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  • Do., 22. Oktober 2020, 22:10 Uhr
    STREETLIFE-FOTOGRAPHIE: Fotograf Rudolf Uhrig stellt die Straßen dieser Welt in der Magnuskirche aus / Bilder-Gottesdienst am 8. November

    Bedeutungslos erscheinendes bedeutungsvoll machen

    West 34th Street, New York, USA, April 2016. Eine der Lieblingsaufnahmen, die Fotograf und Weltenbummler Rudolf Uhrig in seiner Ausstellung in der Magnuskirche noch bis zum 19. November zeigt. Fotos: Steffen Heumann


    VON STEFFEN HEUMANN | „Warum fotografiere ich fremde Menschen in fremden Ländern in fremden Straßen?“ Die Antwort darauf gibt Rudolf Uhrig in einer sehenswerten Auswahl seiner Streetlife-Fotografien, die noch bis zum 19. November täglich von 10 bis 17 Uhr in der Magnuskirche in Worms ausgestellt sind. Bilder im Vorübergehen, flüchtige Augenblicke, die die Magie des Einmaligen spiegeln. „Die Straße ist für mich ein mystischer Ort, aber immer auch eine Begegnungsstätte mit Menschen“, erklärte der Fotograf und Chronist, der neben regionalen Eindrücken dieses Mal Einblicke in seinen reichen Fundus von Reisen aus allen Kontinenten gewährt. Glitzerwelt oder düsterer Abgrund nur Schritte voneinander entfernt. Aufnahmen, denen der Betrachter die Zeit widmen sollte, genauer hinzusehen, um die Diegese, die Erzählung der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ zu entdecken, wie Rudolf Uhrig betont. Spannend wird es auch am 8. November um 18 Uhr bei einem Gottesdienst zu den Bildern, bei dem Pfarrer Achim Müller und Vikarin Franziska Schwarz über die Aufnahmen resümieren, sinnierend rezitieren.

    Das Sanfte und Gute entdecken
    „Er fängt Menschen in wunderbarer Weise ein, das erzeugt verschiedene Stimmungen“, führte Pfarrer Achim Müller in die Ausstellung ein und verwies auf Gottfried Benns Gedicht „Menschen getroffen“. Aufnahmen, in denen sich zweifellos auch das Sanfte und Gute wiederfindet, vom Anfang der 90er bis in die Gegenwart. „Ein Bruchteil meiner Aufnahmen, recht subjektiv ausgewählt. Vielleicht hätte ich zu einem späteren Zeitpunkt eine andere Auswahl getroffen?“, verrät der Streetlife-Weltenbummler, der sich mit der Ausstellung in einer Kirche als passendem Ort einen lang gehegten Wunsch erfüllen konnte. Gemäß dem Schriftsteller Hugo Hartung habe er dessen Anlehnung an eine Wilhelm Busch-Dichtung lediglich in die Tat umgesetzt. „Darum, Mensch, sei Zeit weise! Höchste Zeit ist’s! Reise, reise!“ – „es sind 72 Länder, die wir bereisten“, galt Uhrigs Dank nicht nur seiner Frau Sieghilde für die Begleitung, sondern – ebenso wie an Pfarrer Achim Müller gewandt – auch für den Körpereinsatz bei der Realisierung der Ausstellung, „denn auch die Magnuskirche habe schiefe Wände“, wie Rudolf Uhrig abschließend mit einem Augenzwinkern konstatierte.

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