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  • Fr., 24. Oktober 2014, 21:28 Uhr
    „Vereinigung zur Förderung Schwerbehinderter e. V.“ steht mit Planungen zu einer KiTa kurz vor dem Abschluss

    Betreuungs- und Baulücke schließen

    So soll die KiTa im Endausbau aussehen. Beginnend mit dem Umbau des Eckhauses (rechts) sollen sich die Neubauten elegant in die Straßenflucht einfügen. Kleine Straßenbrücken und eine Dachbegrünung setzen gestalterische Akzente. Grafik: Eisenlohr + Partner, Architektur und Städtebau


    VON ROBERT LEHR Damit hat selbst Hans-Peter Kolb nicht gerechnet. Was vor einem halben Jahr noch wie Zukunftsmusik klang, wurde  innerhalb kürzester Zeit zu einem echten Hit. Mit seiner Idee einer innerstädtischen, inklusiven Kindertagesstätte unter Trägerschaft der „Vereinigung zur Förderung Schwerbehinderter e. V.“ hat der Wormser, als deren erster Vorsitzender offenkundig einen Nerv getroffen. Denn während in der Nibelungenstadt noch über 200 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren fehlen, könnte Kolb mit seiner Initiative der Stadt aus dieser großen Verlegenheit helfen. Sie ist wie die anderen rheinland-pfälzischen Städte und Gemeinden zur Betreuung der sogenannten U3-Kinder verpflichtet, wobei nur wenige Eltern landesweit versuchen, diesen Rechtsanspruch einzuklagen bzw. ihn eingeklagt haben. Die Stadt Worms behilft sich in Fällen, wo kein Platz geboten werden kann, mit der Übernahme der Kosten für eine „Tagesmutter“.  Dennoch bleibt der Bedarf an institutionalisierter Betreuung vor allem in der Innenstadt groß. Hier könnten nach Kolbs Plänen in einem überschaubaren Zeithorizont gleich mehrere Lücken geschlossen werden. In einer ersten Ausbauphase würden 60 bis 70 der begehrten KiTa-Plätze geschaffen, im Endstadium sogar bis zu 110. Sie sollen auch auf Gruppen verteilt werden, die inklusionsorientiert sind.

    Hier werden Kinder mit und ohne Beeinträchtigung betreut, ganz im Sinne der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die seit 2009 auch in Deutschland gilt. Danach hat jeder Mensch ein Recht auf „Inklusion“ – also darauf, ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft zu sein. „Doch von der rechtlichen zur tatsächlichen Gleichstellung behinderter Menschen ist es noch ein weiter Weg“, weiß der selbst stark sehbehinderte Hans-Peter Kolb gut genug. Mit der KiTa solle ein „Teil auch dieser Lücke geschlossen werden“, unterstreicht er.

    Städtebauliche Aufwertung des Quartiers

    Eine weitere Lücke wird auch städtebaulich geschlossen, denn der Aus- und Umbau des bestehenden Gebäudes Ecke Wollstraße/Fischmarkt sowie die Bebauung der Brachen entlang der Wollstraße bis zur Einmündung Römerstraße stellt eine enorme Aufwertung des Quartiers dar. Zumal, und das freut Hans-Peter Kolb ganz besonders, weil man mit Björn Eisenlohr einen „besonders begabten Architekten“ für das Projekt begeistern konnte. Er habe durch die Verantwortung bei Entwurf und Planung der KiTa im Liebenauerfeld seine Qualitäten hinlänglich unter Beweis gestellt. Eisenlohrs aktueller Entwurf für die KiTa in der Wollstraße zeige sich ebenso geschmackvoll wie funktionell. Zudem habe er die Planungen bereits so weit vorangetrieben, dass man unmittelbar mit dem Bau beginnen könne. Die Finanzierung steht dabei auf drei bzw. vier Säulen: Spenden, Sponsoren und Investoren sowie die Öffentliche Hand als größter Partner.  Dabei erlaubt die Realisierung der Neubauten auf einer Betonplatte eine schnelle Umsetzung. Hier setzt Hans-Peter Kolb darauf, von der Verwaltung „keine Steine in den Weg gelegt zu bekommen“. Gespräche u.a. mit dem Sozialdezernenten Waldemar Herder seien sehr konstruktiv verlaufen. Schließlich, so Kolb, nehme man der Stadt eine „große Last von der Schulter“, zumal sich die geplante städtische KiTa am Fischmarkt auf dem Gelände des derzeitigen Parkplatzes aus Kostengründen zerschlagen habe.

    Auch für die Migration bedeutsam

    Aber auch Christina Heimlich und Carlo Riva als in zahlreichen sozialen Belangen engagierte Wormser haben ihre Unterstützung zugesagt. Besondere Unterstützung erhält die Idee, da mit einer solch großen innerstädtischen Einrichtung auch der Gedanke der Migration maßgeblich befördert werden kann. Dass seine Idee auf solch große Resonanz gestoßen ist, freut Hans-Peter Kolb. Auch potenzielle pädagogische Arbeitskräften oder interessierte Eltern hätten sich zwischenzeitlich gemeldet, so der Initiator.

    Erfolgreiches Schulprojekt in der Türkei

    Wie engagiert Kolb bereits seit Jahren in dieser Hinsicht ist, zeigt sein langjähriger Vorsitz in der „Vereinigung zur Förderung Schwerbehinderter e. V.“. Die Vereinigung wurde im Jahr 2002 gegründet und hat sich schon für einige Projekte im sozialen Bereich eingesetzt. Dazu zählt auch ein erfolgreiches Schulprojekt in der Türkei. Diese Schule in Alanya für Kinder mit geistigen oder körperlichen Handicaps könnte Modellcharakter auch für die Wormser Projekte haben. Dabei reicht das Spektrum bei den dort betreuten Schützlingen von solchen mit Lernschwierigkeiten oder hyperaktivem Verhalten bis hin zu Beeinträchtigungen durch Autismus oder das Down-Syndrom. Dabei gehört die individuelle Förderung in den geistigen, seelischen, körperlichen wie sozialen Fähigkeiten ebenso zu den Zielsetzungen, wie praktische Hilfe zur Erziehung in den betroffenen Familien und die Integration in die Gesellschaft.  Zum pädagogischen Konzept gehören dabei, neben der gemeinsamen Betreuung mit Nicht-Beeinträchtigten, die neuesten sonderpädagogischen Erkenntnisse, die von geschultem Personal umgesetzt werden. Gerne informiert Hans-Peter Kolb persönlich zu seinem Konzept. Eine Kontaktaufnahme ist per E-Mail unter  behindert50@gmx.de möglich.

    Björn Eisenlohr und Hans-Peter Kolb (von links) nehmen letzte Abstimmungen an den Plänen vor. Neben der zentralen Lage mit der guten Verkehrsanbindung wird die KiTa über ausreichend Platz zum Toben im begrünten Innenhof verfügen. Foto: Robert Lehr

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