Mit der Gründung des Fördervereins „Unser Hochstift braucht Freunde“ soll in erster Linie ein Zeichen an den Träger zum Erhalt geschickt werden
Bürger kämpfen um „ihr“ Hochstift
Vorstand und Aufsichtsrat des Fördervereins präsentierten sich nach den Wahlen der Presse. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Am Mittwochabend fand die Gründungsversammlung des Fördervereins „Unser Hochstift braucht Freunde“ statt. Trotz tropischer Temperaturen hatten sich im Konferenzraum des Wormser Krankenhauses Hochstift rund 150 Personen eingefunden.
Die Landtagsabgeordnete Kathrin Anklam-Trapp sprach die Einführungsworte und blickte dabei auf ihren eigenen beruflichen Werdegang im Hochstift zurück, wo sie bis 1989 gearbeitet hat. „Worms braucht ein zweites Krankenhaus“, sagte Kathrin Anklam-Trapp und führte aus, dass es im Hochstift ein besonders „Wir-Gefühl“ gäbe. Es existiere gar so etwas wie eine Hochstift-Familie, zu der die Mitarbeiter aber auch die Patienten gehörten. Gerade die Lage im Herzen der Stadt, die schnelle fußläufige Erreichbarkeit und die überschaubare Größe des Hauses habe zur Beliebtheit beigetragen. Dafür bekam die Landtagsabgeordnete großen Applaus und man spürte, dass sie den Menschen aus dem Herzen sprach.
Hochstift seit 1926 Oberbürgermeister Michael Kissel erinnerte daran, dass das Hochstift 1926 gegründet wurde und seitdem zum Stadtbild gehöre. Weiter betonte er, dass die gesundheitliche Versorgung ein hohes Gute der Menschen sei und ein Stück Lebensqualität bedeute. Und das Hochstift sei ein Teil davon und erfreue sich großer Beliebtheit.
Breite Basis Beim formellen Gründungsakt des Fördervereins traten alle 150 Personen bei und es wurde der Vorstand gewählt. Die Vorsitzende wurde Kathrin Anklam-Trapp, ihr Stellvertreter ist Dr. Walter Ferbert, die Schriftführerin ist die Anwältin Claudia Spitz, Pressesprecher wurde Hans-Jürgen Schalk und Kassenwart Dr. Marcus Walden von der Sparkasse. Zu den vier Beisitzern wurden Ulrike Löffler, Helga Schmidt, Jutta Herbert und Dr. Wolfgang Manstein gewählt. Darüber hinaus gibt es einen Beirat, in dem der Wormser Oberbürgermeister vertreten ist, ebenso wie der Leitende Chefarzt, die Pflegedirektorin, ein Mitarbeitervertreter sowie ein Repräsentant des Träger des Hochstiftes, der Agaplesion gAG.
Aufgaben des Vereins Der Mitgliedsbeitrag im Förderverein beträgt für Einzelpersonen 12 Euro im Jahr und für Firmen bzw. Institutionen 60 Euro. Damit lässt sich natürlich ein Krankenhaus weder finanzieren noch retten, aber es können kleinere, ergänzende Anschaffungen getätigt werden. Auch erhofft sich der Verein natürlich zahlreiche Spende, die das Budget vergrößern sollen. Doch wäre es falsch, die Gründung primär unter dem finanziellen Aspekt zu sehen, vielmehr geht es darum, ein Zeichen für den Wunsch der Bürger zum Erhalt des Haues zu setzen und eine Art „positive“ Bürgerinitiative ins Leben zu rufen. Mit der Willensbekundung zum Erhalt soll ein Zeichen an den Träger, also den Besitzer des Hochstiftes gesandt werden, das Hochstift nicht aufzugeben.
Bei dem Besitzer handelte es sich um gemeinnützige Aktiengesellschaft (gAG) AGAPLESION. Dies ist ein moderner Gesundheitskonzern, der aus einem Verbund christlicher und sozialer Einrichtungen besteht. Der Sitz des Unternehmens ist Frankfurt. Die Agaplesion gAG beschäftigt bundesweit 19.000 Mitarbeiter in 100 Einrichtungen, wozu Krankenhäuser, Altenpflegeeinrichtungen, Akademien, ambulante Pflegedienste und Hospize gehören. Die Frage, die s ch jetzt stellt, ist jene, ob ein kleines Haus wie das Hochstift mit nur 141 Betten im hart umkämpften Gesundheitsmarkt überlebensfähig ist und wenn ja, welche Konzepte es zur Rettung gibt.
