
Von Robert Lehr › „Berlin, Berlin – Wir fahren nach Berlin!“ – Den Schlachtruf der Fußballfans für das Finale des DFB-Pokals in der Bundeshauptstadt können jetzt die Aktiven des Hamburger Tor e.V. skandieren! Deren rühriger Verein wurde jetzt Landessieger des Deutschen Nachbarschaftspreises 2026 der nebenan.de Stiftung in Rheinland-Pfalz und damit eingeladen, ihre Initiative bei der offiziellen Preisverleihung am 17. November in Berlin zu vertreten. Dort stehen alle Landessieger aus den 16 Bundesländern gemeinsam mit den Gewinnerinnen und Gewinnern auf der Bühne. Doch bereits jetzt am Dienstag sind Vertreter des Hamburger Tor e.V. in die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz zu einem Landesempfang für die Sieger nach Mainz eingeladen.
Die nebenan.de Stiftung würdigt mit der Preisverleihung das ehrenamtliche Engagement des Vereins, der aus einer ehemaligen Wormser Altstadtkneipe einen lebendigen Treffpunkt für alle Generationen gemacht hat. Bundesweit hatten sich 957 Initiativen beworben. Nach der Nominierung Ende August gehört das Hamburger Tor nun zu den 16 Landessiegern.
„Besonders freut uns, dass nicht ein einzelnes Projekt, sondern unsere gesamte Vereinsarbeit und ihre Vielfalt gewürdigt wird. Dieser Preis gehört allen, die sich bei uns engagieren, unsere Veranstaltungen besuchen und diesen Ort mit Leben füllen“, freut sich Florian Dieckmann. „Um ihnen und allen weiteren Unterstützerinnen und Unterstützern zu danken, wird am 14. November ein großes Fest stattfinden“, lädt der 1. Vorsitzende des Vereins schon jetzt herzlich ein. Genauer Infos würden noch folgen. Ein besonderer Dank geht aber jetzt schon an Peter Englert. Dem ehrenamtlichen Beigeordneten u.a für Kultur in Worms sei es laut Diekmann zu verdanken, dass der Verein überhaupt auf den Wettbewerb aufmerksam wurde
Über die Wormser Altstadt wurde lange vor allem mit negativen Schlagzeilen berichtet. 2017 beschlossen Bewohnerinnen und Bewohner, das Potenzial ihres dicht besiedelten und kulturell vielfältigen Quartiers zu nutzen. Sie sanierten die ehemalige Kneipe „Hamburger Tor“ und gründeten einen Verein. Aus 20 Engagierten ist eine Gemeinschaft mit über 150 Mitgliedern geworden. 2025 erreichte der Verein mehr als 3.700 Menschen als Gäste oder Nutzerinnen und Nutzer seiner Einrichtung – und das ganz ohne bezahlte Kräfte. Hier kommen Menschen unterschiedlicher Generationen, Kulturen und Lebenswege zusammen und bringen und durch Kultur, Begegnung und gemeinsame Aktivitäten das Miteinander im Quartier zu stärken.
Das Programm ist so vielfältig wie die Nachbarschaft. Für Kinder und Jugendliche gibt es einen Fantasy-Buchclub, das Kinderkreppelcafé an Fastnacht sowie Bastel- und Vorlesenachmittage mit Wormser Autorinnen und Autoren. Ältere treffen sich bei „Silver-Mover – Bewegung mit Musik und Spaß“, einem Angebot des Seniorenbüros. Konzerte, Ausstellungen und Aufführungen regionaler Künstlerinnen und Künstler bringen Kultur in die Altstadt. Karten- und Spieleabende, gemeinsame Wanderungen sowie Weihnachts- und Silvesterfeiern sorgen dafür, dass niemand allein bleibt.
Die Jury der nebenan.de-Stiftung hebt besonders in ihrer Begründung der Auszeichnung hervor, dass Besucherinnen und Besucher selbst aktiv werden: „Aus Teilnehmenden werden Mitglieder, die das Vereinsleben mitgestalten.“
So sind Formate wie der gemeinsame Sonntagsbraten, die Walk-&-Talk-Gruppe und das Bingo-Café entstanden. Wer eine eigene Idee umsetzen möchte, kann die Räume für wenig Geld nutzen. Tische, Stühle, Geschirr und eine Küche sind vorhanden.
„Ich bin anfangs einfach zum Spieleabend gekommen, weil ich Lust auf Gesellschaft und eine gute Runde Karten hatte. Heute leite ich selbst die Doppelkopfrunde. Im Hamburger Tor ist man nicht nur Gast, hier kann man mitmachen und selbst etwas bewegen. Das ist das Schöne daran“, freut sich z.B. Gisela Löcher.
Florian Gerbig schätzt andere Formate: „Auf die Weinproben im Hamburger Tor freue ich mich jedes Mal. Man probiert Weine von Wormser Winzern, kommt mit Leuten ins Gespräch, die man sonst nie getroffen hätte, und geht selten vor Mitternacht nach Hause. Für mich ist das gelebte Nachbarschaft mit einem Glas in der Hand.“
Das Preisgeld fließt in neue Projekte, die die Altstadt stärken und lebenswerter machen sollen. Die Ideen reichen von einem Gemeinschaftsprojekt zur Begrünung der Altstadthäuser bis zu einem Sommerfest auf der unmittelbar benachbarten Friesenspitze.
„Nachbarschaft entsteht nicht von allein. Sie lebt davon, dass Menschen aufeinander zugehen und gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Die Auszeichnung ist für uns Bestätigung und Ansporn zugleich“, fühlt sich auch Reiner Schneickert als 2. Vorsitzender des Vereins weiterhin motiviert.
Den Verein kennenlernen kann man schon heute an einem Infostand bei den MarktWinzern. Eine weitere gute Gelegenheit bietet sich für Musikinteressierte am heutigen Samstag um 19 Uhr, wenn die virtuose Gitarristin „Delta Danny“ alias Danny Schumacher in der frühen Blues-Geschichte blättert – von den Roots des Country-Blues zu den traditionellen Blues-Songs zwischen Memphis und Chicago. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Musikerin sind erbeten. Oder am Samstag, dem 17. Oktober, um 19 Uhr. Hier spielt das Akustik-Quartett „Sweet Infidelity“ beim „Lazy Saturday Evening“ Hits von den 70ern bis heute in überraschenden neuen Arrangements, mal jazzig, mal gefühlvoll, mal tanzbar. Der Eintritt ist jeweils frei, Spenden sind willkommen.
Der Verein freut sich außerdem über neue Mitglieder und Fördermitglieder. Infos zur Mitgliedschaft und aktuelle Veranstaltungen gibt es unter www.hamburger-tor.de
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