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  • Di., 31. Dezember 2019, 12:45 Uhr
    LITERATUR IM SCHLOSS: Erfolgreiche Christian Morgenstern Soirée im Blauen Saal in Herrnsheim

    Beflügelt vom Zauber der Phantasie

    Von links: Katharina Schmitt, Karl-Heinz Deichelmann, Hans-Dieter Elbert. Foto: Ahlers


    Viermal ausverkauft – so lautet das Fazit der Christian Morgenstern Soirée „und schiefe Scheitel kämmt der Wind“, die am vergangenen Wochenende im Rahmen der von Karl-Heinz Deichelmann ins Leben gerufenen Reihe „Literatur im Schloss“ im Blauen Saal des Herrnsheimer Schlosses über die Bühne ging. Nach der Begrüßung durch den veranstaltenden Inner Wheel Club entführte das bestens aufgelegte Ensemble die Zuschauer auf eine faszinierende und anregende Reise durch das Leben und Werk von Christian Morgenstern. Hans-Dieter Elbert, der das Programm erstellte, moderierte kenntnisreich durch den Abend. Er erzählte von Morgensterns Leben, das von einer schweren Tuberkulose und zahlreichen Sanatoriumsbesuchen geprägt war. Als die Krankheit fester Bestandteil seines Alltags geworden ist, träumt Morgenstern von einem Leben als „Improvisation, von Lachen unterbrochen und im Lachen begraben“. Im Mittelpunkt der funkelnden Gedichte stehen seine Protagonisten Palmström, Korf, Gingganz und Palma Kunkel, allesamt schräge und zugleich liebenswerte Gestalten.

    Dass die Zuschauer jeden von ihnen schnell ins Herz schlossen war kein Wunder. Das effektvolle Zusammenspiel der nuancenreichen und anspruchsvollen Rezitation von Karl-Heinz Deichelmann mit der von Katharina Schmitt am Cello und Christian Schmitt am Klavier dargebotenen Musik ließen viele der Gedichte wie kleine Szenen vor dem geistigen Auge der Zuschauer entstehen. Palmström fliegt - als Storch verkleidet - nach Ägypten, dazu erklingt orientalisch angehauchte Musik: es waren Momente wie diese, die das Publikum verzauberte.

    Ein Gaul spricht mit einem Professor, ein Rabe umwirbt seine große Liebe, drei Hasen tanzen im Mondenschein: jede dieser Szenen zauberte dem Publikum ein Lächeln ins Gesicht. Und egal, wer noch alles aus der Morgenstern’schen Welt um die Ecke kam – sei es das Nasobem, das Mondschaf oder das Geierlamm – alle wurden sie durch die mitreßende Rezitation lebendig. Kein Wunder, dass die Zuschauer die Akteure mit einem lang anhaltenden Schlussapplaus verabschiedeten und am Ende beschwingt und erheitert den Nachhauseweg antraten, beflügelt von der Kraft der zeitlosen Morgensternschen Poesie.

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