Di., 14. Juli 2020, 12:28 Uhr
FRAUENZENTRUM ALZEY: Verein Hilfen für Mädchen und Frauen e.V. beschließt seine Auflösung
Chance für Neuanfang
Der Verein Hilfen für Mädchen und Frauen e.V. Alzey, bekannt als das Frauenzentrum Hexenbleiche, hat bei der Vereinsfrauenversammlung am 2. Juli seine Auflösung beschlossen. Gegründet wurde der Verein im Jahr 1989 und begann als geschützter Treffpunkt für junge Frauen mit Kindern, die über das damals herrschende Frauenbild und die Frauenrolle reflektierten, um eine neue Kultur des Zusammenlebens zu schaffen. Ausgehend davon etablierte der Verein eine Vielzahl von Angeboten und Unterstützungsleistungen, wie die kostenfreie Rechtsberatung für Frauen, Baby- Massage-Kurse, Frauenbildungsangebote, Kurse zur Gesundheitsförderung und vieles mehr. Im Mittelpunkt stand seit den Anfängen der Frauennotruf, der zunächst ehrenamtlich geführt und dann als Teil der Landesarbeitsgemeinschaft der Frauennotrufe Rheinland-Pfalz von Fachkräften geleitet wurde. Das Frauenzentrum hat maßgeblich dazu beigetragen, das Thema sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen in das öffentliche Bewusstsein zu bringen und Beratungs- und Unterstützungsangebote geschaffen.
„Zeit für neue Wege gekommen"
„In den letzten Jahren ist jedoch deutlich geworden, dass gerade die fachlich anspruchsvolle Arbeit des Frauennotrufes über die derzeitige Vereinsstruktur mit ihrem ehrenamtlichen Vorstand nicht gewährleistet werden kann“, so Ruth Hammer vom Verein Hilfen für Mädchen und Frauen. „Probleme bei der Neubesetzung des Vorstandes und eine hohe Personalfluktuation zeigen, dass die Zeit für neue Wege gekommen ist. Ehrenamtlich kann diese Arbeit auf Dauer nicht geleistet werden, wir bräuchten eine hauptamtliche Geschäftsführung. Aber das kann unser Verein nicht stemmen“, sagt Sigrun Aust-Job, ebenfalls Vereinsmitglied. Dabei hat die Arbeit des Vereins Hilfen für Mädchen und Frauen e.V. die Grundlage für Frauenunterstützung in Alzey geschaffen und einen großen Wissensfundus und ein Netzwerk engagierter Frauen hervorgebracht. „Gerade eine Anlaufstelle für Frauen und Mädchen, die sexuelle Gewalt erfahren haben, aber auch die Präventionsarbeit sind für unsere Region notwendig und ich bin mir sicher, dass wir neue Wege finden, den Frauennotruf Alzey auf tragfähige Beine zu stellen“, sagt Dr. Vera Lanzen, Frauenbeauftragte des Landkreises Alzey- Worms.
Relevante Themen nicht verschwunden
Die bei der Gründung des Vereins relevanten Themen sind keineswegs verschwunden, sondern zeigen sich teilweise in veränderter Form, wie etwa Gewalt und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz oder auch im Internet. So wird für eine zukünftige Fachberatungsstelle auch das Thema Digitalisierung relevant sein: Online-Angebote schaffen und im Internet präsent zu sein sind elementar, um immer wieder auf das Hilfeangebot hinzuweisen. Der Verein Hilfen für Mädchen und Frauen e.V. besteht zwar nicht mehr, aber das Netzwerk engagierter Frauen lebt weiter und wandelt sich, um die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen anzugehen.