Zum heutigen „Tag gegen den Schlaganfall“ sprach der NK mit Prof. Dr. Frank Thömke vom Fachbereich Neurologie im Klinikum
Beste Chancen auf schlaganfallfreies Leben
Jeder Schlaganfall ist ein Notfall. Eine professionelle Behandlung ist lebenswichtig.Foto: Fotolia.com/sudok 1
VON ROBERT LEHR |„Für viele Menschen scheint es einfacher zu sein, eine Tablette zu nehmen als wirksam etwas für die eigene Gesundheit zu unternehmen, wie z.B. abzunehmen oder mit dem Rauchen aufzuhören“ – Prof. Dr. Frank Thömke muss es wissen, denn als Facharzt für Neurologie zeichnet er für die Leitung dieses Fachbereiches am Klinikum Worms verantwortlich, und damit auch für die Patienten, die mit dem Verdacht auf einen Schlaganfall eingeliefert werden.
Symptome können unterschiedlich sein
Halbseitige Lähmung, Sprachstörungen, Schwindel – die Symp-tome eines Schlaganfalls können ganz unterschiedlich sein, deshalb ist es nicht immer leicht, ihn zu erkennen.
Da jeder Schlaganfall ein Notfall ist, der tödlich enden kann, müssen Betroffene schnellstmöglich professionell versorgt und in ein Krankenhaus gebracht werden, das im Idealfall mit einer speziellen Schlaganfallstation, einer sogenannten „Stroke Unit“, ausgestattet ist. Dabei ist die Zeit entscheidend. Bei bestimmten Behandlungen gilt es als maßgeblich, dass innerhalb von max. 4,5 Stunden nach Symptombeginn eine professionelle Behandlung beginnen kann.
Zum heutigen, bundesweiten Tag gegen den Schlaganfall wollte der NK daher von dem Chefarzt wissen, wie es in Worms um die Fallzahlen, die Belegung seiner „Stroke Unit“ und die allgemeine Entwicklung vor dem Hintergrund der Demographie steht.
Eine der häufigsten Todesursachen
Der Schlaganfall ist immer noch eine der häufigsten Todesursachen, vor allem aber die Erkrankung, die im höheren Lebensalter am häufigsten zu bleibenden Behinderungen führt z.B. Sprach- und Bewegungsstörungen.
Genau dies macht eine sinnvolle Prävention so notwendig und ist, laut Prof. Thömke, zum Teil eigentlich einfach. Er erinnert daran, dass für die Schlaganfall-Prävention das gleiche gelte wie z.B. für den Herzinfarkt. Er nennt Übergewicht, den damit oft einhergehenden Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck und vor allem Bewegungsmangel als mögliche Ursachen für einen Schlaganfall. Aber auch übermäßiger Alkoholkonsum sei eine entscheidende Einflussgröße. Schließlich könne mit zunehmendem Alter oft auch Vorhofflimmern ausschlaggebend sein, das lasse sich aber durch individuelles Verhalten nicht beeinflussen. .
2016 über 600 Personen versorgt
Im vergangenen Jahr sind es 621 Patienten gewesen, die in der „Stroke Unit“ in Worms behandelt worden seien, so der Neurologe. Gemeinsam mit seinem speziell geschulten Team aus Ärzten, Pflegekräften, Physio-, Ergo- und Sprachtherapeuten würden in dieser Schlaganfall-Spezialstation mit seinen 6 Betten Patienten versorgt, wenn sie mit Verdacht auf einen Schlaganfall eingeliefert werden. Die Deutsche Schlaganfall Gesellschaft habe diese Abteilung, die 1999 eine der ersten ihrer Art in Rheinland-Pfalz gewesen ist, 2016 zum wiederholten Mal zertifiziert, unterstreicht Prof. Thömke.
Zu 80 Prozent beruhten Schlaganfälle auf einer akuten Minderdurchblutung des Gehirnes meist infolge eines Gerinnsels, die ein Hirnarterie verstopfen, weiß der Neurologe.
20 Prozent hätten ihre Ursache in einer Hirnblutung, bei der eine Arterie im Gehirn „platze“ und das austretende Blut das Hirngewebe schädige. Mit einer Computertomographie als erster apparativer Untersuchung könnte eine Blutung ausgeschlossen werden. Trotz gleicher Symptome seien die Behandlungen grundverschieden.
So kann bei einem Gerinnsel versucht werden, dies durch eine „Lyse“ aufzulösen und die behinderte Durchblutung wieder zu ermöglichen. Dies ist aber nur in den ersten 4,5 Stunden möglich.
Daneben profiteren die Patienten hier auch von einer frühzeitigen rehabilitativen Behandlung: So würden sie auch pysio- und ergotherapeutisch, aber auch logopädisch behandelt. Der Sozialdienst des Klinikums organisiere frühzeitig Rehabilitationsmaßnahmen und stehe in allen anderen Fragen helfend zu Verfügung.
Steigende Fallzahlen auch in Worms
In den steigenden Fallzahlen sieht Prof. Thömke insofern ein Problem, als dass die „Stroke Unit“ und ihr Team schon an der Kapazitätsgrenze arbeiteten. Weil aber „die demographische Entwicklung und die anhaltend ungesunde Lebensweise in unserer Gesellschaft“ vorherrschten, müsse immer wieder an die risikomindernden Möglichkeiten der Prävention erinnert werden. Ein Schlaganfall sei zudem keine nur ältere Menschen betreffebnde Erkrankung.
So seien auch jedes Jahr bis zu 14.000 Erwachsene unter 50 Jahren betroffen. Mehr als 60 Prozent aller Erkrankten seien dauerhaft auf Pflege, Therapie oder Hilfsmittel angewiesen. Da die Altersgruppe der über 60-Jährigen aber 80 Prozent der Schlaganfälle treffe, sei mit einer Zuspitzung der Situation zu rechnen.
Mit seiner Forderung nach einer bewussten Anpassung des Lebenswandels schließt sich Prof. Frank Thömke Dr. Bettina Begerow an. Die Präventaionsexpertin der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, die auch den heutigen Tag gegen den Schlaganfall initiiert, fordert zum Aktionstag „Wesentliche Erfolgsfaktoren für ein gesundes Leben sind ausreichend Bewegung, ausgewogenen Ernährung, Verzicht auf das Rauchen und die Kontrolle der Risikofaktoren. Wer sich daran hält, hat beste Chancen auf ein schlaganfallfreies Leben“. Weitere Infos unter http://www.schlaganfall-hilfe.de