Der Haupt- und Finanzausschuss bewilligte 1,7 Millionen Euro an Sofortmitteln der insgesamt benötigten 7,5 Millionen Euro / Fragezeichen bleiben
Bei der Hallenbadsanierung ist es 5 vor 12
Das Heinrich-Völker-Hallenbad wurde im Jahr 1965 eröffnet und zu Beginn der 1990er Jahre zum Spaßbad umgebaut. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Von außen macht das Wormser Hallenbad einen properen Eindruck und lädt zum Wasserspaß ein, doch beim Innenleben und der Technik liegt einiges im Argen. Die ganze Dramatik der Lage war den meisten Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses am Mittwochnachmittag bei ihrer Sitzung so wohl nicht ganz präsent, als es um Brandschutzmaßnahmen ging. Rasch türmten sich in der Aussprache aber die dringend benötigte Summe von 7,5 Millionen Euro und der Sanierungsbedarf zu einem ganzen Krisenberg auf, der rasches Handeln erforderte. Wobei trotz allen Bemühens die Frage nach der langfristigen Zukunft offen blieb. Hintergrund ist, dass ein Schwimmbad nach der Definition der übergeordneten Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier zu den sogenannten „Freiwilligen Leistungen“ zählt, die eine Kommune nicht unbedingt den Bürgern anbieten muss. Und es gibt in Deutschland zahlreiche Städte der Größenordnung von Worms, die weder über ein Hallen- noch ein Freibad verfügen, weil die jeweilige Stadtkasse leer ist. Hier stellt sich natürlich auch die Frage, ob Worms wirklich zwei Frei- und ein Hallenbad benötigt? Doch alles der Reihe nach.
Nach 50 Jahren knirscht es im Gebälk
Das Wormser Hallenbad öffnete 1965 seine Pforten. Ein großer Umbau erfolgte zu Beginn der 1990er Jahre, damals entstand die Idee des „Spaßbades“, sodass mehr Wert auf Unterhaltung- und Aufenthaltselemente etwa mit einem Planschbecken gelegt wurde. Das Kernelement blieb aber das 25-Meterbecken, jedoch wurde der Sprungturm auf drei Meter reduziert. Dafür kam ein Außenbecken dazu, das sich besonders im Winter großer Beliebtheit erfreute, wenn man bei Minustemperaturen hinausschwimmen konnte.
Doch bereits seit einigen Jahren kristallisierte sich heraus, dass am Heinrich-Völker-Hallenbad hoher Sanierungsbedarf besteht und manche Gebäudeteile sowie das Konzept des Spaßbades so nicht fortgeführt werden kann. Der Hauptgrund waren die hohen Unterhalts- sowie Sanierungskosten. Das erste Opfer dieser Sparmaßnahmen -auch weil die Besuchsfrequenz zu wünschen übrig ließ - war die Sauna, die im März 2016 schloss. Der nächste Teilbereich, der aufgegeben wird, ist das Warmwasser-Außenbecken. Einer der Hauptgründe ist hier der hohe Energieverbrauch. An die Stelle des Außenbeckens soll ein überdachtes Lehrschwimmbecken treten. Vor rund zwei Jahren stand das Außenbecken bereits vor dem Aus, da das Geld zum Umbau in ein Lehrschwimmbecken zum Greifen nahe war, doch kam Worms bei dem Förderprogramm nicht zum Zuge. Somit existiert das Außenbecken noch, aber ist es nur mehr ein Frage der Zeit, bis es endgültig schließt.
1,7 Millionen Euro als Sofortmaßnahme
Auf der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Mittwoch offenbarte sich die Dringlichkeit der Sanierung des gesamten Hallenbades. Im Vordergrund stand dabei der Brandschutz, der in diesem miserablen Zustand ein Weitertrieb nach der Sommerpause eigentlich nicht mehr erlaube. Der mit einem Gutachten beauftragte Brandschutzexperte, Dr. Karl-Wilhelm Bangert, erläuterte den Ausschussmitgliedern, dass viele Teile der technischen Ausstattung im Hallenbad aus der Bauzeit von vor rund 50 Jahren stamme. Die Modernisierung müsste jetzt erfolgen, sonst könnte es passieren, dass das Bad bei einem Defekt von einem auf den anderen Tag schließen muss.
Der Haupt- und Finanzausschuss entschied daher am Mittwoch einstimmig, zunächst einmal 1,7 Millionen Euro für den akuten Brandschutz zu Verfügung zu stellen. Davon werden 500.000 Euro direkt „verbaut“, während das Hallenbad in der Freibadsaison 2017 geschlossen ist. Die restlichen 1,2 Millionen Euro sind für das Jahr 2018 veranschlagt. Wobei damit das Problem noch nicht gelöst ist, denn insgesamt werden 7,5 Millionen Euro für die Sanierung benötigt. Baudezernent Uwe Franz führte zwar aus, dass die Stadt jetzt einen anderen Fördertopf im Auge habe, aber eine endgültige Zusage gibt es noch nicht.
Kompletter Neubau?
Patricia Sonnek (SPD) stellte im Ausschuss die Frage, ob die Stadt nicht besser einen kompletten Neubau des Hallenbades ins Auge fassen sollte. Uwe Franz antworte darauf, dass dies keine wirkliche Alternative sei, denn vom Land gebe es für einen Hallenbad-Neubau keinen einzigen Euro an Fördergeldern, da ein Schwimmbad eben eine freiwillige Leistung der jeweiligen Kommune sei.
Dr. Klaus Karlin (CDU) fragte nach der langfristigen Strategie für das Wormser Hallenbad. Uwe Franz erläuterte, dass im Gesellschafterausschuss vor wenigen Wochen diese Strategie verabschiedet wurde. Die Stadt wolle weg von dem Gedanken des Spaßbades, auch weil man nicht mit den diesbezüglichen Angeboten im weitern Umland konkurrieren könne. Stattdessen sollte das Heinrich-Völker-Bad wieder Sport- und Gesundheitsbad werden. Die Auslastung und Nachfrage nach Schwimmkursen sei etwa sehr hoch. Was jetzt noch fehlt ist die Förderzusage für die Sanierung, um auch langfristig in Worms den Badespaß zu erhalten.