Mi., 23. Februar 2022, 09:14 Uhr
CARITASVERBAND WORMS: Gruppe „Sucht-Freies-Leben" für Frauen trifft sich ab dem 16. März
Beratung, Austausch und Unterstützung
Forschung und Praxis belegen, dass Frauen anders in die Abhängigkeit von Suchtmitteln geraten als Männer. Sie konsumieren weniger in der Öffentlichkeit, heimlicher und schambesetzter. Weibliche Sucht findet eher im Verschlossenen, zu Hause statt und ist kaum sozial auffällig. Auch oder gerade weil sie versuchen ihren Alltagsaufgaben von Beruf, Kinder und Familie gerecht zu werden. Überproportional häufig haben sie auch in irgendeiner Form körperliche, psychische und sexuelle Gewalt erlebt. Vor diesem Hintergrund versuchen sie bestmöglich ihr Leben zu organisieren und den Schein nach außen zu wahren.
Um Frauen Wege aus der Sucht zu zeigen, bietet die Fachstelle für Frauenspezifische Suchtarbeit des Caritasverbandes Worms, ein speziell auf weibliche Probleme und Bedürfnisse ausgerichtetes, therapeutisches Gruppenangebot an. Dabei geht es um Gemeinschaft, Erfahrungsaustausch, Respekt, Entwicklung von Verständnis und Wertschätzung. Frauen, die Probleme mit Alkohol und/oder Medikamenten haben oder bei denen eine Essproblematik vorliegt, haben in der Gruppe die Möglichkeit, Beratung, Therapie, Austausch und Unterstützung zu finden. Ziel ist es, in einem geschützten Rahmen, Frauen zu ermöglichen über die eigene Problematik zu sprechen. Die Ursachen und Hintergründe der Suchtmittelabhängigkeit zu erkennen und eigene Lösungswege und Bewältigungsstrategien zu entwickeln, die ein suchtmittelfreies Leben ermöglichen.
Um Anmeldung wird gebeten
Die Gruppe „Sucht-Freies-Leben“ für Frauen bei Problemen mit Alkohol und/oder Medikamenten trifft sich ab 16. März für acht Treffen, 14-tägig mittwochs, von 16.30 bis 17.30 Uhr. Je nach aktueller pandemischer Situation finden die Treffen digital per Videoübertragung oder persönlich im Gruppenraum der Psychosozialen Behandlungs- und Beratungsstelle in der Renzstraße 3, statt. Um Anmeldung bei Heike Sohl unter Telefon 06241/20617-34 oder per E-Mail an Heike.Sohl@caritas-worms.de sowie bei Melanie Reppmann
unter Telefon 06241/20617-35 oder per E-Mail an Melanie.Reppmann@caritas-worms.de wird gebeten.
Interview mit Frau S.
Was brachte Sie dazu zu trinken?
Frau S.: Dass man süchtig ist merkt man oft erst sehr spät. Als ich 23 Jahre alt war bin ich süchtig geworden, oder besser gesagt da fing ich an regelmäßig am Wochenende zu feiern. Alkohol und auch Cannabis waren da mit im Spiel. Irgendwann habe ich gespürt, dass ich es einfach nicht lassen kann. Peinlich war es wenn ich nicht mehr so genau wusste was ich getan habe. Später als meine Tochter auf der Welt war und ich alleinerziehend uns über Wasser hielt, habe ich angefangen täglich, nach der Arbeit zu trinken. Aber so, dass sie es nicht merkt.
Wie hat ihre Familie reagiert?
Frau S.: Ja, die fanden das natürlich nicht toll. Meine Schwester hatte damals auch öfter versucht mir ins Gewissen zu reden. Sie hat auch gedroht, dass man mir mein Kind wegnimmt, wenn ich so weiter mache. Aber da habe ich immer aufgepasst, dass mein Problem nicht nach außen dringt. Heute weiß ich, dass meine Tochter das alles mitbekommen hat, auch wenn ich versuchte erst dann zu trinken wenn sie im Bett lag.
Warum haben Sie nicht schon früher den Ausstieg geschafft?
Frau S.: Ich hatte ja immer wieder versucht aufzuhören. Es hat dann auch mal ein/zwei Monate funktioniert. Doch bei dem kleinsten Problem oder auch nur aus Lust hab ich wieder angefangen. Wissen Sie man redet sich ja auch immer ein, gerade zu Zeiten wo man nichts trinkt, dass man jeder Zeit damit aufhören kann. Erst als ich mir das Ausmaß der Problematik selbst eingestanden habe, konnte ich mir Hilfe suchen. Und ich weiß noch wie ich mich geschämt habe bei dem ersten Gespräch in der Suchtberatungsstelle.
Haben Sie Angst rückfällig zu werden?
Frau S.: Ausschließen kann ich das natürlich nicht. Doch in der Langzeittherapie habe ich einiges über mich und den Alkohol begriffen. Ich konnte zum Beispiel nie nein sagen. Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen wenn ich nicht das tat was andere von mir wollten. Mittlerweile weiß ich woher das kommt. Da liegt einiges in meiner Kindheit verborgen. Ich hab gelernt auf mich Acht zu geben, und wie man immer so schön sagt Grenzen zu setzten. Dabei hilft mir auch, dass ich regelmäßig die Gruppe für Frauen mit Suchtproblemen besuche und auch immer noch Gespräche in der Suchtberatungsstelle wahrnehmen kann. Seither geht es mir viel besser und ich bleibe dran, denn ich habe verstanden, dass ich meine innere Freiheit nicht ertrinken kann.