Mo., 23. Juni 2014, 09:42 Uhr
Wormser Philosophieprofessor Richard Wisser veröffentlicht Gedichte
Beim Wort genommen
Ein Wort wird gegeben. Eine Person wird beim Wort genommen. Man bittet ums Wort. . . Prof. Dr. Richard Wisser – längst ausgewiesen als veritabler Autor von Lyrik – geht noch einen Schritt weiter und nimmt nun das Wort selbst beim Wort. Der Schritt ist konsequent. Vor zehn Jahren hat der Autor im Wolfgang Hager Verlag zum ersten Mal Gedichte veröffentlicht: „Halt ohne Anhalt. Gedichte, die zu denken geben.“ Dem folgten fünf Jahre später mit „Wortschwall und Schweigen - Gedichte, die auf Antwort aus sind“ und 2012 „Übergänge – Wege zum Wesen in Gedichten“. Stets ging es dabei um die literarischen Sprachgebilde an sich.
Daher scheint es nun tatsächlich an der Zeit, das zentrale Element dieser Gebilde, nämlich das Wort selbst, einmal in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken und damit eben auf seine ganz spezifische Weise selbst beim Wort zu nehmen. Denn „kommt Antwort zu Wort“, (Wisser) kann aus dem Wort jenes Gespräch werden, aus dem dann der personale Bezug herrührt, den Gemeinschaft voraussetzt.
Da sich Denken in Sprache vollzieht, ist der Wechselbezug von Sprache und Erkenntnis, von Wort und Sache von zentraler Bedeutung. Wird daher nicht nur Sprache, sondern auch das Wort selbst beim Wort genommen, gewinnt Denken wie Sprache an Präzision; Voraussetzung für die Erweiterung des Erkenntnishorizonts. Wisser: „Bloßer Worte müßiges Gerede, zungenfertig, eloquent, geläufig, lässt der Rede Redlichkeit verkommen. Bringt der Sprache Sinngehalt ums Wort.“
Mit diesen das Wort beim Wort nehmenden Gedichten erschließt Wisser oftmals auch Begriffe neu, die häufig nur noch vordergründig genutzt werden. Er positioniert sie damit neu im Gefüge von Sprache und erweitert auf diese Weise die Horizonte seiner Leser hinein in Zeit und Raum.
Der Verlag, in dem der Philosophieprofessor seine Gedichte veröffentlicht, ist der Wolfgang Hager Verlag in Österreich, eine vorzügliche Adresse im deutschsprachigen Raum, wobei Hager selbst auch als Herausgeber fungiert. Dabei hat ihn diesmal der Titel seines Wormser Autors so überzeugt, dass er den gesamten Band mit Beiträgen von insgesamt zehn Gegenwartsautoren deutscher Sprache unter Wissers Anspruch gestellt hat: „Das Wort beim Wort genommen.“