
Mit dem Marsch aus Hector Berlioz’ „La Damnation de Faust“ eröffnete die Sinfonietta Worms den Konzertabend – ein wirkungsvoller Auftakt, der dem Orchester zugleich Gelegenheit gab, sich auf die recht direkte Akustik des Wormser Theaters einzustellen.
Im Mittelpunkt des ersten Programmteils stand anschließend Édouard Lalos „Symphonie espagnole“, die 1870 für den berühmten Geiger Pablo de Sarasate entstand und zu den Hauptwerken des französischen Violinrepertoires zählt. Als Solistin war Xixi Gabel zu erleben, die dem Wormser Publikum keine Unbekannte ist: Einst Schülerin von Olga Nodel an der Musikschule, führte ihr Weg über mehrere Preise bei „Jugend musiziert“ und diverse Meisterkurse an die Universität der Künste Berlin, wo sie derzeit studiert. Zugleich ist sie Stipendiatin der Stiftung „Villa Musica“ in Mainz. Mit Bravour meisterte Gabel die trompetenartigen Kadenzen des Beginns; umso eindrucksvoller gelang ihr der Übergang zum lyrischen Seitenthema. Überhaupt überzeugte ihre Gestaltung durch feinsinnig eingesetzte Rubati und klangliche Fantasie, die nie zum Selbstzweck gerieten, sondern als natürliche Bestandteile der Musik erschienen.
Im Scherzando, das brillantes Laufwerk verlangt, bestach sie durch Präzision und klare Artikulation, einfühlsam getragen vom Orchester. Das folgende Intermezzo, eine feurige Habanera und wohl der spanischste Satz des Konzerts, kostete sie in seinem charakteristischen Kolorit gefühlvoll aus.
Das musikalisch nicht unproblematische Andante gewann durch Gabels Fähigkeit, lange Spannungsbögen zu formen und der Violine eine reiche Farbpalette zu entlocken. Im technisch höchst anspruchsvollen Schlussrondo, das der Solistin pausenlos schnelle Passagen und zugleich Durchsetzungskraft gegenüber dem Orchester abverlangt, vermittelte sie souverän den Eindruck größter Mühelosigkeit.
Ein Kompliment gebührt auch dem Orchester und seinem Dirigenten Reinhard Volz: Beide widerstanden der Versuchung, in den Tutti-Passagen allzu laut aufzutrumpfen. Der große Beifall für Xixi Gabel war hochverdient.
Die sorgfältige Einstudierung zeigte sich auch in Robert Schumanns Erster Symphonie. Dem einleitenden Allegro molto fehlte es zwar ein wenig an frühlingshaftem Überschwang, doch kam diese Zurückhaltung der Präzision zugute. Besonders die Bläser verdienten großes Lob. Das Larghetto war umsichtig gestaltet und gab allen Instrumentengruppen Gelegenheit, die Besonderheiten von Schumanns Satztechnik hörbar zu machen. Im weit ausgreifenden Scherzo mit seinen beiden Trios setzte das Ensemble überzeugende Kontraste; erneut konnten vor allem die Bläser glänzen. Auch die heikle Einleitung und der Übergang in das abschließende Allegro animato gelangen sicher. Die klare Artikulation blieb bis zum feurigen Schluss erhalten.
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