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  • Fr., 24. August 2018, 15:57 Uhr
    Artefakte aus Jahrtausenden eingearbeitet / Gemeinde lässt im Kollektiv Neues entstehen / Altarweihe im Oktober

    Begeisterung beim gemeinsamen Dom-Altar-Projekt

    Große Beteiligung der Gemeindeglieder und genaues Arbeiten lassen den ungewöhnlichen Lehmaltar im Dom zügig wachsen. Fotos: Karolina Krüger


    VON KAROLINA KRÜGER | Der neue Altar im Chorraum des 1.000-jährigen Doms St. Peter nimmt Gestalt an. Donnerstag war der letzte Tag an dem die Schichten des Lehms in die Schalung eingebracht wurden. Vor der Mittagspause wurde die 15. Lage des immer heller werdenden Stein-Lehm-Gemischs fertig gestellt. Auf ihr wurde mit Sand und Steinen eine Weltkarte in die Mitte der Fläche gestaltet – so, wie sie sich uns im beginnenden 21. Jahrhundert darstellt. Wer weiß, wie sich diese Erde verändert haben mag bis zum Tag „X”, an dem diese Karte vielleicht in hunderten oder tausenden Jahren wieder aus dem Block hervor kommt?

    Allen Gläubigen ganz nah

    „Archaisch” nannte der schaffende Künstler Martin Rauch den Werkstoff Lehm und die Form des Vierecks, respektive des Kubus. Gemeinsam mit Anna Heringer konnte er beim Wettbewerb um den neuen Altar begeistern. Heiße Diskussionen waren in der Gemeinde der Entscheidung vorausgegangen, aber die letztendliche Begeisterung für diesen Altar zeigt sich durch die große Teilnahme an der Erstellung des Bauwerkes und daran, wie viele Menschen besondere Gaben vorbeibringen, um sie in die Lagen des Würfels einzubetten. Nichts an diesem Kunstwerk ist ohne Bedeutung.

    Die Vierung der über ihm stehenden Kuppel nimmt die klare geometrische Form auf, er spiegelt in seinen konkaven Seiten die Form des barocken Balthasar-Neumann Altars und zeichnet in seinem Farbverlauf von rot nach weiß symbolisch das Streben von der Erde zum Licht nach. Mit der Grundfläche1,40 m auf 1,40 m und der weiß polierten Abschlussplatte mit 1,60 m auf 1,60 m bildet der Altar einen Tisch an dem bei kleinen Gottesdiensten im Chorgestühl alle Gläubigen ganz nah sein können. Korrespondieren wird mit ihm das Lesepult, der Ambo, der aus den eigens aufgehobenen Lehmmischungen der einzelnen Schichten im Atelier der Künstler entstehen und zur Altarweihe im Oktober an seinen Bestimmungsort kommen wird.

    Der Werkstoff Lehm ist das älteste Baumaterial der Welt, diente nach dem Alten Testament Gott den Menschen zu formen und ist, wie die Kirche selbst, lebendig. Ein Werkstoff mit Charakter, der mit der Umwelt reagiert, konserviert, Feuchtigkeit aufnehmen, speichern und abgeben kann. Der mit viel Wasser wieder zu Erde, zu Acker wird, aus dem neues Leben ersteht. Die Steine in dem recht groben Gemisch erinnern an die Menschen, die Gemeindeglieder, die sich einbringen in die Gemeinschaft, jeder einzelne klein und unscheinbar aber verbunden durch den Lehm und den Glauben wird daraus als Ganzes ein massiver und belastbarer Altar.

    Schicht um Schicht

    So verbindet der römische Stein aus der Grabung rund um den Dom mit der Ära in der Christus selbst als Mensch auf dieser Welt war, Erde aus dem Vatikan, geschmolzene Bronzefragmente von den im 2. Weltkrieg geschmolzenen Glocken und der gerade neu geweihten Glocken, ein Henkel Weintrauben, ein Bohrkern aus 4500 m Tiefe vom Nordpol, Mosaiksteine aus der Dreifaltigkeitskirche, Münzen, Dokumente, vieles findet den Weg in die Lagen des Altars. Nach ihrer persönliche Lieblingsgabe befragt antwortet die Leiterin des Kindergartens St. Lioba und Protokollantin der Gaben, Martina Bauer: „Der Glitzer, den „meine“ Kinder in die 4. und 14. Lehmschicht mit vollem Einsatz und großer Freude eingebracht haben. Am Freitag wurde die Schalung entfernt und die letzte weiße Lehmschicht aufgebracht und poliert.

    Ein Bild der Erde schmückt die 14. Lehmschicht des neuen Altars.

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