Worms: Ahmadiyya-Gemeinde distanziert sich von Terrorismus und bekennt sich zu Deutschland
Botschaft des Friedens
Mit einer Info-Kampagne informiert die Wormser Ahmadiyya-Gemeinde rund um ihren Imam Musawar Shams (2. von links) über ihr Verständnis des Islam: Kein Zwang im Glauben und ohne religiös motivierte Gewalt. Foto: Florian Helfert
VON FLORIAN HELFERT Wohl kaum ein Gast des Herrnsheimer Schlosses wird die historische Bildtapete mit dem Titel „An den Ufern des Bosporus“ vor Augen oder dessen Geschichte parat haben. Die Bilder und Anschläge des islamistischen Terrorismus hingegen haben sich fest in das kollektive Gedächtnis eingebrannt.
„Angesichts des im Namen des Islam verübten Terrors suchen wir das Gespräch“, weiß Musawar Shams als Imam der Wormser Ahmadiyya-Gemeinde um gesellschaftliche Vorbehalte. In einer bundesweiten Info-Kampagne distanziert sich die Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland deshalb von religiös motivierter Gewalt. Ziel ist es zudem, vorhandene Ängste und Sorgen zu nehmen sowie Vorurteile abzubauen.
Info-Kampagne in Stadt und Kreis geplant
Um Gehör zu finden, wollen die Wormser Ahmadis unter anderem sowohl in der Nibelungenstadt als auch im Landkreis Schritt für Schritt jede Ortschaft besuchen. Im direkten Dialog möchten sie ihre Loyalität zum deutschen Staat sowie ihre Grundsätze wie etwa die Trennung von Religion und Staat vermitteln. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, werden zudem Flugblätter verteilt.
Kostenfreie Hotline für Fragen
Anhand des Flugblattes erhalten insbesondere nicht-muslimische Bürger die Option, ihre Fragen zum Islam über eine kostenfreie Hotline 0800/210 77 58 an muslimische Theologen zu richten.
Infostände in den Fußgängerzonen sowie Dialogveranstaltungen werden die Kampagne ergänzen. „Mit den Behörden stehen wir im Zuge von Corona deswegen in Kontakt und werden die einzelnen Termine unserer Aktionen noch bekanntgeben“, kündigt Imam Shams an. Außerdem plant die Wormser Ahmadiyya-Gemeinde, Friedensbäume in zwei Gemeinden des Landkreises zu pflanzen.
Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ)
Die AMJ ist nach eigenen Angaben eine Reformbewegung im Islam mit weltweit über zehn Millionen Anhängern. In Deutschland ist sie als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Circa 45.000 Mitglieder leben in der Bundesrepublik, davon rund zählen rund 200 Personen zur Wormser Gemeinde.
Gegründet wurde die Bewegung 1889 von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad in Indien. Sein Anspruch, der vom Heiligen Propheten prophezeite Messias und Imam Mahdi des Islams zu sein, führte zu Kontroversen sowie zur Ausgrenzung und Verfolgung der Ahmadis in der muslimischen Welt.