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Mo., 21. Oktober 2013, 18:20 Uhr
Klaus Hagemann wurde zum Ende seiner 19-jährigen Abgeordnetenarbeit in Berlin mit einer Feierstunde im Rathaus geehrt
Menschen, Kommunen und Politik vorbildlich gedient
VON ROBERT LEHR „Fast so aufgeregt wie bei meiner Jungfernrede im Bundestag 1995“, sei er auch heute, gab Klaus Hagemann unumwunden am Montagvormittag im prallvollen Foyer des Wormser Rathauses zu. Hierher hatte die Stadt Worms eingeladen, um dem langjährigen Bundestagsabgeordneten und Kommunalpolitiker im Rahmen einer kleinen Feierstunde aus seinem Amt zu verabschieden. Der SPD-Parlamentarier hatte den hiesigen Wahlkreis 207, der neben der kreisfreien Stadt Worms auch die Landkreise Alzey-Worms und Mainz-Bingen umfasst, in 5 Legislaturperioden in knapp 19-jähriger Parlamentsarbeit in der Bundeshauptstadt vertreten.
Am Montag endete offiziell die Berliner Amtszeit Hagemanns, der aus Altersgründen bei der letzten Bundestagswahl nicht wieder kandidieren wollte. Den Wahlkreis werden bis 2017, als Hagemanns Nachfolger beim Direktmandat Jan Metzler (CDU) vertreten, sowie Marcus Held (SPD), dem der Einzug in den Bundestag über die Landesliste gelungen war.
Dank gezollt auf breiter Basis
Vor allem Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, den Vereinen, Verbänden, Kirchen sowie den Gewerkschaften waren der Einladung des Wormser Oberbürgermeisters Michael Kissel gefolgt und unterstrichen mit ihrer Anwesenheit die langjährige und verdienstvolle Arbeit Hagemanns für die Region und deren Bewohner.
„Ich gehe mit Wehmut, Erleichterung und Vorfreude auf die neuen Herausforderungen, die auf mich zukommen“, bekannte der scheidenden Parlamentarier. Neben jenem an die vielen Wegbegleiter und die Gäste der kurzweiligen Verabschiedung, ging Klaus Hagemanns Dank in erster Linie an seine Ehefrau Lilo, die ihn in all der Zeit „eigentlich nur rund die Hälfte des Jahres gesehen habe, ihn jedoch immer nach Kräften unterstützt und ihm den Rücken freigehalten hat“. Von daher freue er sich ganz besonders, mit ihre jetzt endlich mehr Zeit verbringen zu können.
Stets habe er für die Menschen der Region mit ihren kleinen wie großen Nöte, aber auch für Vereine, Verbände und Unternehmen „Kümmerer und Türoffner“ in die Politik und die entsprechenden Ministerien sein wollen. Besonders dankbar zeigte sich der 65-jährige Politker vor allem von den zahlreichen Gesprächen, die er hier in den unterschiedlichsten Kontexten habe führen können. Von ihnen habe er immens profitiert und Vieles von dem mit nach Berlin in die alltägliche Parlamentsarbeit mitgenommen.
Keine „faulen Politiker“ in Berlin
Wichtig sei ihm auch stets gewesen, den Wählern zu vermitteln, was Politik eigentlich bedeute. Am liebsten hätte er alle 270.000 Stimmberechtigte des Wahlkreises nach Berlin eingeladen, um ihnen zu zeigen, dass es mitnichten „faule Politiker“ seien, die sich dort auf Staatskosten ein schönes Leben machten.
Auch wenn Hagemann „nur 1/620tel des Entscheidungsgremiums Bundestag war“, so hätte sein politisches Handeln ebenso die Lebenswirklichkeit der Menschen beeinflusst. Dabei seien ihm nicht alle Entscheidungen leicht gefallen. Die „schwierigste seines politischen Lebens war die Zustimmung zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr“, erinnert sich der in Sachsen-Anhalt Geborene, der erst nach dem Krieg nach Rheinhessen kam, an der Wormser Erziehungswissenschaftlichen Hochschule studierte, um im Anschluss als Grundschullehrer in Westhofen und Mettenheim zu arbeiten. Viele wichtige, politische Ämter sollten nach dem Eintritt in die SPD im Jahre 1966 folgen (siehe Info-Kasten).
