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Mi., 25. Februar 2015, 18:15 Uhr
Raimund Sürder und Wolfgang Hasch betrachten bei siebter Nachtwächterführung den Bereich zwischen Pfrimmpark und Sirenenplatz
CDU-Nachtwächterführung bringt Erstaunliches ans Dämmerlicht
Wolfgang Hasch und Raimund Sürder (Mitte/v.links) bieten lustige Anekdoten und ernste Beiträge.
„Ein kleiner Schritt für den Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit!“, sagte Neil Armstrong, der 1969 als erster Mensch den Mond betreten hat. Doch es muss nicht gleich der Mond sein, um große Sprünge zu erleben. In Hochheim genügt es, wenn der Mond scheint, oder zumindest Fackeln leuchten, und Raimund Sürder und Wolfgang Hasch bei Sonnenuntergang zur Nachtwächter-Führung rufen. Auch dann wird ein kleiner Schritt, von einer Straßenecke zur nächsten, zum riesigen Sprung – zum riesigen Zeitsprung. Von Pechfackeln beschienen brachten Hasch und Sürder erstaunliche Begebenheiten ans Dämmerlicht, die vielen Wormsern zuvor unbekannt gewesen sein dürften. Rund 50 Interessierte erlebten das Spektakel, das die CDU-Hochheim zum siebten Mal organisierte. Jedes Mal locken neue Ziele. Diesmal spielte sich alles zwischen Sirenenplatz und Pfrimm ab. „Tauchen Sie ein in das alte Hochheim!“, begrüßte CDU-Vorsitzender Heiner Fürst die Schaulustigen. Sürder deutete, als Nachtwächter gewandet und mit Hellebarde und Laterne in der Hand, in halb gesungenen, halb gesprochenen Reimen die Enthüllungen an. Hasch, profunder Kenner der Hochheimer Ortsgeschichte, ließ dann historische Fakten sprudeln, jedoch angenehm aufgelockert durch Anekdoten, ganz so, als plaudere er aus dem Nähkästchen. Von der Gegenwart und einem Einblick ins neue „Teehäuschen“ im Pfrimmpark, sprang man zurück ins Mittelalter, der Blütezeit des Hochheimer Frauenklosters Maria Himmelskron, das 1278 entstand, und von dessen Äbtissinnen heute einige Hochheimer Straßennamen zeugen. Dann ein Sprung in die Mitte des 19. Jahrunderts, zu Gustav Kiez: Warum ist ausgerechnet dieser nach einem Gesellen des Lutherdenkmal-Erbauers Rietschel benannten Straße - im Gegensatz zu den umliegenden Straßennamen - auch der Vorname beigefügt? Antwort: Weil ein Hochheimer Anlieger nicht im „Kietz“ wohnen wollte und auf die Namenserweiterung bestand. Kiez bezeichnet in Berlin zwar lediglich einen überschaubaren Wohnbereich in „inselartiger“ Lage – in Hamburg steht die Bezeichnung aber für das Vergnügungsviertel im Stadtteil St. Pauli um die Reeperbahn. Nicht weit von der Gustav-Kiezstraße kam das Thema auf Karl Bittel, der 1896 bis 1898 den Park an der Pfrimm erschaffen ließ und offenbar doch nicht ein ganz so großer Gönner der Stadt war, wie manche es vermuteten. „Karl Bittel hat den Park nicht der Stadt gestiftet, sondern für recht gutes Geld – für 10000 Goldmark – verkauft“, stellte Hasch richtig. Und noch so manch anderes Missverständnis konnte geklärt werden: So sei das Teehaus im Karl-Bittel-Park, das seit ein paar Wochen vom Pfiffligheimer Heimatverein und der IG Pfrimm bezahlt und auf der Ruine (am Martinsfeuer) fertiggestellt worden ist, gar kein Teehaus. Hasch: „Ein Teehaus ist der Bau jetzt nicht und ein solches ist auch früher an diesem Ort nie gewesen“. Lediglich von einer Unterstellmöglichkeit bei schlechtem Wetter wusste Hasch zu berichten. Der Heimatverein stehe dem „Teehaus“ in seiner jetzigen Ausführung übrigens auch mit gemischten Gefühlen gegenüber, schon jetzt seien an der neuen Hütte Beschädigungen durch Vandalismus festzustellen. Schon am Treffpunkt Sirenenplatz, nahe der Frauenstraße, konnten Hasch und Sürder buchstäblich mit einer Bomben-Nachricht aufwarten: Hasch hielt es für wahrscheinlich, dass dort noch britische Kampfmittel im Boden liegen. In Archiven sei dokumentiert, dass dort beispielsweise ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg 1944 von deutschen Soldaten aus einem Strafbataillon hätte geborgen werden sollen. Die Männer seien bei ihrer Arbeit jedoch immer wieder abgerutscht, weshalb die Aktion irgendwann aufgegeben worden sei. Es lockten auch lustige Anekdoten: „Warum wurden die „Pannekuche“ früher in der Frauenstraße immer nur auf einer Seite gebacken? Antwort: Die andere Straßenseite war noch nicht bebaut. Heiner Fürst lud alle Teilnehmer zu einem leckeren Imbiss ein, den Hochheimer CDU-Mitglieder vorbereitet hatten.