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  • Sa., 30. Mai 2026, 13:40 Uhr
    TIERHEIME SEHEN ROT: Deutscher Tierschutzbund verklagt Bundesrepublik / Auflagen spitzen Situation zu / Auch Wormser Tierheim betroffen

    „Bund lässt uns im Stich!“

    Immer mehr Tiere bleiben immer länger in den Tierheimen, während sowohl die Kosten, die Auflagen als auch der notwendige Investitionsbedarf massiv steigen.
    Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V./M. Marten

    Von Florian Helfert › Der Deutsche Tierschutzbund – das Wormser Tierheim gehört dessen Landesverband Rheinland-Pfalz an – hat Klage gegen die Bundesrepublik eingereicht. Hintergrund ist die seit Jahren mangelnde Unterstützung von Tierheimen durch den Bund. Nachdem die Regierung trotz Zusagen im Koalitionsvertrag erneut keine Mittel bereitgestellt hatte, betritt der Verband mit der Verpflichtungsklage juristisches Neuland. Ziel ist es, erstmals gerichtlich klären zu lassen, ob der Bund aufgrund des Staatsziels Tierschutz im Grundgesetz verpflichtet ist, den praktischen Tierschutz finanziell zu unterstützen.

    Auch das Tierheim des Tierschutzvereines Worms Stadt und Land e.V. arbeitet zunehmend an der Belastungsgrenze. Wie so viele Tierheime ist es von ausbleibenden Investitionshilfen betroffen, sodass die Klage ausdrücklich begrüßt wird. „Die Situation spitzt sich seit Jahren zu. Immer mehr Tiere bleiben immer länger bei uns, während sowohl die Kosten, die Auflagen als auch der notwendige Investitionsbedarf massiv steigen“, sagt Christiane Gumpert, 1. Vorsitzende. „Der Tierschutz ist als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Trotzdem werden wir seit Jahren allein gelassen. Der Bund lässt uns im Stich!“


    Steigende Kosten

    Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes besteht bundesweit ein Investitionsbedarf in dreistelliger Millionenhöhe in Tierheimen und tierheimähnlichen Einrichtungen. Viele kämpfen mit maroden Gebäuden, gestiegenen Energie- und Tierarztkosten sowie verschärften Vorgaben etwa im Bereich Tierseuchen- und Arbeitsschutz. All dies trifft auf Worms zu, wie Gumpert u.a. nochmals bestätigt: „Die gesetzlichen und fachlichen Auflagen in der Tierhaltung sind deutlich gestiegen, und selbstverständlich möchten und müssen wir diesen Standards entsprechen.“

    Begrenzte Ressourcen

    „Darüber hinaus fehlt es uns zunehmend an Platz. Unser Tierheim ist flächenmäßig inzwischen zu klein geworden, und insbesondere der Bau eines neuen Katzenhauses ist dringend notwendig. Das bestehende Katzenhaus ist stark in die Jahre gekommen und entspricht weder den heutigen Anforderungen an eine zeitgemäße Tierhaltung noch unserem eigenen Anspruch an die Unterbringung und Versorgung der Tiere.“ Insgesamt bestünde ein erheblicher Sanierungsstau; Gebäude und Tierunterkünfte müssten modernisiert werden.

    Immer häufiger erreichen das Tierheim Anfragen von Tierkliniken oder den Tierhaltern selbst, ob verletzte Tiere aufgenommen und versorgt werden könnten, weil ihre Besitzer dazu finanziell nicht mehr in der Lage sind. „Wir helfen, wo es möglich ist – doch auch unsere Kapazitäten und Mittel sind begrenzt. Gleichzeitig erhalten wir aus ganz Deutschland zahlreiche Anfragen zur Aufnahme verhaltensauffälliger oder bissiger Hunde. Da unsere Plätze bereits mit schwierigen Hunden belegt sind, stoßen wir auch hier an unsere Grenzen.“

    Das bestehende Katzenhaus ist stark in die Jahre gekommen und widerspricht einer zeitgemäßen Tierhaltung.
    Foto: Tierheim Worms

    Mehr Verantwortung gefordert

    Generell werden Tiere noch immer viel zu unüberlegt angeschafft und leider oft wie Wegwerfartikel behandelt. Dabei wird vergessen, dass es sich um fühlende Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen handelt. Mit wenigen Klicks im Internet wird ein Tier gekauft, ohne sich zuvor ausreichend mit Haltung, Verantwortung und Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Wenn dann Probleme auftreten oder festgestellt wird, dass das Tier doch nicht „passt“, sollen Tierheime die Situation auffangen.

    Besonders problematisch sind leider auch unseriöse Auslandsvereine, die Tiere vermitteln, jedoch keinerlei Lösung haben, wenn eine Vermittlung scheitert. Statt Verantwortung zu übernehmen, werden Betroffene an Tierheime verwiesen. Hier braucht es dringend strengere Regelungen. Organisationen, die ihre vermittelten Tiere nicht zurücknehmen können oder bei Problemen den Kontakt abbrechen, sollte der weitere Import von Tieren untersagt werden.

    Hilfe in hohem Maße willkommen

    Das Tierheim Worms ist in hohem Maße auf die Hilfe und Spendenbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. „Für die Hilfe, die uns erreicht, sind wir außerordentlich dankbar. Unser besonderer Dank gilt zudem den zahlreichen Ehrenamtlichen, die uns mit großem Engagement unterstützen und einen unverzichtbaren Beitrag zu unserer täglichen Arbeit leisten.“

    Untätige Bundesregierung

    Der Bund zieht sich bisher aus der finanziellen Verantwortung und verweist auf die Zuständigkeit der Kommunen. Dabei zeigt die sogenannte „Sportmilliarde“ was möglich ist, wenn der politische Wille da ist: Städte und Gemeinden können beim Bund seit Kurzem Mittel für die Sanierung kommunaler Sportstätten beantragen. „Das braucht es auch für den Tierschutz“, sagt Christiane Gumpert.

    Auch mit Blick auf das Ordnungsrecht bleibt die Bundesregierung untätig: Wichtige Maßnahmen, um den karitativen Tierschutz zu entlasten, etwa eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen oder ein für Tierhalter verpflichtender Sachkundenachweis vor der Tieranschaffung, fehlen bis heute.

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