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  • Mo., 31. Juli 2023, 08:07 Uhr
    Festhalle Frankfurt: Iron Maiden begeisterte am Samstag mit zweistündigem Konzert im Rahmen ihrer aktuellen „The Future Past“-Tour 

    „Bärenstarkes Konzert“ der erfolgreichsten Heavy Metal-Band

    Frontmann Bruce Dickinson. Foto: Rudolf Uhrig


    Von Rudolf Uhrig › Seit über zwei Jahrzehnten beginnen die Iron Maiden-Konzerte weltweit immer so: Die Spannung steigt dann bei den Fans fast ins Unermessliche wenn die Intros (vom Band) „Doctor Doctor“ von UFO, wo seinerzeit Michael Schenker die „Windmühle“ erfand, die die Herren später wunderschön zelebrieren werden, und der Vangelis Song „Blade Runner“, laufen, bevor das Bühnenbild dann völlig zum Vorschein kommt und Michael Henry „Nicko“ McBrain, Steve Harris, Janick Gers, Adrian Smith, Dave Murray und natürlich Bruce Dickinson die Bühne entern. Das ist Gesetz und in Stein gemeiselt. 

    Fliegermütze und Fliegerbrille trug der ausgebildete Pilot bei einem seiner früheren Konzerte, denn mit bandeigener und privater Boeing 747, der „Ed Force One“, die Bruce Dickinson seit 2008 nicht mehr selbst fliegt, war das sicherlich originell. Die Brille und der Trenchcoat beim heutigen Konzert: naja, Geschmacksache. 

    Ihre „Destroying Music“, so wurde ihre „New Wave Of British Heavy Metal“ mal in den USA bezeichnet, hingegen nicht. Iron Maiden sind die erfolgreichste Heavy Metal-Band mit über 130 Million verkaufter Tonträger; und sie werden von ihren Fans, zu denen auch Prominente wie Lady Gaga und Miley Cyrus zählen, abgöttisch geliebt. Sie sind nicht nur für viele die beste Band der Welt, sondern Religion zugleich. Ihren Anhängern geben sie das Gefühl, auch in euren dunkelsten Stunden sind wir da. Und das mit unglaublicher Energie, bezaubernder Ernsthaftigkeit und großen, wirklich großen Songs.

    Ausverkaufte Halle
    Und mit einem davon legen sie los „Cought Somewhere in Time.“ Keinesfalls sind sie „Irgendwo in der Zeit gefangen“, sondern machen die ausverkaufte Halle glücklich, im Hier und Jetzt. Denn seit dem Heavy Metal der 80er Jahre geht es nicht darum die Welt nieder zu reißen, sondern eine Neue zu erschaffen. Und das goutiert die Masse mit jeder Sekunde des Konzerts. Die Arme wiegen sich im Takt, die „Teufelshörner“, das mano cornuta, das auf den verstorbenen Ronnie James Dio (u.a. Black Sabbath, Rainbow) zurückgeht, ist allgegenwärtig und jede, aber auch jede Textzeile wird mitgesungen. 

    Stephen Percival Harris ist Mitgründer, Bandleader, Bassist und Songwriter der Heavy-Metal-Band Iron Maiden. Er ist heute das einzige verbliebene Gründungsmitglied der Band. Foto: Rudolf Uhrig


    „Stranger In A Strange Land“ ist das nächste Werk. Steve Harris, dessen Sohnemann George, beim Support des Abends „The Raven Age“ die Gitarrensaiten zupfte, pulsierender und pochender Bass leitet das Riff ein. Dazu gesellt sich das Bandmaskottchen, „Eddie“ wie er liebevoll genannt wird. Manche meinen auch „Edward The Head“ wie er „bürgerlich“ heißt, sei ein Monster. Auf jeden Fall ranken sich um dessen Herkunft viele Mären, Legenden und Mythen, die alle wohl tief in den Nebelschwanden der Vergangenheit liegen. Diesmal erscheint Eddie als Cyborg-Revolverheld –und noch lehnt er cool und lässig am Bühnengeländer. Aber nicht mehr lange, denn in einem seiner drei Auftritte, wird er sich später mit Bruce ein Cyber-Duell liefern. 

