WORMSER INNENSTADT: Konzept für künftig Nutzung des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes in der Kämmererstraße präsentiert / Markthalle und Wohnen statt Einkaufsmall
„Deckel ab und ganz viel Licht rein“
War einmal und kommt bald wieder! Die Architektur des neues Gebäudes in der Kämmererstraße in Worms ist an früheren Erscheinen ausgerichtet. Grafik: ehret+klein
VON STEFFEN HEUMANN | Lange herrschte Rätselraten um die Zukunft der Kämmererstraße 24–32 in Worms. Nach dem Bedauern über das Kaufhof-Aus und zwischenzeitlichen Überlegungen, ob man an der exponierten Stelle einen 3. Ort zur Begegnung von Menschen schaffen könnte, sollte die Konzeptvorstellung am Donnerstag Klarheit bringen. In hinteren Teil des Gebäudes kann die Verwaltung einziehen und durch ein „Soziales Rathaus“ die anderen Standorte entlasten.
Projekt- und Quartiersentwickler ehret+klein informierte über die Planungen für die Nachnutzung des Kaufhof-Gebäudes. Als Ziel der langfristigen Entwicklung ist die Stärkung der Wormser Innenstadt vorgesehen. „Kein Mallkonzept, aber es geht eher in Richtung Markthalle“, erklärte Michael Ehret, geschäftsführender Gesellschafter von ehret+klein. Man habe sich intensiv mit dem Wormser Innenstadtkonzept auseinandergesetzt, so Ehret. Als nächstes steht die Entkernung, die Sanierung sowie die Öffnung der Fassade auf der Agenda. Vorbehaltlich aller Genehmigungen durch die Stadt folge eine Aufstockung auf 5 Stockwerke.
„Wir werden die alten Spuren öffnen“, beschreibt Michael Ehret, dass man auf der vorhandenen Substanz aufbauen wolle. Die alten Fenster würden wieder zum Vorschein kommen, viel Tageslicht in den offenen Bau fallen und jede Menge attraktive Flächen zur Verfügung stehen.
Was machbar sei, werde sofort umgesetzt, alles andere sukzessive von Geschoss zu Geschoss. Flächen im Untergeschoss für den Einzelhandel stünden alsbald zur Verfügung. Die Technik hierfür sei noch vorhanden. Anfragen gäbe es bereits. Konkrete Namen stünden aber offen, denn, wie Ehret betonte, sei man gerade dabei, die Menü-Karte für potentielle neue Mieter zu schreiben. Im Erdgeschoss soll ein Popup-Store künftig Kunstfreunde zum Lustwandeln verleiten. Ausstellungen, eine Galerie, auch die Schaufenster sollen eine wichtige Rolle spielen. Büroräume seien im EG ebenfalls angedacht. Eine Etage höher könnte das Thema Bildung zum Tragen kommen. Oder auch stadtnahe Einrichtungen, merkte Michael Ehret an. Durchaus auch zu günstigen Mietkonditionen, sieht sich der Investor auch in der Rolle des Förderers.
Weiter oben, ältere Wormser erinnern sich noch an das Café und Restaurant mit Blick über Worms, seiht die Revitalisierung ebenfalls ein Café zum Verweilen und als Treffpunkt vor. Co-Working-Space und Büros sind weitere Bestandteile in der Planung. „Zentral und offen, eben ein bunter Ort. Traumschön und sogar mit Innenhof“, erläuterte Ehret weiter. Das Haus werde quasi von innen ausgestanzt „und obendrauf kommen Wohnungen“, so der Projektentwickler, der in Worms gerne auch Neues wagen möchte.
Im Obergeschoss mit Blick über Worms gibt es wieder ein Café, Möglichkeiten zum Arbeiten und Büros. Grafik: ehret+klein
Im März soll das Vorhaben, für das Investitionen im einstelligen Millionenbereich benötigt werden, bereits starten. Als Resultat werde ein ganz anderes Bild vom ehemaligen Kaufhof entstehen. „Kein chirurgischer Eingriff, nur kleine Schritte“, unterstreicht Michael Ehret. Die Finanzierung stehe, daher wolle man schnell aktiv werden. „Und wir gehen mit Vollgas an das Thema dran“, fügte Ehret mit Blick auf das private Projekt an. Größere Investitionen seien vor allem im Bereich des Brandschutzes, Heizung und Klima nötig.
Der Wohnbereich in den oberen, aufzustockenden Etagen, soll mit Mobilkränen und in leichter Holzbauweise erfolgen. Die Parkplatzproblematik bedingt durch die Schaffung neuen Wohnraumes würde durch ein eigenes Mobilitätskonzept gelöst. Noch 2021 soll der erste Shop eröffnen und eine Nutzung in weiteren Teilbereichen möglich sein. Man arbeite sich geschossweise von unten nach oben. „Es gibt keine Einkaufsmall, eher eine Markthalle“, nahm Ehret Bezug auf den unteren Gebäudebereich. An der Umsetzung seien vorwiegen lokale Unternehmen und Handwerker beteiligt, hob der Projektentwickler hervor. Platz für einen großen Kino-Komplex als möglichem Mieter, verneinte Michael Ehret. „Vielleicht mal eine Filmmatinee im Rahmen einer Kunstveranstaltung“, so der Investor. Und jetzt?: „Deckel ab und Licht drauf“, meinte Michael Ehret abschließend.
„Sehr schick und durchdacht“, lobte Oberbürgermeister Adolf Kessel. Die Planer hätten sich sehr viele Gedanken gemacht und auch Erkenntnisse aus den vorangegangenen Gesprächen und Workshops einfließen lassen. Im Gegensatz zu einem Parallelprojekt im südpfälzischen Landau ist das Wormser Vorhaben stärker gewerblicher und öffentlicher ausgerichtet. Was den Wormser Stadtchef noch freuen dürfte, ist die Tatsache, dass der Kommune keine Kosten entstehen. „Nur Arbeit“, merkte Michael Ehret mit einem Augenzwinkern an, was die Bearbeitung der erforderlichen Genehmigungen betreffe.