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  • Do., 27. August 2026, 17:54 Uhr
    FESTAKT IN WORMS: Örtliche CDU feiert 80. Geburtstag im WORMSER / Vom Wiederaufbau zur Gegenwart

    „Demokratie ist anstrengend“

    Ehrengast Gordon Schnieder, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, nahm während des Festaktes „80 Jahre CDU Worms“ in der ersten Reihe links neben Bürgermeisterin Stephanie Lohr (2.v.r.) Platz.
    Foto: Rudolf Uhrig

    Von Rudolf Uhrig › Die Idee war originell und die Gelegenheit treffend. Im exakt kalkulierten 45-Grad-Winkel verbeugte sich Dr. Jörg Koch mit einer souveränen Grandezza. Galant und elegant überreichte er der Dame im zweithöchsten Amt der Bundesrepublik, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, das im Sutton Verlag erschienene Buch „Rheinland-Pfalz. 80 Meilensteine der Landesgeschichte“. Ein Auftritt als charmanter Kavalier, der aber auch augenzwinkernd auf den Autor, Historiker Dr. Jörg Koch selbst verwies. Diese humorvolle Überreichung war geglückt; sie sorgte im Auditorium für anerkennenden Beifall und wohlwollende Heiterkeit. 

    Koch wirft anlässlich des 80. Geburtstags des Bundeslandes Rheinland-Pfalz am 30. August einen schlaglichtartigen Blick auf die bewegte Geschichte. Es ist eine abwechslungsreiche Zeitreise durch prägende Menschen, Orte und Ereignisse, die das Land und seine Identität nachhaltig geformt haben.

    Insofern erinnerte der Festredner zum 80. Geburtstag der CDU Worms, zu dessen Anlass die CDU Worms eingeladen hatte, an die unmittelbaren Nachkriegsjahre des zerstörten Worms, an die Gründung einer christlichen, überkonfessionellen Partei im Januar 1946, deren erster Vorstand aus zehn Männern – je fünf katholisch, fünf protestantisch bestand. Er erinnerte an das Leitbild: Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung, demokratische Prinzipien, den heutigen europäischen Gedanke. Aber auch an große Wormser wie Jakob Seiler, Carl Villinger, Hans-Joachim Steifensand, Erich Weidlich, Hans Joachim Rühl, Thea Simoni, Bruno Heilig, der an diesem Abend im Publikum saß, und an Herbert W. Hofmann und Dr. Herbert Uhrig, die kürzlich verstarben.

    Heimatstadt wichtiger als Partei

    „Wir haben Siege gefeiert, aus Niederlagen gelernt und sind schon immer wieder aufgestanden. Eines galt dabei für immer: Das Wohl unserer Heimatstadt steht über jedem Parteiinteresse.“ So begrüßte die Wormser CDU-Kreisvorsitzende Stephanie Lohr die Gäste im ersten Stock des Theater-Foyers. Nibelungentreue? Denn just vor dem Nibelungen-Wandteppich im Rückraum wählte sie diese Worte. 

    Als Schirmherrin fungierte die Rheinland-Pfälzerin Julia Klöckner, die auch in ihrer Begrüßung die Ehrenbürgerin der Stadt, Ilse Lang, nicht vergaß. Dank und Respekt zollte sie der 84-jährigen Mäzenin und sozial engagierte Bürgerin der Stadt.

    Gegenteil von Gleichgültigkeit und Desinteresse

    „Demokratie ist anstrengend und zumutend“, sagt sie zu Beginn ihrer Ansprache und stimmt auf ihre Rede mit der Überschrift: „Zumutung statt Komfortzone – warum Demokratie Debatte braucht“ auf das Thema ein. Acht Jahrzehnte sind auch acht Jahrzehnte heftige Auseinandersetzungen, auch das ist Demokratie und das ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit und Desinteresse. 

    „Demokratie lebt eben nicht davon, dass alle einer Meinung sind, sie lebt davon, dass wir unterschiedlicher Meinung sein dürften und trotzdem miteinander im Gespräch bleiben. Streit gehört zu unserer Demokratie dazu, wo Worte auf Widerworte treffen, entsteht eben Reibung. Politische Meinungsbildung darf schon anstrengend sein, sie darf auch unbequem sein. Demokratie ist auch nicht sofort gefährdet, wenn andere eine andere Meinung haben: Zuhören, widersprechen, aber auch Mehrheiten akzeptieren. Kompromisse schließen und manchmal auch hinnehmen müssen, dass die eigene Überzeugung keine Mehrheiten findet“, so Klöckner. Aber sie erteilt auch gleich der verletzenden Art und Weise, wie das persönlich auf das Gegenüber geführt wird, eine Rüge und Absage. 

    Auch einmal „Nein“ sagen

    In der Talkrunde, die Benedict Schulz moderierte, bekannte sich Stephanie Lohr zu Worms und zu ihrer Kandidatur als Oberbürgermeisterin, denn sie möchte Verantwortung übernehmen. Und sie ist bereit, auch einmal Nein zu sagen, wertschätzend, „denn es ist niemanden geholfen zu sagen ‚ja, machen wir‘, wenn wir wissen, es ist nicht möglich, wir können das nicht leisten. Vor einem Jahr wusste ich nicht, ob ich kandidiere, aber ich möchte Verantwortung übernehmen und nicht Statist sein … wenn keiner bereit ist, sich zu engagieren, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Dummen irgendwann die Welt übernehmen, das möchte ich nicht“ – große Worte einer OB-Kandidatin. 

    Gordon Schnieder verwies auf die „ruhige und gute“ Regierungsübernahme. „Nichts drang nach außen“, so Schnieder lobend. Und er verwies dabei auch auf die Kooperation von Alexander Schweizer und dessen SPD. 

    Das Akustik-Duo „SILLIS“, Sigrun Schumacher und Willi Brausch aus Frankenthal unterhielt musikalisch.

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