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  • Mo., 09. September 2013, 14:03 Uhr
    Der „Tag des offenen Denkmals“ lockte trotz regenrischen Wetters am Sonntag zu Besichtigungs- und Entdeckungstouren ein

    Denkmalschutz als Korrektiv des Zeitgeistes

    Weitere, zu besichtigende, „unbequeme“ Zeitzeugen in Worms waren Kriegerdenkmale im Albert-Schulte-Park, ein Bismarckdenkmal im Andreasstift, die 50er-Jahre-Restauration der Dreifaltigkeitskirche, die Mennonitenkirche in Ibersheim, Gedenksteine in Pfeddersheim für Bauernkriege, Heimatvertriebene und Kriegsgefallene. Foto: Regina Urbach


    Trotz des regnerisch-bedeckten Wetters und der zeitweiligen Straßensperrungen wegen des Nibelungenlaufs nutzten am Sonntag viele Familien mit Kindern, Jugendliche und Ältere die Gelegenheit, sich in Worms „unbequeme“ Denkmäler anzuschauen. Manche wie der Turm der Nibelungenbrücke sind sonst nicht zugänglich. Unbequem sind hier zunächst einmal die über 300 Treppen bis ins erste bewohnte Stockwerk und die abenteuerlich wackeligen Leitern in die Obergeschosse – doch um so faszinierender der Ausblick auf die alte und neue Rheinbrücke und die Wormser Türme aus 53 Metern Höhe.

    Vertreter der evangelischen Pfadfinder, die den Turm für Treffen nutzen, gaben Einblick in die wechselvolle Geschichte des Gebäudes. 1897-1900 wurde er nach Plänen von Karl Hofmann gemeinsam mit seinem Pendant am hessischen Ufer im neuromanischen „Nibelungenstil“ erbaut und im Zweiten Weltkrieg als Flakstellung missbraucht; 15- bis 17-jährige Schüler des heutigen Rudi-Stephan-Gymnasiums (damals Altsprachliches Gymnasium) mussten als Flakhelfer Dienst tun.

    In den 50er Jahren war der Turm, da nicht mehr „zeitgemäß“, vom Abriss bedroht und wurde durch den Protest von Architekten gerettet, anders als der zu stark zerstörte hessische Turm. Damit gebot der Denkmalschutz dem Zeitgeist Einhalt – zum Glück, denn: „Echt schöner Turm“, lautete der Kommentar eines jugendlichen Besuchers am Sonntag.

    Die 2009 eingeweihte, moderne Brücke neben der alten musste errichtet werden, da der denkmalgeschützte Turm vom zunehmenden Verkehr bedroht war. Jeder größere Laster habe ein kleines Erdbeben im Turm verursacht, erzählten die jungen Pfadfinder auf den Führungen, von denen oft mehrere gleichzeitig stattfanden. Nächsten Donnerstag wird übrigens die renovierte alte Brücke wieder eingeweiht.[nggallery id=198]

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