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  • Mo., 22. Mai 2017, 23:10 Uhr
    Ausstellung im gleis 7 mit neuen Bildern der italienischen Malerin Elena Romanzin

    „Dahliengelb” – Christos 'Floating Piers' und die Welt der Farben

    Die Malerin Elena Romanzin stellt zur Zeit im gleis 7 in Worms aus.


    „Dahliengelb” – so heißt gerade eröffnete Ausstellung im gleis 7 mit neuen Bildern der italienischen Malerin Elena Romanzin, die hier erstmalig gezeigt werden. Sie setzt sich darin künstlerisch mit dem jüngsten Werk von Christo und Jeanne-Claude, 'The Floating Piers', auseinander. Weit mehr als eine Million Besucher gingen im Sommer 2016 auf kilometerlangen Stoffbahnen über den Lago d'Iseo in Norditalien. In unzähligen Gelb- und Orangetönen schimmerte das Material scheinbar auf dem Wasser schwebend und verband die Menschen so mit den Wellen des Sees. Unvergesslich für alle, die dort waren. Auch für Elena Romanzin und ihren Mann Frank von Düsterlho, die als Teil von Christos Team an diesem großen Ereignis mitwirkten.

    „Dahliengelb” - das klingt nach einer sanften Farbe. Doch die Besucherinnen und Besucher der Vernissage am 18. Mai 2017 tauchen in eine ganze Farbwelt ein: erdiges Ocker, zartes und kraftvoll warmes Gelb, leuchtende Orange- und flammende Rottöne. Nein, es kann wohl kaum eine einzige Farbe sein auf diesen szenischen Darstellungen der 'Floating Piers' und anderen realistischen Motiven. Eine unerschöpfliche Palette von Farbeindrücken verändert sich mit jedem Schritt, mit dem man sich Elenas Bildern nähert. „Ich suche nach der Essenz meiner Wahrnehmung...“

    Daran anknüpfend, entfaltet sie im Gespräch ihre Haltung zur Malerei. „Ich male oft realistisch – aber eben nicht fotorealistisch..“ erklärt sie. „Man muss sehen, dass es gemalt ist. Das ist mir sehr wichtig.“ Obwohl sie eigene Fotografien als Vorlagen nutzt, geht es ihr nicht um eine Abbildung eines bestimmten Augenblickes. „Ich suche nach der Essenz dessen, was eine Szene oder eine Landschaft mir bedeutet – Licht, Reflexionen, Stimmung, Farben ... Das kann sich aus Eindrücken vieler verschiedener Momente zusammensetzen. Diese Essenz will ich ausdrücken.“

    Und die Essenz von Dahliengelb? In der industriellen Produktion entspricht es dem Normwert RAL 1033 und meint einen eindeutig bestimmbaren Farbwert. Genau den, den Christo für seine schwebenden Wasserstraßen wollte. Um damit eine schier unglaubliche Vielfalt zu schaffen. Die Farbgebung seiner Projektskizzen wirkte spielerisch, zufällig. „Aber er hat genau vorausgesehen, welche Wirkung die Textur des Stoffes, das Spiel der Wellen, die Feuchtigkeit und das Licht entfalten würden,“ erklärt Frank von Düsterlho in dem spannenden Diavortrag, der während der Vernissage hinter die Kulissen von Christos und Jeanne-Claudes Arbeit schauen lässt. Mit grenzenloser Sorgfalt hatten er und seine 2009 verstorbene Frau Jeanne-Claude die Floating Piers schon seit 1970 vorbereitet.

    Diese Sorgfalt ist einer der Gründe, aus denen Elena Romanzin und ihr Mann sich als Mitarbeiter des Projektes bewarben. Mit Sorgfalt, Können, Großzügigkeit und Experimentierfreudigkeit schenkt Christo Menschen Freude und zeigt seine Demut vor der Natur und allem Lebendigen.

    Respekt vor den alten Meistern

    Das alles sind Qualitäten, die Elena Romanzin auch an den alten Meistern der klassischen Malerei zutiefst schätzt. „Malen ist mein Beruf. Und genau wie in anderen Berufen lerne ich vom Wissen und den Erfahrungen derjenigen, die ihn schon lange vor mir ausübten. Kunst kommt von Können. Künstlerische Freiheit finde ich nur, wenn ich von den Erfahrungen anderer lerne und sie respektiere.“ Freiheit und Vielseitigkeit: Elena leitet auch eine Malschule im süddeutschen Wehr, arbeitet als freie Dozentin und Kuratorin und stellt zur Zeit gemeinsam mit namhaften Surrealisten eigene surreale Werke in der Villa Berberich in Bad Säckingen aus.

    Und auch in Worms zeigt sie nun ihr großes Können. Die Genauigkeit und Lebendigkeit, mit der sie das bewegende Farbenspiel jener zwei Wochen im Sommer 2016 wiedergibt, verblüffen immer wieder. Dabei existiert die Norm RAL 1033 weder in Öl-, noch in Acryl- oder Pastellfarbe. In jedem Bild erfindet und gestaltet Elena sie neu, erforscht ihren Widerschein in Häusern, ihre Spiegelung im Wasser, ihre Wirkung mit kontrastierenden und komplementären Farben. Geht mit Pinsel und Farbe auf die Reise in ihr eigenes Bewusstsein, ihre Wahrnehmung und Erinnerung. Und selbst die Abwesenheit von Dahliengelb untersucht sie. Drei Bilder beschäftigen sich mit dem Wasser des Sees zu verschiedenen Tageszeiten, denn „..auch die Augen brauchen Pausen...“

    Öffnungszeiten der Ausstellung: Vom 19. Mai bis zum 8. Juli, mo - fr von 9 - 17.30 Uhr, gleis 7, Renzstraße 3, 1. OG (Zugang durchs café gleis 7). Die Ausstellung schließt mit Kulturnacht am 8. Juli und ist dann natürlich lang geöffnet!

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