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  • Sa., 28. April 2018, 20:20 Uhr
    Grundschule Rheindürkheim: Eltern und Lehrer fordern von der Stadt mehr Unterstützung bei der Beseitigung von Mängeln

    „Das war längst überfällig”

    Lehrer, Eltern und Elternvertreter der Grundschule Rheindürkheim fühlen sich von der Verwaltung im Stich gelassen und sind froh, dass nach langer Wartezeit endlich konkrete Maßnahmen eingeleitet werden. Von links: Manuela Löcher, Ronja Höhn, Spiro Kiatos und Melanie Olusanya mit Tom und Georgios. Foto: Steffen Heumann


    VON STEFFEN HEUMANN | „Wir sind mit unserer Geduld am Ende”, empören sich Vertreter der Eltern- und Lehrerschaft der Grundschule Rheindürkheim über das Verhalten der Stadt im Bezug auf die Beseitigung von Mängeln. Die Liste ist lang. Seit Jahren wird auf dringliche Reparaturen hingewiesen. „Wir wollen ja auch keinen Palast”, stellen Eltern und Lehrer klar, „aber mehr und schnellere Unterstützung, um kleinere Baustellen zu beheben”, so die Forderung an die Verwaltung. Wo es möglich ist, packen Eltern und Lehrer mit Unterstützung des Fördervereines gemeinsam an, um den Schulalltag zu erleichtern. Nach Gesprächen zwischen der Schulleitung und der Verwaltung kommt jetzt Bewegung in die Angelegenheit.

    Pipi in der Hose gehörte zum Schulalltag

    Jeweils vier Toiletten für die rund 100 Jungen und Mädchen konnten mit Unterstützung von Torsten Happersberger renoviert werden. Die Pinkelrinne auf der Jungentoilette bleibt nach wie vor gesperrt. Die Probleme liegen auf der Hand. „Da geht einiges daneben”, erklärt Ronja Höhn. Zudem hätten sich einige Kinder vor dem Toilettengang geekelt, berichtet die Lehrerin. Keine Toilettenbrille, dann eine Spülung, die nur schwer für Kinder zu betätigen sei. Einige Schüler hätten sogar bewusst auf das Trinken verzichtet, um nicht aufs Klo zu müssen. Jetzt habe sich dieses Problem relativiert, so Ronja Höhn.

    Projektwoche dient der Schulhausverschönerung

    Die Mängelliste sei aber weiterhin lang, so die Pädagogin. Die Projektwoche Ende Mai stehe daher ganz im Zeichen der Schulhausverschönerung. Unter tatkräftiger wie auch finanzieller Hilfe von Eltern und Förderverein sollen die Flure aufgehübscht werden. „Wir helfen, wo wir können”, signalisieren Manuela Löcher, Förderverein, Melanie Olusanya und Spiro Kiatos, Schulelternbereit. Gespendete Farbeimer und Farbdosen stehen in der Aula bereit. Löcher, Olusanya und Kiatos ärgern sich darüber, dass die Aula aus Brandschutzgründen nicht genutzt werden darf. Es gibt nur einen Eingang und Geld für eine Brandschutztreppe bzw. einen Fluchtweg ist nicht vorhanden. Mit der Konsequenz, dass Stühle bei Feierlichkeiten in die Turnhalle getragen oder Musikinstrumente für den Unterricht hin und her transportiert werden.

    Völlig unverständlich: Die Decke der Aula wurde vor der Sperrung noch saniert. Zudem verfüge die Aula über einen funktionsfähigen Beamer. Ein Mehrzweckraum an einer Schule sei verpflichtend. Dieser sei aufgrund der Brandschutzvorkehrungen nicht vorhanden, ebenso fehle ein Krankenzimmer.

    Mediale Ausstattung nicht am Bedarf orientiert

    Eine Whiteboardwand im Klassenzimmer kann ebenfalls nicht ihren Zweck erfüllen. Der Raum lässt sich nicht verdunkeln. „Die Gardinen sind so alt wie die Toiletten”, merken die Vertreter von Förderverein und Schulelternbeirat an. Die sind enttäuscht, dass die Schule selbst bei Kleinigkeiten nur vertröstet wird. 42 PC-Tower mussten aussortiert werden, da ein Upgrade auf die benötigte Lernsoftware nicht möglich war. Als Ersatz konnte die Schule 16 Tablets anschaffen. Grundstein hierfür war der Gewinn eines Preises aus dem Landesprogramm für Medienkompetenz, der mit 7.500 Euro dotiert war. Für Ronja Höhn ein schwacher Trost. Lerninhalte seien auf den Tablets nicht umsetzbar, benötigte Lizenzen für Software zu teuer. 16 Tablets für eine Klasse mit 24 Kindern sei ebenfalls keine Ideallösung, so die Pädagogin. „W-Lan-Empfang gibts auch nur aus der Dose”, wie Ronja Höhn bedauert. Allerdings seien die wenigsten Steckdosen funktionstüchtig. Zusammen mit ihren Kollegen und den Eltern sei es ein Anliegen, wenigstens ein Grundbedürfnis an Atmosphäre an der Schule zu schaffen. „Ohne Eltern geht gar nichts”, verweist die Lehrerin auf die Durchführung von Bundesjugendspielen oder den Besuch von Sportfesten. Dass in der Turnhalle im Sommer ein Aufenthalt erträglich sei, verdanke man dem Einsatz des Papas eines ehemaligen Schülers und der örtlichen Feuerwehr, die die Fenster auf Durchzug stellen.