    Damals völlig neuer Sound
    Die aktuelle Tour heißt „The Future Past“ („Die zukünftige Vergangenheit“) und verrät schon im Titel, worum es hier geht. Gleich zwei große Alben aus der langen Bandgeschichte stehen hierbei im Fokus: einerseits das aktuelle Album „Senjutsu“ aus dem Jahre 2021 sowie „Somewhere In Time“, das vor 37 Jahren erschien.  Und damals nicht unumstritten war, denn mit Synthesizer für Gitarre und Bass, kam etwas in die Welt, was bisher noch nie da war. Entsetzen machte sich breit. Längst Geschichte. Denn: Abraham Maslow lässt grüßen: die Metamorphose bekommt nun in der „zukünftigen Vergangenheit“ ihre Bestimmung.

    Insofern ist die Songauswahl dieser Tour schon ungewöhnlich,  Klassiker wie „Flight Of Icarus”, „Hallowed Be Thy Name“, „Run To The Hills“, „Powerslave“ und „The Number Of The Beast“ fehlten. Und dennoch, bei einem unerschöpflichen Material über das Maiden verfügen, erfrischend. Denn mit „Alexander The Great“ auf dem Steve Harris in wunderbarerweise das Leben von Alexander dem Großen erzählt, und somit dem geneigten Publikum eine Geschichtsstunde par excellence zu Teil werden lässt, gab es ein Live-Debüt. 

    Mit „The Writing On The Wall“, auf dem Adrian Smith mit seinem herrlichen Akustik-Intro die Aufmerksamkeit auf sich zieht und Eddie im Hintergrund Motorrad fährt, kommen mit „The Days Of Future Past“ und „The Time Machine“, weitere Songs des aktuellen Albums zu Ehren. 

    Nostalgischer Trip
    Bevor dann wahrlich ein nostalgischer Trip zu „Number of the Beast“ unternommen wird und mit „The Prisoner“ allegorisch, fantastisch, symbolgeladen, ausgeflippt und zeitlos Patrick McGoohan, die Nummer 6 in der 1967/1969er Kultserie zur Nummer 2 sagt: „I am not a number! Ich bin ein freier Mann!“ „Death Of The Celts“, „Can I Play With Madness”, „Heaven Can Wait”, „Fear Of The Dark” sind einfach ein Fest. Mit ihrer Bandhymne „Iron Maiden” leiten sie zur Zugabe hin, „Hell On Earth“ und „Trooper“. 

    Seit 1980 prägt Adrian Smith den Sound der Band. Foto: Rudolf Uhrig


    Mit eigentlich Mut machenden Sätzen, untermalt mit Maiden typischen Klangfarben und den komplexen Strukturen von „Wasted Years”: „Don't waste your time always searching for those wasted year, face up, make your stand realize you’re living in the golden years”, entlassen die alten weißen Männer ihre Fans nach knapp zwei Stunden in die regnerische Nacht.

    Laut und krachend
    Natürlich war es laut und krachend, was für eine Feststellung, aber oft von weichen, harmonischen und melodiösen Teilen getragen, eben, was nur Maiden spielt und ausmacht. Es war ein bärenstarkes Konzert bei dem alle sechs Bandmitglieder, die alle näher an 70 als an den 60ern sind, glänzten und zeigten: Bei uns gibt es nicht den einen, wir sind eine Band, wir sind Iron Maiden.

    In eigener Sache…
    Und noch ein „kleiner Hinweis“ in eigener Sache. Das Backtrop von „Senjutsu“ hätte (Konjunktiv) auch von mir stammen können. Denn eine ähnliche Aufnahme machte ich in der beliebten Einkaufsstraße von Osaka im April 2015 selbst. Schaut selbst in der Galerie!


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