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  • Di., 30. Oktober 2018, 13:10 Uhr
    Polizeidirektion Worms ehrt acht couragierte Lebensretter

    Bürgermut wird belohnt

    Ohne ihr Eingreifen wären vermutlich zwei Menschen gestorben – für ihren selbstlosen Einsatz ehrte die Wormser Polizei couragierte Bürgerinnen und Bürger. Foto: Florian Helfert

    VON FLORIAN HELFERT Polizeibeamte können nicht überall zeitgleich auf Streife sein. „Wir sind deshalb auf Bürger angewiesen, die auf ihre Mitmenschen achten, im Notfall helfen und uns unterstützen“, legte Polizeioberrat Frank Heinen als stellvertretender Direktionsleiter der Polizeidirektion Worms in Anbetracht zweier herausragender Fälle dar: Teils unter Einsatz ihres Lebens retteten acht selbstlose Bürger zwei Menschenleben.


    In ersten Fall hatten Iven Angst und Thomas Walter Blumrich einen Senior im August aus einem brennenden Haus in Eich geholt und ihm dadurch das Leben gerettet. Carina Class, Sharlene Johanna Markl und Mirko Heß leisteten vor dem Haus Erste Hilfe und halfen, die Nachbarhäuser zu evakuieren. Ein technischer Defekt einer Mehrfachsteckdose hatte den Brand ausgelöst.


    Abrupt endende Sommernacht
    „Wir haben zu viert gemütlich bei Carina am Ferienhaus am Eicher See bis in die Nacht erzählt“, berichtete Iven Angst. „Plötzlich fiel uns auf, ‚Hey, gegenüber brennts!‘ und sind ins Auto gesprungen“. Auf der anderen Seite des Sees habe man dann eine Frau mit ihren beiden Hunden angetroffen, die panisch „Mario, Mario“ geschrien habe. „Bevor ich rein bin“, so Angst, „bin ich einmal ums Haus“.


    Parallel hatte Thomas Walter Blumrich den Brand als Nachbar gerochen. Während seine Frau sich daraufhin mit einem Gartenschlauch bemühte, ein Übergreifen des Brandes auf ihr Grundstück zu verhindern, sei er ins Haus. „Ich habe mir jeden Schritt genau überlegt“, erläuterte Blumrich, wegen des Rauchgases nur auf dem Boden kriechend, den Hausbewohner lokalisiert zu haben. „Danach haben wir ihn gemeinsam rausgeholt“, so Blumrich weiter.


    „An dem Tag waren wir aufgrund der Krebserkrankung meines Mannes acht Stunden in Heidelberg und obwohl er nur die Hälfte sieht, ist er trotz einer obendrein kaputten Schulter rein“, blickte Britta Blumrich auf diesen langen Tag zurück. „Nach dem ganzen Horror“, so das Ehepaar, „war der Nachbar bei uns und hat sich in aller Form bedankt!“


    Rauchvergiftung, Traumata und eine Klage vor dem Arbeitsgericht
    Iven Angst schilderte anschließend eindringlich die weiteren Folgen: „Wir sind dann mit einer Rauchvergiftung ins Klinikum gekommen“. Dort habe er sich dann selbst ausgewiesen. „Traumatisiert bin ich in ein Zimmer einer älteren Dame gesteckt worden, welche die ganze Nacht über schrie“, so Angst. Nicht auszuhalten. Am nächsten Morgen habe er dann bei der Arbeit erscheinen müssen, wozu er sich außerstande gesehen habe.


    Ein paar Wochen später habe er dann auch noch den Brandgeruch eines Ibersheimer Brandes wahrgenommen. „Ich habe mir Hilfe beim Pfarrer und einem Psychologen – und beim Rechtsanwalt – holen müssen“, sagte Angst, dessen Arbeitgeber ihn vor zwei Wochen gekündigt hat. „Wegen nicht fristgerechter Krankmeldung...“, schüttelt er den Kopf und weiß den Betriebsrat hinter sich. „Heute morgen ist mein Termin vor dem Arbeitsgericht ausgefallen“, stellte Iven Angst lapidar fest. Und, dass er dennoch wieder genauso handeln würde.


    Unterkühlter Junge im Eisbach
    Im zweiten Fall erkannten Ines Rissberger, Mischa Marincevic und Andrej Malikov zufällig, dass sich ein Junge in einer gefährlichen Lage befand. Der 15-Jährige lag an einem kalten Septembertag aus weiterhin unbekannten Gründen in der Eisbach. Zeitweise hatte er das Bewusstsein.


    „Ich bin morgens mit meinem Fahrrad unterwegs gewesen und habe den Jungen nur per Zufall im Bachlauf liegen sehen“, rief sich Rissberger ins Gedächtnis, daraufhin die Polizei verständigt zu haben. „Wenn er zu Bewusstsein kam, klagte er über starke Schmerzen im Rücken“, berichteten die beiden weiteren Ersthelfer, welche nach und nach auf den Fall aufmerksam wurden.


    Aufgrund der Schmerzen hatten ihn die drei nach eigenen Angaben zwar wenig bewegen, zugleich allerdings doch ein wenig aus dem kalten Wasser bugsieren und mit ihren Jacken umwickelt wärmen wollen. „Mit Hilfe der schnell eingetroffenen Rettungskräfte haben wir den Jungen dann aus dem unwegsamen Gelände mit all seinen Brombeerhecken in den Rettungswagen getragen“, so Mischa Marincevic. „Wie er mit dem Krankenwagen davon fuhr“, merkte Andrej Malikov abschließend an, „waren wir emotional tief bewegt, denn wir haben gebangt, wie es mit ihm weitergeht“.


    Beherzt gehandelt
    „Sie alle haben beherzt reagiert und mit ihrem Handeln Menschenleben gerettet“, dankte Frank Heinen danach all seinen Ehrengästen. Darüber hinaus, betonte Polizeisprecher Michael Lerch ergänzend, habe sich niemand von ihnen zurückgezogen, sondern die Einsatz- und Rettungskräfte auch nach deren Eintreffen weiterhin soweit möglich unterstützt.


    „Dafür möchten wir in unserem Haus Dank aussprechen und eine kleine Aufmerksamkeit überreichen“, zauberte Heinen aus den bereitstehenden Sets beispielsweise eine Polizeitasse sowie eine Polizeiweinflasche hervor. „Wir haben die beiden Fälle auch an das Innenministerium weitergeleitet“, fügte Polizeisprecher Michael Lerch zum Ende an, „so dass eventuell noch eine weitere Ehrung in Mainz hinzukommen könnte“.

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