70 Jahre nach den verheerenden Luftangriffen Gedenkveranstaltung auf dem Wormser Hauptfriedhof
Der Abend, an dem Worms brannte
Oberbürgermeister Michael Kissel bei der Gedenkveranstaltung auf dem Hauptfriedhof.
Als die Wormser Bürger am 21. Februar 1945 ihr Tagwerk begannen, ahnten sie nicht, welch furchtbaren Ereignisse bevorstanden. Um 19 Uhr erfolgte die Funkmeldung: „Die Verbände im Anflug auf den Raum Worms […]“. Knapp eineinhalb Stunden später war die Nibelungenstadt nicht mehr wiederzuerkennen, war von 1.100 Sprengbomben und weit mehr als 100.000 Brandbomben und Kanistern mit Phosphor in Schutt und Asche gelegt worden. 239 Bürger verloren in dem Inferno ihr Leben. Einem zweiten Angriff am 18. März desselben Jahres fielen weitere 141 Menschen zum Opfer.
70 Jahre später gedachte Oberbürgermeister Michael Kissel gemeinsam mit Bürgern auf dem Wormser Hauptfriedhof der verheerenden Bombenangriffe.
„Viele vereinzelte Angriffe waren in den Kriegsjahren erfolgt. Kaum eine Nacht verging ohne Fliegeralarm. Der vernichtende Angriff am 21. Februar 1945 jedoch war verhängnisvoll: Er entfachte einen regelrechten Feuersturm, der die Wormser Innenstadt nahezu vollständig zerstörte: Fast zwei Drittel der innerstädtischen Wohnhäuser, die Unterkünfte von ca. 25.000 Menschen, wurden vernichtet“, blickte der Stadtchef auf jene denkwürdigen Abendstunden zurück.
Trotz aller Trauer fand der Stadtchef auch mahnende Worte: „70 Jahre nach Ende des Krieges müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass rechtsextreme Kreise die Tragik der Luftangriffe immer wieder einseitig umzudeuten versuchen und für ihren Angriff auf die Demokratie und das friedliche Miteinander instrumentalisieren wollen.“ Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass Hitler und seine Gefolgschaft den Untergang des deutschen Volkes in Kauf genommen, am Ende sogar bewusst gewollt und gezielt betrieben hätten. „Deshalb war der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung für Deutschland und Europa von der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten – so wie es Altbundespräsident Richard von Weizsäcker zu Recht formuliert hat“, betonte der Oberbürgermeister.