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Mo., 28. September 2020, 11:48 Uhr
FUSSBALL: Spitzenspiel der B-Klasse Worms-Alzey Süd geht knapp an TUS Hochheim
„Begegnung hätte keinen Sieger verdient gehabt"
In der letzten Saison spielten Paul Jost (links) und Marc Heidenmann (rechts) noch zusammen bei der TSG Pfeddersheim. Nun kämpften sie im Topspiel der B-Klasse gegeneinander, mit dem besseren Ausgang für Paul Jost und seine Hochheimer. Foto: Felix Diehl
VON ANDREAS BERG | „Aus, aus, aus – aus! – Das Spiel ist aus! “. Aufgrund der sich nicht lösen wollenden Spielertraube nach Schlusspfiff konnte man sich an die legendäre Radioreportage von Herbert Antoine Arthur Zimmermann aus dem Jahre 1954 zurückerinnert fühlen. Eine Eckballserie in der 95. Minute, bei der auch Nibelungentorwart Goettzinger in den Hochheimer Strafraum eilte, war verpufft und Schiedsrichter Redmerbeendete ein chancenarmes Spiel, das mit der Heimmannschaft einen glücklichen 1:0-Sieger stellte. Dabei wurde im Vorfeld dieses Spiels ganz anders spekuliert. 2:7, so lautete das Ergebnis im letzten Aufeinandertreffen zwischen den Hochheimern und den Nibelungen bei den Stadtmeisterschaften 2020 und 2:7 hieß es auch im vorletzten Spiel der beiden Kontrahenten vor fast genau einem Jahr in der Hochheimer Dreihornmühlgasse. Schlechtes Omen für die Hochheimer und ein Torfestival par excellence für den interessierten Zuschauer? Mitnichten. Lediglich drei Hochheimer Spieler und ein Nibelunge waren auf dem heutigen Spielbogen im Vergleich mit der Partie zu finden, die vor Jahresfrist stattfand. Dazu auch mit Franke und Graber je zwei neue Trainer auf beiden Seiten.
Feldvorteile ohne Akzente
In der Begegnung, in der beide Mannschaften mit großer Bezirksligaspielerfahrung aufwarteten, hatte Hochheim in den ersten Minuten Feldvorteile, ohne gefährliche Akzente setzen zu können. Beide Abwehrreihen machten unter einem gänzlich wolkenbedeckten Himmel einen sehr stabilen Eindruck und Torchancen blieben in Halbzeit eins Mangelware. In der sehr laut- und laufstark geführten Begegnung gab es in Minute Acht den ersten Torschuss überhaupt, der Goettzingerim Nibelungentor jedoch vor gar keine Probleme stellte. In Minute 13 sah das jedoch schon wesentlich knapper aus, als ein Schuss von der Strafraumgrenze durch Feldmann knapp am rechten Pfosten des Nibelungentores vorbeirauschte. Auf der anderen Seite wirkten die seltenen Hereingaben, der in gewöhnungsbedürftigem Grau-Blau gekleideten Gäste in den Strafraum wesentlich gefährlicher. So kratzte in einem mittlerweile völlig ausgeglichenen Spiel ein 28 Meter-Freistoß von Önder am linken Giebel des Hochheimer Tores(25.) und der schön frei gespielte, sehr trickreiche Kouam Tatchim hattein der 34. Spielminute im Hochheimer Strafraum Zeit abzuschließen, setzte den Ball jedoch rechts neben das Gehäuse.
Höherer Ballbesitzanteil
Die mit 350 Zuschauern sensationell gut besuchte B-Klassen-Partie nahm in der zweiten Halbzeit etwas Fahrt auf und daran waren vor allen Dingen die Gäste Schuld, die nun zielstrebiger agierten und sich einen höheren Ballbesitzanteil erarbeiteten. Dafür boten sich jedoch zunächst der Heimmannschaft die besseren Torgelegenheiten: 52. Minute: Schäfer legt im Nibelungenstrafraum den Ball auf Di Stefano. Der knallharte Abschluss wird jedoch genau auf Goettzinger gezielt, der reaktionsschnell die Arme hochreißt und einen Rückstand verhindert. Fast im Gegenzug: ein Schuss aus der Drehung von Borlinghaus aus spitzem Winkel zwingt Moh Amar im Hochheimer Tor zu einer Glanztat. Und gleich darauf verpasst Breth eine Freistoßhereingabe aus idealer Position haarscharf knapp mit dem Kopf (54.). Es folgte die spielentscheidende Szene in der 71. Minute: aus dem linken Mittelfeld kommend setzt sich der Hochheimer Kaltenborn gegen eins, zwei, drei Nibelungen durch und wird im Strafraum von den Beinen geholt.Kein Protest der Nibelungen, gelbe Karte und Strafstoß: Während Goettzinger verzweifelt in die rechte Ecke abtaucht,schiebt Schäfer den Ball abgeklärt in die Mitte des Nibelungentores: 1:0 (71.) und eine Jubelarie an der linken Eckfahne unter Mitwirkung aller elf Hochheimer Akteure. Nibelungentrainer Graber versucht jetzt alles und wechselt in der Folgezeit noch zwei hochgewachsene Spieler ein, wohl mit dem Hintergedanken, nach einem hohen Ball zum Erfolg kommen zu können.
Klare Aktionen im Spiel nach vorne fehlen jedoch, so haben per Gegenstoß sogar die Hochheimer ihrerseits noch die Chance zu erhöhen, doch die Direktabnahme einer hohen Hereingabe von Di Stefano im Strafraum landet geradewegs bei Goettzinger.
Und schließlich doch noch die Riesenchance für die Nibelungen, einer Niederlage aus dem Weg zu gehen: im Anschluss an eine Ecke schnappt die Hochheimer Abseitsfalle nicht zu, aber Borlinghaus scheitert aus kürzester Distanz an Teufelskerl Moh Amar und auch der Abpraller findet nach einem Heberversuch nur den Weg über das Tor (84.).
Höchsten Respekt gezollt
Gästetrainer Graber gratulierte dem Heimteam fair zum Sieg und zollte der taktischen Einstellung und Umsetzung der Hochheimer höchsten Respekt, die dazu führte, dass die Räume, die seine Mannschaft für Erfolgserlebnisse benötigt, einfach nicht vorhanden waren. Trotz hohem Ballbesitzanteil kam seine Mannschaft nie zu zwingenden Aktionen und ein glänzender Hochheimer Keeper verhinderte ein, in seinen Augen, gerechtes Unentschieden. Graber sieht außer den beiden heutigen Kontrahenten auch noch Celtic Worms in den für diese Runde vorgeschriebenen Aufstiegsspielen, und übt gleichzeitig harte Kritik an dem diesjährigen Spielmodus, der eine ergebnisorientierte Spielweise regelrecht begünstigen würde. Auch Heimtrainer Franke schlägt in die gleiche Kerbe. Natürlich freue er sich über den – wahrscheinlich auch für die Aufstiegsrund bereits drei Zähler bedeutenden – Erfolg in einem typischen Unentschiedenspiel. „Die 2:7-Niederlage bei den Stadtmeisterschaften hat uns auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht und gezeigt, dass wir vom (hochgeredeten) Topfavoriten weit entfernt sind“. Auch dies führte wahrscheinlich dazu, „dass meine Mannschaft heute ein tolles Spiel gemacht hat“ und wahrscheinlich „drei Punkte für zwei Tabellen“ erarbeiten konnte.