Auch mit Landrat Ernst Walter Görisch verbindet Klaus Hagemann ein lange und enge poltische und private Freundschaft. Foto: Robert Lehr
Politik ist kein Evangelium
Auch bei der „Agenda 2010“ müssten trotz ihrer positiven Aspekte in Bezug auf Bildung oder Forschung, gerade die Beschlüsse zum Arbeitsbereich, erneut überprüft werden. „Politik ist nichts Festgeschriebenes, kein Evangelium“, Gesetze könnten durch entsprechende Mehrheiten wieder geändert werden. Auch das habe er vor allem seinen zahlreichen Praktikanten stets zu vermitteln versucht. Und weil ihm als Lehrer das Thema Bildung so wichtig ist, zeigte sich Hagemann besonders stolz auf die Erhöhung des Bafög.
„Doch die größte Freude bereitet hat mir das 40-jährige Jubiläum des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrages“, bei dem er als Abgeordneter gemeinsam mit den französischen Parlamentariern im Spiegelsaal von Versailles habe tagen dürfen. „Da waren die Emotionen am höchsten und es sind sogar ein paar Tränchen geflossen“, so Hagemann und unterstrich mit Verve, dass die europäische Einigung die Grundlage und die Voraussetzung für ein Leben in Feiden und Freiheit ist. Es habe ihm immer ganz besonderen Spaß gemacht, an diesem wichtigen Punkt mitzuarbeiten – auch und gerade mit den ausländischen Kollegen – das werde ihm sicherlich fehlen.
Der Politik verbunden bleiben
Der Politik wolle er verbunden bleiben, nicht zuletzt als Mitglied des Kreistages und als neuer Landesvorsitzer der SPD-Arbeitsgemeinschaft „60 plus“ sowie als deren stellvertretender Bundesvorsitzender.
Zuvor hatte Gastgeber Michael Kissel in seiner Laudatio betont: „Klaus Hagemann hat unserem Land, der Demokratie und den Kommunen im Wahlkreis, aber vor allem den Menschen vorbildlich gedient", zumal er sich auch für die Stadt Worms hilfreich eingesetzt und Vieles erreicht habe. Der Abschied als Abgeordneter des Deutschen Bundestags sei Anlass Klaus Hagemann und auch dessen Ehefrau Lilo Dank zu sagen.
Ausbildung & Beruf 1967 Abitur 1967–1970 Studium an der Erziehungswissenschaftlichen Hochschule Worms 1970–1987 Lehrer für Grund- und Hauptschule in Mettenheim und Westhofen Politischer Werdegang Partei seit 1966 Mitglied der SPD Ortsverein Osthofen, Ortsvereins- und Unterbezirksvorsitzender, Mitglied im Bezirks- und Landesvorstand seit 2013 Landesvorsitzender AG 60 plus Rheinland-Pfalz
Kommunales
1974–1994 und 2004–2010 Mitglied im Stadtrat der Stadt Osthofen
seit 1980 bis heute Mitglied des Kreistages Landkreis Alzey-Worms
stellv. Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses Alzey-Worms
1987–1994 Hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Osthofen
1990–1995 1. Kreisbeigeordneter im Ehrenamt Landkreis Alzey-Worms
Mitgliedschaften seit 2004
– stellv. Vorsitzender des Vereins „Mit Jugend gegen Drogen“ Worms/Alzey
– Mitglied der Gewerkschaften ver.di und IG BCE, AWO, BUND, NABU
– Senator bei der Fraunhofer-Gesellschaft
– Senator bei der Leibniz-Gesellschaft (Forschungsgemeinschaft)
– Mitglied des Stiftungsrates der Zukunftsstiftung der Fraunhofer-Gesellschaft Mitglied im Kuratorium des Max Planck-Instituts für Polymerforschung Mainz
2004–2010 Vizepräsident der THW-Bundeshelfervereinigung
seit 2013 Vorsitzender des Beirats der Lebenshilfe Worms/Alzey stellv. Vorsitzender des Fördervereins Projekt ehemaliges KZ Osthofen
Bundestag
1994–2013 Mitglied des Deutschen Bundestages
Seit 1998 war Klaus Hagemann Mitglied im Haushaltsauschuss. Dort war der Parlamentarier viele Jahre für den Einzelplan des Bundesministeriums für Bildung und Forschung als Hauptberichterstatter zuständig.
Überdies war Klaus Hagemann Vorsitzender im Unterausschuss zu Fragen der Europäischen Union im Haushaltsausschuss. Einen weiteren Schwerpunkt seiner Bundestagsarbeit bildete der Petitionsausschuss. Dort war Klaus Hagemann Sprecher der SPD-Arbeitsgruppe Petitionen. Während dieser Zeit hatte die SPD-Bundestagsfraktion viele neue Anstöße für die Weiterentwicklung des Petitionswesens gegeben.[nggallery id=245]