Zum Tag der Migranten: Die Integrationsbauftragten der Stadt und ihre jüngsten Aktivitäten
Bereicherung, Chance & Herausforderung zugleich!
Der neu gewählte Beirat für Migration.
VON ROBERT LEHR | Die Migration ist so alt wie die Geschichte des modernen Menschen. Vor rund 200.000 Jahren begann zunächst seine Ausbreitung in Afrika bis er, nach Vorderasien vor 40.000 Jahren, auch nach Europa kam.
Und eines gilt bei allen Unterschieden damals wie heute: Um aus der Heimat in eine ungewisse Zukunft aufzubrechen, erfordert es Mut, Stärke und Entschlossenheit. Dabei können die Gründe für die Migration sehr unterschiedlich sein. Neue berufliche Perspektiven, Unzufriedenheit mit der Politik des Heimatlandes, die Angst vor Diskriminierung oder die Bedrohung des eigenen Lebens können mögliche und außerordentlich starke Motivationen sein.
Auch Deutschland wurde durch den Einfluss von Migranten stark mitgeprägt. Doch im Laufe der Jahrhunderte und Jahrzehnte hat sich die Art und Qualität der Migration verändert. Die wirtschaftliche Globalisierung hat dazu geführt, dass es immer neue Möglichkeiten, aber auch neue Notwendigkeiten für Abwanderung geben wird. Die größere Mobilität des Einzelnen führt dazu, dass auch in Zukunft viele Menschen ihr Glück in einer neuen Heimat suchen wollen oder auch müssen.
Geflüchtete sind ebenfalls Migranten, allerdings mit einer Besonderheit: Flüchtlinge haben ihr Zuhause nicht freiwillig verlassen. Sie wurden gezwungen ihre Heimat zu verlassen, weil sie z.B. vor Gewalt oder Krieg haben flüchten müssen. Das unterscheidet sie von den übrigen Migranten. Jeder Flüchtling ist also ein Migrant, aber nicht jeder Migrant ein Flüchtling. Beide Begriffe werden oft durcheinandergebracht, schlimmer: im politischen Kontext auch instrumentalisiert.
Heiß diskutiertes Thema!
Die Migration kann die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung eines Landes vorantreiben. Dennoch bleibt sie auf politischer wie persönlicher Ebene ein heiß diskutiertes Thema. Um auf die Rechte von Migranten und die Chancen und Probleme im Zusammenhang mit dem Thema Migration aufmerksam zu machen, hat die UN Generalversammlung den 18. Dezember im Jahr 2001 zum weltweiten Tag der Migranten erklärt.
Er soll den Fokus der Öffentlichkeit vor allem auf die Probleme und das Schicksal der rund 250 Millionen Migranten weltweit lenken. Ein Migrant in der modernen Welt hat mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Mangelnde Integration, Diskriminierung und fehlende Zugehörigkeitsgefühle sind nur einige der Probleme im alltäglichen Leben. Doch auch auf politischer Ebene ist ein Migrant der Zuwanderungs- und Asylpolitik seines neuen Heimatlandes ausgeliefert.
Am 18. Dezember jährte sich dieser weltweite Gedenktag zum 19. Mal – Grund genug, um einen kurzen Blick auf das zu werfen, was die Stadt Worms ihrerseits unternimmt, um den Herausforderungen der Migration gerecht zu werden. Denn nach einer Studie aus dem Jahr 2017 hat jeder dritte Wormser einen Migrationshintergrund. Die Bevölkerungszahl in Worms wäre insgesamt nicht gestiegen, sondern kleiner geworden, gäbe es nicht diese Menschen. Doch schon bevor die Anzahl der Asylbewerber eine Zeitlang gestiegen ist, gab es bereits einen Anstieg der Migration. Insgesamt wurde dadurch die demografische Entwicklung in der Nibelungenstadt stark beeinflusst. Das galt bereits vor dem starken Anstieg der Zahl der Asylbewerber.
Zur Zeit ist laut dem städtischen Sozialdezernenten und Beigeordenten Waldemar Herder, der dem NK für ein Gespräch bereitstand, eine aktualisierte Studie in der Auswertung. Deren Ergebnisse sollen in Kürze veröffentlicht werden.
10 Jahre Integrationsbeauftragte in Worms
Gerade in jüngster Zeit hat sich Einiges getan seitens der Stadt und ihrer/n Beauftragte/n für Migration und Integration. Vor ziemlich genau 10 Jahren wurde die Stelle geschaffen, die aktuell von Sabine Müller und Veronik Heimkreitner je zur Hälfte besetzt wird. Das Ziel ihrer gemeinsamen Arbeit bestehe laut Herder darin, „eine Kultur der Gleichberechtigung, Teilhabe und ein Diskriminierungsverbot aller Gruppen in der Nibelungenstadt zu erreichen“.
Derzeit lebten in Worms ca. 120 Nationen mit unterschiedlichen Sprach- und Kulturtraditionen. Waldemar Herder sieht in der „Vielfalt eine Bereicherung, eine Chance und eine Herausforderung zugleich“. Die Entwicklung in einer pluralen Gesellschaft sei nur dann möglich, wenn gegenseitige Akzeptanz als wichtige Spielregel für ein demokratisches Zusammenleben erkannt und genutzt werde.
