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  • Di., 01. Juni 2021, 22:00 Uhr
    BGM-Netzwerk-Worms: Die meisten klein- und mittelständischen Unternehmen könnten von den betrieblichen Corona-Impfungen ausgeschlossen sein

    Betriebliches Impfen nur für einen Teil der Beschäftigten

    Ab kommenden Montag, dem 7. Juni, ist es endlich soweit und die Corona-Impfkampagne soll über betriebliche Impfungen erneut Fahrt aufnehmen. Laut Christiane Brandt, Managerin des Netzwerkes des Betrieblichen Gesundheitsmanagements der Stadt Worms (BGM-Netzwerk-Worms), erreichen das Netzwerk täglich Anfragen von interessierten Unternehmen: „Doch von der Kampagne „Impfen im Betrieb“ sind geschätzt 50 Prozent der Wormser Beschäftigten von vornherein ausgeschlossen“, so Brandt. Darin sieht das Netzwerk eine große Herausforderung.

    In Wormser Unternehmen sind rund 29.000 Personen beschäftigt. Hiervon arbeiten laut Sabine Müller, Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Worms, ca 10.000 Personen in Unternehmen mit bis zu 49 Beschäftigten. Weitere 5.700 Beschäftigte arbeiten in Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten.

    „Viele dieser Unternehmen, auch manche größeren Betriebe, sind im Arbeitsschutz nicht ganz so gut aufgestellt und haben keine betriebsärztliche Betreuung. Arbeitsmedizinische Vorsorgen werden leider noch nicht flächendeckend angeboten und so fallen viele Unternehmen beim „Impfen im Betrieb“ durch das Raster“, weiß BGM-Managerin Brandt. „Doch gerade für Kleinstunternehmen ist ein coronabedingter Arbeitsausfall mit folgenden Quarantänemaßnahmen schwer zu verkraften und Impfungen für Beschäftigte sinnvoll“, bedauert sie.

    Festgelegte Anzahl Impfdosen für Betriebsärzte
    Impfen können ausschließlich Betriebe mit betriebsärztlicher Betreuung, da nur diese die benötigten Impfstoffe beim Bund bestellen können. Jedem Betriebsarzt wird eine festgelegte Anzahl an Impfdosen zugesprochen. Doch was machen Unternehmen, die von keinem Betriebsarzt betreut werden? Die Beschäftigten dieser Unternehmen haben aktuell keine Möglichkeit, ein Impfangebot über den Betrieb zu erhalten.

    Davon ausgehend, dass größere Unternehmen mit über 250 Beschäftigten über einen betriebsärztlichen Dienst intern oder extern verfügen, könnten von der aktuellen Impfkampagne gerade mal knapp 50 Prozent der Wormser Beschäftigten profitieren und ein Corona-Impfangebot erhalten.

    Betriebsmediziner sind rar und die wenigen die es gibt sind ausgelastet. So haben die beiden großen betriebsmedizinischen Dienste in Worms Streit und BAD auf telefonische Anfrage des BGM-Netzwerk-Worms bereits abgelehnt, für den Impfzweck Dienstleistungsverträge abzuschließen.

    Eine mögliche Lösung könnte die Kampagne der IHK Rheinhessen sein, bei der sich unter anderen die Wormser Unternehmen Fiege Logistik Stiftung & Co. KG, Röhm und Renolit SE bereit erklärt haben, kleine und mittlere Unternehmen ohne Betriebsmediziner zu versorgen, sofern genügend Impfstoffe für die eigenen Mitarbeitenden und die zusätzlichen Betriebe geliefert werden können. Aktuell erhält für den Impfstart in der kommenden Woche jeder Betriebsmediziner lediglich 102 Impfdosen.

    Auch das Landesimpfzentrum könnte die Strukturen für Betriebsimpfungen zur Verfügung stellen. „Wir sind sehr gut aufgestellt und mangels Landesimpfstoffe noch lange nicht ausgelastet. Die Strukturen von Anmeldung, Impfung bis Einpflegen der Daten in die Landesimpfdatei stehen und kosten das Land Geld“, so die Impfkoordinatoren der Stadt Worms, Dieter Hermann und Horst Finger. Sehr gerne würden sie die Wormser Betriebe unterstützen. Oberbürgermeister Adolf Kessel und das Land Rheinland-Pfalz würden die Einbindung des Landesimpfzentrums begrüßen. Was für diese Unterstützung fehlt ist ein Betriebsmediziner, der den Impfstoff erhalten und für die Impfungen Verantwortung tragen könnte.

    Rechtlichen Rahmenbedingungen noch nicht geklärt
    Doch die rechtlichen Rahmenbedingungen, die es Werksärzten oder Betriebsärzten erlauben würde, die Beschäftigen der kleinen und mittleren Unternehmen ohne betriebsärztliche Betreuung zu impfen, sind noch nicht geklärt. Deshalb können aktuell weder die anderen Wormser Unternehmen noch das Landesimpfzentrum helfen.

    Der Hauptgeschäftsführer der IHK Rheinhessen, Günter Jertz, und die Impfkoordinatoren der Stadt Worms hoffen auf eine baldige Lösung. „Doch zunächst schauen wir gespannt dem Impfstart in den Betrieben in der nächsten Woche entgegen. Vielleicht ist dann auch ein Modell für kleine und mittelständische Unternehmen möglich“, so Jertz.

    Bis zu einer Lösung müssen sich die Beschäftigten der kleinen und mittleren Unternehmen selbst um ein mögliches Impfangebot beim Hausarzt oder über das Impfportal des Landes bemühen. „Wir bleiben am Ball und hoffen, dass wir als BGM-Netzwerk-Worms gemeinsam mit dem Landesimpfzentrum der Stadt Worms, der IHK Rheinhessen und den großen Unternehmen aus Worms ein gutes und funktionierendes Netzwerk zum „Betrieblichen Impfen“ aufbauen können“, sind sich der städtische Impfkoordinator, Dieter Hermann, und die BGM-Managerin, Christiane Brandt, einig.

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