    Die nahegelegene Wiese, die als Sportplatz fungiere, sei ebenfalls bald Geschichte. Es gäbe Pläne für eine Wohnbebauung. Insgesamt fühle man sich bei der Lösung der vorhandenen Probleme oft alleine auf weiter Flur. „Wir hoffen auch bei weiteren Maßnahmen auf eine zeitnahe Unterstützung”, fügen Manuela Löcher, Ronja Höhn, Spiro Kiatos und Melanie Olusanya abschließend an. INFO: Ein Dankeschön für die Unterstützung der Projektwoche geht an Tedox, Hornbach, Netto sowie das Autohaus Cloppenburg.

    In die Jahre gekommen sind nicht nur die sanitären Einrichtungen. Auch die Flure bedürfen dringend einer Aufhübschung. Foto: Steffen Heumann


    Dezernent nimmt Stellung zu Kritik

    Uwe Franz, Dezernent der Stadt, kann die Kritik nur bedingt nachvollziehen. „Kleinere Mängel wie z. B. die nicht funktionierenden Steckdosen können von der Schule in dem in jeder Schule jeweils ausliegenden „Blauen Buch“ gemeldet werden. In diesem Buch sollen Mängel eingetragen werden, die durch die Hausmeister oder den Gebäudebewirtschaftungsbetrieb (GBB) behoben werden müssen. Allerdings liegen keine Eintragungen vor”, so Franz auf NK-Nachfrage.

    In einem Gesprächstermin des GBB mit der Schulleiterin sei auch die Problematik mit den in die Jahre gekommenen Innenverdunkelungen angesprochen worden, die keinen optimalen Sonnenschutz liefern, auch im Hinblick auf die Nutzung der Whiteboards. „Wir haben bereits Angebote für die Erneuerung eingeholt und werden die Innenverdunkelungen dann umgehend ersetzen”, kündigt Uwe Franz an.

    Zudem sei bei diesem Termin ebenso vereinbart worden, dass u. a. die irreparablen Holzaußentüren zu den Toilettenanlagen ausgetauscht werden und die Toiletteninnenwände in Zusammenarbeit mit dem Förderverein gestrichen werden. Das sei so mit der Schule abgestimmt. Zudem soll der gesamte Bereich, der nicht bei dieser Aktion ertüchtigt wird, zusätzlich gestrichen werden. Auch dieses wurde in der letzten Woche bereits mit der Schulleitung kommuniziert und festgehalten. Der Auftrag wurde bereits an den EBWO geschrieben.

    Des Weiteren werden im Außenbereich diverse Stolpergefahren im Asphalt des Schulhofes, welche bei der Begehung letzte Woche aufgefallen seien, beseitigt. Das Thema PC’s und Tablets liege jedoch im Verantwortungsbereich der Schule selbst. Die Schulen seien budgetiert und bestimmen eigenverantwortlich über den Mitteleinsatz, erklärt Franz. Die Schulverwaltung nimmt auf die Auswahl keinen Einfluss”, fügte Uwe Franz an.

    „Für die Gesamtsanierung der Grundschule wurde bereits eine Machbarkeitsstudie mit unterschiedlichen Sanierungsvarianten erarbeitet. Der Ortsbeirat hat in seiner Sitzung am 14. März 2018 einstimmig beschlossen, für das Haushaltsjahr 2019 Haushaltsmittel für die Sanierung der Grundschule Rheindürkheim zu beantragen”, wie der Dezernent informiert. „Wir werden auf Basis der bereits erstellten Machbarkeitsstudie die benötigten Haushaltsmittel prüfen und in den Haushaltsplan 2019 einstellen, der dann im Herbst 2018 vom Haupt- und Finanzausschuss und final vom Stadtrat beschlossen werden muss. Wenn der Haushalt 2019 dann beschlossen ist, können die Förderantragsunterlagen für die Sanierung erstellt werden”, betont Franz, der abschließend feststellt, dass seitens der Verwaltung stetig und konsequent in die Sanierung und Erweiterung der Schulinfrastruktur investieret wird.

    Uwe Franz verweist auf ein Investitionsvolumen von ca. 90 Millionen Euro. Daneben gäbe es eine Vielzahl weiterer Projekte und laufende Maßnahmen der Bauunterhaltung sowohl in Schulen als auch in Kitas. „Alles auf einmal geht sowohl wegen der finanziellen Rahmenbedingungen als auch wegen der zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen nicht. Aber die Sanierung der Grundschule Rheindürkheim soll ja für das Haushaltsjahr 2019 angemeldet werden”, wie Franz abschließend unterstreicht.

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