Dabei unterstützten die beiden Fachfrauen alle Aktivitäten, die „dem friedlichen Miteinander, der gegenseitigen Anerkennung und der gesellschaftlichen Integration dienen. Dazu gehöre die Koordination und bereichsübergreifende Vernetzung der Aktivitäten in Worms, wobei bereits bestehende Arbeitskreise nicht ersetzt, sondern ergänzt würden, um Synergieeffekte zu nutzen.
Für den Sozialdezernenten und seine Mitarbeiterinnen ist „Integration ist ein dynamischer Prozess“, der in erster Linie von drei Säulen getragen werde: „Bildung, Partizipation und Arbeit“. Diese drei Bereiche griffen unmittelbar ineinander und bedingten sich gegenseitig, wobei sie „elementare gesellschaftliche Rechte und Pflichten beinhalten“.
Die Integration erfordere allerdings in jedem Falle eine Annäherung aller Beteiligten, „die Bereitschaft sich mit anderen Kulturen auseinander zu setzen, davon im gegenseitigen Austausch zu profitieren und demokratisch legitimierte Entscheidungen und Veränderungen unserer Gesellschaft zu akzeptieren“. Dabei werde „der Willen zur gesellschaftlichen Eingliederung und Teilhabe im Rahmen unseres Grundgesetzes vorausgesetzt!“, unterstreicht Waldemar Herder.
Ideenwerkstatt zum Jubiläum
Das Jubiläum zu „10 Jahre Integrationsbeauftragte in Worms“ wurde am 7. November mit einer „Ideenwerkstatt 10 Jahre Integrationskonzept in Worms“ im WORMSER gewürdigt. Gleichzeitig wurde mit vielen verschiedenen Akteuren, die alle an unterschiedlichen Stellen mit dem Thema der Integration in Worms beteiligt sind, an der Weiterentwicklung des Integrationskonzeptes gearbeitet.
Die Ideenwerkstatt habe gezeigt, dass viele Themen bereits in Arbeit seien und es funktionierende Strukturen und Netzwerke in Worms gibt, freut sich Herder. Die Ergebnisse hätten aber auch gezeigt, dass es auch noch Bereiche gäbe, die besser laufen könnten oder neue Bedarfe hinzugekommen seien.
Mehrsprachiges Vorlesen in der Adventszeit
Zu den den jüngsten Aktivitäten der Integrationsbeauftragten gehört auch Vorlesen in verschiedenen Sprachen. Dies stärke laut Herder die sprachliche Entwicklung der Kinder und sensibilisiere für Sprachenvielfalt. Aus diesem Grund veranstalteten die Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte, Katja Meyer-Höra und Veronik Heimkreitner, in Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus in Neuhausen am vergangenen Mittwoch bereits zum dritten Mal ein mehrsprachiges Vorlesen.
Dieses sei Teil der interkulturellen Lesereihe für Kinder im Alter von 5 bis 8 Jahren. Neben der Zweit- oder Drittsprache Deutsch solle die mitgebrachte Erstsprache gefördert werden. Die Kinder erhielten die Gelegenheit, Geschichten in Deutsch und in ihrer Muttersprache zu hören.
Der neue Beirat für Migration und Integration
Am 28. November fand im Wormser Rathaus die öffentliche konstituierende Sitzung des Beirates für Migration und Integration statt, welcher am 27. Oktober 2019 gewählt wurde. Wahlberechtigt waren 13.897 Personen, davon haben allerdings lediglich 558 Personen gewählt. Dies entsprach einer Wahlbeteiligung von 4 Prozent. Zu den Aufgaben und Möglichkeiten des Beirates gehören die Förderung und Sicherung des gleichberechtigten Zusammenlebens der in der Stadt wohnenden Menschen verschiedener Nationalitäten, Kulturen und Religionen, die Weiterentwicklung des kommunalen Integrationsprozesses und die Belange der Einwohner/innen mit Migrationshintergrund sowie die Erörterung von Fragen der kommunalen Integrationspolitik und deren Vertretung gegenüber den Organen der Stadt.
Der Beirat für Migration besteht aus den gewählten Mitgliedern Omer Abdulahi Mohamed, Jacob Aggrey, Zakaria Ahmed Mohamed, Fatima Amish, Alim Dirmik, Semiha Kirmizigül Aras, Wadad Landua, Remziye Levent, Nurlan Mammadov, Sumera Nizami Jeckel (Vorsitzende) und Sohrab Arash Ransur. Alexandros Stefikos (SPD-Stadtratsfraktion), Ali Yilmaz (CDU-Stadtratsfraktion), Philipp Ludwig Ras (AfD-Stadtratsfraktion), Kurt Lauer (Bündnis 90/Die Grünen-Stadtratsfraktion) und Astrid Perl-Haag (FWG-Bürgerforum Stadtratsfraktion) vertreten satzungsgemäß ihre Stadtratsfraktionen.
Schau-Selbst-Tour 2019
Bereits zum dritten Mal erhielten Jugendliche mit Migrationshintergrund Anfang 2019 durch die „SchauSelbstTour“ die Gelegenheit, das duale Ausbildungssystem kennen zu lernen und in verschiedene Berufe hinein zu schnuppern. Durch praktisches Ausprobieren sollten Jugendliche dabei unterstützt werden, den für sie passenden Beruf zu finden und mehr über ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten zu erfahren.