Gescheiterte Fusion Die Problematik des Hochstifts lässt sich natürlich nur verstehen, wenn man auf die gescheiterte Fusion vor rund zwei Jahren zurückblickt. Nach erfolgreichen Gesprächen zwischen dem Wormser Klinikum und dem Hochstift sollte im Sommer 2012 die Fusion erfolgen. Damit schien ein erfolgversprechender Weg eingeschlagen zu sein, bei dem es zu einer Arbeitsteilung mit jeweiliger Spezialisierung in beiden Häusern kommen sollte. Das Hochstift hätte seinen Schwerpunkt etwa bei der Altersmedizin (Geriatrie) gehabt. Die zwei Standorte wären erhalten geblieben. Wobei es keine Verschmelzung auf Augenhöhe gewesen wäre, sondern das Klinikum etwa drei- bis viermal so groß ist. So beschäftigt das Klinikum zurzeit rund 1.400 Mitarbeiter, verfügt über 555 Betten und versorgt pro Jahr über 26.000 Patienten stationär und über 36.000 ambulant. Das Hochstift hat hingegen nur 317 Mitarbeiter, 141 Betten und behandelt pro Jahr rund 6.000 Patienten sowohl stationär wie ambulant.
Das Kartellamt untersagt jedoch aus Wettbewerbsgründen die Fusion, was zu großem Unverständnis bei der Politik in Stadt und Land führte. Auch die Bürger und die Mitarbeiter beider Häuser hatten kein Verständnis. Das Bundeskartellamt hatte von 2004 bis 2012 insgesamt 170 Fusionen im Krankenhaussektor geprüft und nahezu alle genehmigt, nur sechs verweigert. Worms war der Fall Nummer sieben.
Hängepartie Seit der Entscheidung des Kartellamtes vor zwei Jahren gibt es eine Art Hängepartie, was mit dem Hochstift geschehen soll. Ein Verkauf an eine große Krankenhauskette stand im Raum oder eine erhöhte Investitionen der gAG Agaplesion. Schlimmste Befürchtungen gehen inzwischen aber auch in Richtung einer Schließung, obwohl dies offiziell natürlich niemand ausspricht. Klar ist aber, es muss jetzt etwas geschehen, da in den letzten Jahren kaum noch Investitionen in die Infrastruktur getätigt wurden.
Die Gründung des Fördervereins ist daher auch so etwas wie ein Hilferuf bzw. eine Aufforderungen in Richtung Agaplesion endlich ein Konzept vorzulegen, Eigenmittel bereitzustellen und entsprechende Fördermittel beim Land zu beantragen.
Landtagsabgeordnete Kathrin Anklam-Trapp sagte bei der Gründung des Fördervereins denn auch gegenüber dem NK, dass es in erster Linie um die ideelle Unterstützung des Hochstiftes gehe. Aber sie glaube an eine Rettung, sonst würde sie ich nicht für den Verein engagieren. Die Investitionen müsste aber von der Agaplesion gAG kommen, das Land könne nur mitfinanzieren und der Verein nur flankierend wirken. Wichtig sei aber, dass sich viele Menschen im Verein engagieren, um der Agaplesion gAG zu zeigen, wie wichtig den Wormser Bürgern das Hochstift sei
OB Michael Kissel sah dies genauso wie seine Parteifreundin, auch er sieht die Agaplseion gAG nun in der Pflicht. In naher Zukunft werde es zu Gesprächen mit den Verantwortlichen des Konzern kommen. Hiervon verspricht er sich Klarheit, möglichst aber auch ein positives Zeichen in Richtung Zukunftsinvestitionen.
Schwerpunkt setzen
Auf eine Presseanfrage des NK erläuterte eine Vertreterin der gAG Agaplesion , dass man sich sehr über die Gründung des Fördervereins freue, da dies eine festere Verankerung in der Region bedeute. Beim Land seien schon in der Vergangenheit Mittel für Investitionen beantragt worden.
Zur zukünftigen Ausrichtung sagte die Vertreterin des gAG Agaplesion, dass die Bereiche „Chirurgie“, „Innere Medizin“ und „Geriatrie“ sehr wichtig seien. Mit Dr. Cornelia Deckwerth und Dr. Florian Graupe habe man im vergangenen Jahr zwei hochqualifizierte Mediziner für das Hochstift gewonnen, die seither die Abteilungen „Unfallchirurgie und Orthopädie“ sowie die „Viszeralchirurgie“ neu aufgestellt und ausgebaut haben.
Mit der Einführung der geriatrischen Abteilung innerhalb der Inneren Medizin im Jahr 2013 habe man am Hochstift einen neuen Schwerpunkt etabliert, der sehr gut angenommen werde und der von Dr. Ulrike Buchwald, einer ausgewiesenen Expertin im Bereich Altersmedizin, geführt wird. Daneben baue man auf die enge Zusammenarbeit mit den bereits seit vielen Jahren mit dem Hause verbundenen niedergelassenen Ärzten.
Zur Überlebensfähigkeit sagte die Pressesprecherin: „Als ein kleines Krankenhaus steht das Hochstift vor denselben wirtschaftlichen Herausforderungen wie jedes zweite Krankenhaus in Deutschland. Ohne intensive Anbindung und Einbindung in ein medizinisches Netzwerk vor Ort wird das jedoch nur schwer funktionieren. Dies würden die Beispiele zahlreicher kleiner Krankenhäuser in Deutschland zeigen. Umso mehr freue es den Konzern, dass mit dem Förderverein „Unser Hochstift braucht Freunde“ nun noch ein weiterer engagierter Partner an der Seite des Agaplesion stehe.