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11.29 Uhr | 5. Oktober 2020

„Das gefährlichste Hobby der Welt“

LIEDERTAFEL PFIFFLIGHEIM: Singen in Corona-Zeiten / Ungewohnte Stadiongesänge in der EWR-Arena

Der Chor „JazzAffair“ probt mit Sicherheitsabstand auf der Haupttribüne der EWR-Arena.

Der Chor „JazzAffair“ probt mit Sicherheitsabstand auf der Haupttribüne der EWR-Arena.

Wer in seiner Freizeit im Chor singt galt bisher nicht als besonders gefährdeter Draufgänger. Auch ist seit längerem erwiesen, dass Singen nicht nur glücklich macht, sondern auch zur Stärkung von Lunge und Immunsystem beiträgt. Umso mehr irritiert es, dass mit der Ausbreitung des Corona-Virus das Singen im Chor plötzlich das gefährlichste Hobby der Welt sein soll. Grund dafür ist der erhöhte Aerosolausstoß beim Singen und die damit einhergehende Ansteckungsgefahr; denn diese winzigen Schwebeteilchen, die der Mensch beim Ausatmen in die Luft abgibt, können im Fall eines Infizierten das SARS-CoV-2-Virus übertragen. Als Teil der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie war das Singen im Chor daher über Monate hinweg komplett untersagt. So musste auch der Gesangverein „Liedertafel“ 1868 Worms-Pfiffligheim e.V. eine Zwangspause einlegen und letztlich auch alle für 2020 geplanten Auftritte absagen. Zwei der Chorgruppen trafen sich in dieser Zeit per Videokonferenz, um sich nicht ganz aus den Augen und Ohren zu verlieren.

Überdachte Haupttribüne

Inzwischen konnte der Gesangverein seinen Trainingsbetrieb unter Einhaltung eines strengen Hygienekonzepts wieder aufnehmen. Bereits im Juni begann D’aChor, der neue Jugendchor der Liedertafel, mit 3 Meter Sicherheitsabstand im Freien zu proben. Für den erst zu Jahresbeginn gegründeten Chor eine besondere Herausforderung, welche die Motivation der Jugendlichen jedoch nicht mindert und die Gruppe sogar noch stärker zusammenwachsen lässt. Anfang August wechselte dann auch JazzAffair von der Online-Probe am heimischen Endgerät zur Präsenzprobe. Seitdem beschallt die geballte Kraft des modernen gemischten Chors sogar die EWR-Arena und sorgt für ungewohnte Stadiongesängen. Dass der VfR Wormatia Worms dafür seine überdachte Haupttribüne zur Verfügung stellt, ist ein echter Glückstreffer für JazzAffair. So können die Stimmen selbst bei prasselndem Regen trainiert werden. Nachdem die Abstandsregeln für Kinder der musikalischen Früherziehung Mitte September gelockert wurden, dürfen sich nun auch die Liedertafel-Zwerge endlich wieder treffen. Einzig der Männerchor wartet noch ein wenig ab. Zwar fiebern auch die Sänger des über 150-jährigen Traditionschors dem Moment der ersten Probe entgegen, aufgrund der Altersstruktur wird jedoch besondere Vorsicht gewahrt.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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