Der Landesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen wählte seine Zugtour mit Bedacht / Schlechte Noten für Bahnhof Monsheim
Bedingt barrierefrei!
Matthias Rösch und die Behindertenbeauftragte des Landkreises Mainz-Bingen, Gracia Schade, hatten keine Probleme beim Aus- und Einstieg von Gleis 2 zu Gleis 3 – wehe, man muss von hier auf Gleis 1 wechseln… Foto: Robert Lehr
Von Robert Lehr | Matthias Rösch hatte seine Tour mit Bedacht gewählt. Der Landesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen war gestern von Bingen über Monsheim, Neustadt bis nach Worms unterwegs, um „etwas über die Verbesserungen der Barrierefreiheit zu erfahren, aber auch um zu klären, was noch zu tun ist, damit Bahnfahren ohne Barrieren in Zukunft umfassend möglich ist“ – so der Wortlaut seiner Presseeinladung.
„Klippe“ elegant umfahren
Doch gerade dort, wo es noch erheblichen Nachbesserungsbedarf gibt, nutze der gebürtige Kreuznacher, der seit einem Verkehrsunfall in der 11. Klasse selbst an den Rollstuhl gefesselt ist, die einfache Möglichkeit, von einem modernen Niederflurfahrzeug in das nächste zu wechseln.
Wollte er von hier aus bereits nach Worms fahren, hätte er ein nahezu unüberwindliches Hindernis im Wege gehabt: Die Fußgängerunterführung, die von Gleis 2 auf Gleis 1 führt. Ihre steilen Treppen machen es nicht nur für Menschen im Rollstuhl unmöglich, ohne massive Hilfe den stufenreichen Auf- bzw. Abgang zu bewältigen, auch Rentner mit Rollatoren, Freizeitaktivisten mit Fahrrädern oder vor allem Mütter mit einem Kinderwagen, müssen hier regelmäßig scheitern.
Dieser Bahnhof, der Rheinhessen mit der Pfalz verbindet, und u.a. von Berufspendlern, Schülern, aber auch Besuchern der malerischen Weinbauregion besucht wird, ist also nur bedingt barrierefrei.
Das weiß auch Volker Röhrenbeck. Der Monsheimer Ortsbürgermeister ist selbst sehr unzufrieden mit der Situation. Obwohl er sich froh über den jüngsten Verkauf des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes zeigt, kritisiert er den aktuellen, defizitären Zustand.
Mehrere Anläufe ohne jedes Ergebnis
Schon seit Jahren habe es verschiedene Versuche gegeben, der misslichen Situation abzuhelfen. Eine Empfehlung des Bundestagsabgeordneten Jan Metzler, sich um die Aufnahme in ein Förderprogramm des Landes für die Entwicklung ländlicher Räume zu bewerben, sei letztendlich daran gescheitert, dass der Personenumschlag in Monsheim „zu hoch“ sei. Kopfschüttelnd erinnert Röhrenbeck daran, dass ein vergleichbares Ansinnen vor mehreren Jahren vom Land abgelehnt worden sei, weil Monsheim „zu klein“ für ein aufwändiges Aufzugsystem gewesen sei.
Immer wieder habe es Anläufe gegeben. Eine preisgünstigere Alternative wäre eine Art Treppenlift gewesen. Dem hätte dann aber seine Vandalismusanfälligkeit entgegengestanden, zumal der Bahnhof Monsheim nicht mehr von entsprechendem Personal besetzt wäre.
Selbst bei großzügiger Beteiligung durch die Bahn oder das Land bliebe der Investitionsbedarf für die Gemeinde ohnehin nicht zu stemmen.
Röhrenbeck merkte in diesem Zusammenhang an, dass der kommunale Kindergarten in Monsheim aktuell Priorität genieße und ein Aufzug, eine Rampe oder Ähnliches zur Beseitigung der Barrieren „auf Eis“ liege.
Dabei schien er etwas verstört, weil er von der Bereisung des Landesbeauftragten nichts gewusst hatte. Bestimmt hätte er seine Kritik auch Matthias Rösch gegenüber geäußert. Dem begegneten auf seiner Tour aber noch weitere Hürden. So wie er in Monsheim nur die Möglichkeit hatte, am gleichen Gleis umzusteigen, statt den Bahnhof zu verlassen, sind ihm auf seiner Tour noch einige Defizite in Bezug auf die Barrierefreiheit aufgefallen, meldete der SWR, der die Tour begleitete. Es bleibt wohl noch Einiges zu tun – nicht nur in Monsheim.
…oder Gleis 3, wo der Zug nach Bockenheim steht. Für Sarah Janson aus der pfälzischen Weinbaugemeinde, ist es auch nur schwer möglich, solange sie mit ihren insgesamt 3 Kindern – hier „nur“ mit Tochter Vivien und Sohn Adam – den umweltfreundlichen ÖPNV nutzen will. Foto: Robert Lehr