich wie hier im „Wonnegauer Weinkeller“ wird es auf dem Backfischfest hoffentlich im kommenden Jahr wieder zugehen.Archivfoto: Jannik Reinecke/Die Knipser


     Verzicht auf die Bezeichnung „Backfischfest“?
    Soweit so gut. Was Schreiber allerdings forderte, war der Verzicht auf den Namen „Backfischfest“, denn der „Wonnegauer Weinkeller“ sei der Hauptbestandteil der Traditions-Veranstaltung und locke seit Jahrzehnten Weinfreunde in die Nibelungenstadt. Ohne das große Weinzelt sei es eben nicht mehr das „Backfischfest“.

    Ob dieser Entscheidung runzelten die anderen Akteure die Stirn. Dem stellvertretenden Pressesprecher der Stadt Worms, Jonas Diebold, war dieser Sachverhalt auch neu. Zwar liefen die Drähte zwischen Ordnungsamt und den verschiedenen potentiellen Akteuren heiß und man sei im regen Austausch, doch von einer Namensänderung wisse er nichts.

    Kein „eng-an-eng“
    „Backfischfest bleibt Backfischfest“ ist die schlichte Reaktion von Markus Trapp. Zwar habe er schon davon gehört, dass die Benutzung des Namens ohne den Weinkeller nicht statthaft sei, aber das hält er für nicht überzeugend. 

    „Wir verzichten aus bekannten Gründen auf eine Backfischbraut, aber nicht auf unser Backfischfest unter seinem tradierten Namen“. Zwar werde es kein „eng-an-eng“ geben, aber die gewohnte Geselligkeit und Lebensfreude wird dann eben in anderen Bahnen ihren Ausdruck finden – alles in der Hoffnung, dass im kommenden Jahr alles wieder seine geregelten Bahnen geht.

    Schausteller „scharren mit dem Hufen“
    Auch für René Bauer ist die Entscheidung nicht nachzvollziehbar. Der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Wonnegau-Worms e.V. stehe mit all seinen Kolleginnen und Kollegen in den Startlöchern für das Backfischfest. Er betont den Namen ganz besonders, weil es „eben der Namen des Festes ist“ und so werde es auch in diesem Jahr heißen.

    „Wir haben unsere Bewerbungen und Hygienekonzepte eingereicht und warten auf das O.K. der Verwaltung“, so der Reisegastronom. „Wir scharren mit den Hufen“, gibt Bauer zu. Natürlich sei derzeit Vieles noch ungewiss, aber er werde gerne den Weinbaubetrieben eine alternative Heimstatt auf seinem Gelände anbieten. „Die Winzer haben heute alle Stände, die man locker in einem Weindorf drappieren kann“, zeigt Bauer sich sicher. 

    Die Stadt plane ohnehin eine Umzäunung des gesamten Festgeländes und „wir Schausteller wissen ohnehin, wie man Sicherheit und Hygiene gewährleistet“. Das Backfischfest sei überhaupt für seinen Stand „einer der bedeutendsten Veranstaltungen“ und obwohl man jetzt lange Zeit ohne Einnahmen habe Leben müssen „schulden wir dem Fest unsere ganze Kraft!“.

     Wonnegauer Weinkeller kam erst 1954
    Zum sich abzeichnenden Namensstreit schließlich äußerte sich Horst Lösch, allgemein anerkannter Chronist des Backfischfestes und bekennender Weinliebhaber: „Zwar verstehe ich die Gründe für den Verzicht des Wonngauer Weinkellers sehr gut, auch wenn ich ihn vermisse“. Aber das Backfischfest habe ohne diesen auch schon vor dem Krieg so geheißen und er sei erstmals 1954 unter seinem jetzigen Namen Wonnegauer Weinkeller auf dem Festplatz präsent gewesen“.

    Salomonisches Urteil
    Aufmerksam gemacht auf das Namensproblem, meldete sich die Pressestelle der Stadt Worms kurz vor unserem Redaktionsschluss mit der mündlichen Mitteilung, es sei ein Kompromiss gefunden worden – das Wort „Backfischfest“ dürfe in jedem Fall verwendet werden.

    Auf Rückfrage bei Dr. Andreas Schreiber teilte dieser mit, dass „Backfischfest“ zwar benutzt werden dürfe, es erhalte aber einen Namenszusatz wie z.B. „light“. Man befinde sich aber derzeit noch in der Findungsphase.   

     

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