Do., 30. September 2021, 14:41 Uhr
STADTRAT: Arbeitsverträge in den Büros der Ortsvorsteher laufen aus / SPD-Anfrage
Bald kein Service mehr in den Vororten?
Zum 31. Dezember dieses Jahres laufen die Arbeitsverträge mehrerer Assistenzkräfte in den Vorortbüros aus. Bisher haben Verwaltung und Oberbürgermeister Kessel (CDU), in dessen Dezernat die Angelegenheit fällt, keine Lösung aufgezeigt, wie es weiter gehen soll.
Die Ortsvorsteher von Horchheim, Neuhausen und Pfeddersheim (alle SPD) wurden jüngst von ihren Sekretärinnen darüber informiert, dass sie ein Schreiben der Stadtverwaltung Worms erhalten haben. In diesem Schriftstück wurden die Bürokräfte darüber informiert, dass ihr jeweilig befristetes Arbeitsverhältnis als Sekretärin zum Jahresende ausläuft und sie somit aus dem städtischen Dienst ausscheiden.
Ferner wurde darauf hingewiesen, dass sie sich bei der Arbeitsagentur als arbeitssuchend melden müssen. Weder die betroffenen Arbeitnehmerinnen noch die Ortsvorsteher wurden vorher von dieser Maßnahme informiert. „Es hat eigentlich nur noch der Zusatz: ‚Frohe Weihnachten‘ gefehlt. „Stattdessen hört man von Oberbürgermeister Kessel und der Verwaltung bisher nichts“, so die Ortsvorsteher Janson, Thill und Merz.
Weitreichende negative Konsequenzen
„Dass die Verträge zum Jahresende auslaufen und man sich Gedanken über eine Fortführung sowie eventuelle Neugestaltungen in allen Stadtteilbüros machen muss, war bereits vor über einem Jahr bekannt, passiert ist seither wenig. Die letzte Dienstbesprechung zwischen den Ortsvorstehern und der Verwaltung fand im September 2020 in Abenheim statt. Diese isolierte Vorgehensweise hat sich, wie auch bei der Diskussion um die Trennung von Bürgerservice und Ortsvorsteherbüros, wiederholt und man verzichte wohl bewusst auf eine Zusammenarbeit, zeigen sich die betroffenen Stadtteilvertreter verärgert. Die fehlende, wertvolle und wichtige Arbeit der Sekretär*innen, hat für die ehrenamtlichen Ortsvorsteher*innen und noch viel mehr für die Bürger*innen in den Vororten weitreichende negative Konsequenzen“, heißt es in dem Schreiben der SPD-Politiker.
Angriff auf die Institution Ortsbeirat
Seit Anfang 2021 waren die neuen Bürokräfte offiziell im Dienst. Zur Jahresmitte wollte man dann gemeinsam seitens Verwaltung mit den Ortsvorsteher*innen beraten und analysieren. Gut zehn Monate lang sei aber nichts passiert – stattdessen herrsche Schweigen aus dem Büro des Oberbürgermeisters und der zuständigen Verwaltungskollegen. Um nicht ab dem 1. Januar arbeitslos zu sein, müssen sich nun die Sekretariatskräfte auf dem Arbeitsmarkt neu orientieren.
„Mittlerweile sind wir ja schon so weit, dass nachgewiesenermaßen die Stunden der Sekretär*innen, für die Protokollierung der Ortsbeiratssitzung, einfach gestrichen werden. Das werten wir als einen Angriff auf die Institution Ortsbeirat. Will unser Oberbürgermeister auch diese abschaffen und arbeitet schon einmal vor?
Das Missmanagement wird auf den Kleinsten innerhalb der Verwaltung ausgetragen – ein untragbarer Zustand. Dass der oberste Verwaltungschef so unsensibel mit seinen Arbeitnehmerinnen und den Ortsvorstehern umgeht ist nicht hinnehmbar. Zumal es sehr wahrscheinlich auch die anderen Ortsverwaltungen in Worms betrifft“. zeigen sich die betroffenen Ortsvorsteher verärgert.
Wieder einmal zeige sich, dass das Ehrenamt nicht anerkannt, sondern stattdessen gegen diese Personengruppe negativ gearbeitet wird. Die amtierenden Stadtteilvertreter finden es beschämend, dass ein ehemaliger Ortsvorsteher solche Maßnahmen durchführt“, erläutern Merz, Thill und Janson gemeinsam.
Diese Vorgehensweise der Verwaltung habe nun auch erste konkrete Konsequenzen.
Eine gute Sekretärin ziehe jetzt schon ihre eigenen Schlüsse und hat zum nächstmöglichen Termin gekündigt, also zum 31.10.2021, da Sie die Nase gestrichen voll habe und über die Vorgehensweise der Stadtverwaltung Worms mit ihren Mitarbeitern verärgert sei. „Da sie noch ihren Urlaub und die Überstunden nehmen muss, räumt sie praktisch schon ab 1. Oktober ihren Stuhl im betroffenen Büro des Ortsvorstehers in Horchheim. Die Stadt Worms und der Ortsvorsteher Janson, verlieren so eine qualifizierte Sekretärin“, bedauert der Ortsvorsteher.
„Das wiederum heißt: Neue Ausschreibung der Stelle. Durchführung eines Auswahlverfahrens und dann wieder Besetzung der Stelle! Anschließend wieder Einarbeitungszeit. Und dass alles auf den Rücken der Ortsvorsteher und letztendlich natürlich der Bürger.“
„Da Oberbürgermeister Kessel offensichtlich nicht mit den betroffenen Ortsvorstehern sprechen will, sehen diese sich gezwungen erneut den Weg über die Öffentlichkeit zu suchen. Des Weiteren will man zusätzlich noch eine Anfrage für die kommende Stadtratssitzung stellen“, heißt es in dem Schreiben.
Sofern sich keine Besserung der Kommunikation und des Miteinander einstelle, würden sich die Ortsvorsteher gezwungen sehen, zukünftig den medialen Weg gehen zu müssen, um den Bürgern das ihrer Ansicht nach „chaotische Verwaltungshandeln“ zu erklären – „miteinander sprechen sei wohl nicht erwünscht“, empören sich die drei Ortsvorsteher abschließend.