
Von Rudolf Uhrig › „In Worms ist ja ganz schön was los“, sagte kürzlich ein Bekannter. Und dabei dürfte er nicht mal annähernd alle Feste und Events kennen, wie Worms blüht auf, Spectaculum, Weinmeile, Pfingstmarkt, Kulturnacht, Mantelsonntag, Nibelungenfestspiele und Worms: Jazz & Joy.
Aber das Fest der Feste ist und bleibt für den Wormser sein Backfischfest. Es ist mehr als nur ein temporäres Spektakel, es ist gepflegte Tradition, alte Bräuche werden zu neuem Leben erweckt und in moderner Form weitergetragen – generationsübergreifend. Es ist regionale Identität, Heimatliebe, #wormsliebe: Wein, Verbundenheit, Tradition, Geschichte, Feiern, Freude und Gemeinschaft.
Schon die Eröffnung auf dem Marktplatz, bei der die Amtsgeschäfte des Oberbürgermeisters auf den „Bojemääschter vun de Fischerwääd“ übergehen, bot mit dem Fanfarencorps, dem Barockbläserensemble, den Gesellentänzern, den Fischmarktweibern und dem Lederarbeitertanz ein buntes und klangvolles Ritual, dem sogar Ministerpräsident Alexander Schweitzer wie bereits im Vorjahr beiwohnte.
Oberbürgermeister Adolf Kessel gedachte würdevoll René Bauer, dem Vorsitzenden des Schaustellerverbands Worms-Wonnegau, der im Mai im Alter von 61 Jahren verstarb. Posthum verlieh ihm das Stadtoberhaupt das von der Goldschmiede Kienast entworfene und in Handarbeit gefertigte Abzeichen, denn René Bauer (30. Mai 1963; †2. Mai 2025) war ein Schausteller mit Leib und Seele. Das Backfischfest begleitete er über Jahrzehnte: als verlässlicher Partner bei der Platzkoordination, als Stimme der Schausteller und als jemand, dem die Kinder am Herzen lagen. Mit Führungen für Kinderheime, seiner Unterstützung für benachteiligte Familien und unzähligen kleinen Gesten prägte er das Fest weit über den eigentlichen Festplatz hinaus. Seine Offenheit machte ihn zu einem geschätzten Teil des Festgeschehens, während er die Werte Familie, Gemeinschaft und Tradition stets hochhielt.
Moderator Torsten Brand feierte sein 25. Jubiläum, auch im Anschluss bei der Eröffnung des Wonnegauer Weinkellers auf dem Festplatz. Dort ließ es sich die Weinbauministerin Daniela Schmitt nicht entgehen, aus dem Fischerwääder Handnirscht einen kräftigen Zug zu nehmen, denn „ihr Dienstherr“, der Ministerpräsident, hatte explizit zum Weinkonsum aufgerufen, was der Hausherr, Dr. Andreas Schreiber, natürlich gerne vernahm.
Mehr als nur gut besucht war schon am Samstag der Rummelplatz, wo sich Schlangen an den Fahrgeschäften bildeten. Es war ein gelungener Auftakt des 92. Festes. Was sich dann bei Kaiserwetter am Sonntag beim Festumzug in der bunten Parade – dem wahrhaft sichtbaren Herzen von Worms – nochmals überbot. Zu tausenden standen die Besucher an den Straßen und ließen sich von 105 Zugteilnehmern in ihren Bann ziehen. Die Bonbons wurden eifrig von den Kindern aufgefangen, die Becher mit Wein gefüllt und überall waren die Ahoi-Rufe mehr als deutlich zu vernehmen.
Am Montag folgten mit Hagens Weinschatz, mit der Riesenradweinprobe, die in Windeseile ausgebucht war (auch für den heutigen Mittwoch und für kommenden Freitag), sowie dem Wormser Abend im Festzelt am Dienstag weitere Höhepunkte. Einen langen Diensttag dürfte Markus Trapp gehabt haben, nunmehr in Personalunion als Oberbürgermeister und Bojemääschter, denn vor seinem Domizil in der Fischerwääd stieg die Fischerwääder Kerb. Unter anderem sorgten Bernhard Zinke und seine Band „Caprio“ für Partylaune.
Und jene Partylaune geht die nächsten Tage weiter, wie zum Beispiel am heutigen Mittwochabend ab 19 Uhr beim „Studenten-Abend“ im Wormser Festzelt mit DJ KAY-Luv oder den „Peifedeggel“-Musikern ab 20 Uhr im Wonnegauer Weinkeller. In den kommenden Tagen folgen dann Partys mit DJ Benni Müller, DJ Peter Englert und auch DJ Ralf Schulz. Familien mit Kindern kommen wiederum ganz klassisch bei bei Runden über den Festplatz oder mit Hilfe des Riesenrades hoch über den Rhein auf ihre Kosten.
Neben dem Rummelplatz wird insbesondere das traditionelle Fischerstechen im Floßhafen am Backfischfestsonntag ab 14.30 Uhr wieder eine Gaudi für die ganze Familie sein. Sportlichkeit, Geschick, eine Prise Mut und natürlich Glück bestimmen bei dieser maritimen Attraktion über den Sieg. Im Vorfeld des Fischerstechens findet im Floßhafen zudem noch das Entenrennen statt, welches seit 2019 als Benefizveranstaltung organisiert wird.
Am gleichen Tag setzt wie gewohnt das Höhenfeuerwerk an der Rheinpromenade ab 21 Uhr den wie fulminanten und krönenden Abschluss des größten Volksfestes am Rhein.
Weitere Informationen unter www.backfischfest.de
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