Museum der Stadt Worms präsentiert Graphik und Medaillenkunst zum Ersten Weltkrieg / Mit Werken von Gies, Krain und Seehaus sowie Dokumenten aus dem Stadtarchiv
Der Große Krieg im Kleinformat
Im Jahr 2016 jähren sich die Schlachten um Verdun und an der Somme zum einhundertsten Mal. Aus diesem Anlass widmet sich das Museum der Stadt Worms in seiner neuen Sonderausstellung der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg. In „Der Große Krieg im Kleinformat – Graphik und Medaillenkunst zum Ersten Weltkrieg“ werden vom 18. Juni bis 18. September Künstlergraphiken, Medaillen und Plaketten von Künstlern wie Ludwig Gies, Willibald Krain oder Paul Adolf Seehaus gezeigt. Zudem veranschaulicht eine repräsentative Auswahl an Dokumenten aus dem Wormser Stadtarchiv die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf die Wormser Zivilbevölkerung. Weitere Informationen findet man unter www.museum.worms.de.
„Das Jahr 1916 markiert ein einschneidendes Kriegsjahr: Die monatelangen Schlachten um Verdun und an der Somme im Jahr 1916 haben sich als Warnzeichen in das historische Gedächtnis eingebrannt“, so Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek, Dezernent der Wormser Museen. Daher kommt es, dass rund einhundert Jahre später weniger die Kriegsursachen, die Mobilmachung und die Propaganda, sondern vielmehr die weitreichenden Folgen der fortschreitenden Massenvernichtung und Kriegswirtschaft im Brennpunkt der Aufmerksamkeit stehen. „Künstler erschufen Bilder, in denen sie auf jeweils eigene Weise das schier Unfassbare zu fassen suchten“, erklärt Dr. Olaf Mückain, wissenschaftlicher Leiter des städtischen Museums. Die neue Sonderausstellung „Der Große Krieg im Kleinformat“, die von der Kölner LETTER Stiftung zusammengestellt worden ist, widmet sich den kleinformatigen Medien wie Graphik sowie Medaillen und Plaketten. Denn als „heimliche Künste der Schublade“ waren diese besonders geeignet, die Schrecken des Ersten Weltkrieges abseits der breiten Öffentlichkeit zu thematisieren. „Die Blätter stammen größtenteils aus Deutschland und wurden zum Teil rund hundert Jahre nicht öffentlich präsentiert“, ergänzt Ausstellungskurator Dr. Bernd Ernsting von der LETTER Stiftung Köln und hebt hervor: „Wir freuen uns, dass nach dem Bayerischen Armeemuseum Ingolstadt nun in Worms an Künstler erinnert wird, die teils selbst Opfer des Weltenbrandes wurden. Die Überlebenden versuchten, in ihren eindringlichen Arbeiten das erlittene Trauma zu bewältigen.“
Auch Melchior Grosseks „Kampf“ von 1923 gehört zur Ausstellung
Graphik- und Medaillenkunst Die Ausstellung widmet sich unter anderem in den Themenbereichen „Verwundung und Pflege“, „Tod und Trauer“ oder „Vertreibung und Flucht“ den fatalen Auswirkungen auf Familie und Gesellschaft. Gezeigt werden zahlreiche schwarz-weiß gedruckte sowie farbig nachgearbeitete Blätter aus Mappen und Künstler-Zyklen, aber auch Plaketten und Medaillen. Diese sind Werke des Künstlers Ludwig Gies (1887–1966), der später den Bundesadler im Bonner und Berliner Parlament schuf: Seine Bronzemedaille „Kriegshetze“ von 1914/15 beispielsweise zeigt auf einem Durchmesser von rund 50 Millimetern einen kleinteilig ausgearbeiteten Menschenaufmarsch. Aber auch Arbeiten von Willibald Krain (1886–1945) oder Paul Adolf Seehaus (1891–1919) werden in der Ausstellung zu sehen sein. „Wir freuen uns, auch bislang unentdeckte Künstler präsentieren zu können, die hinter den bekannten Namen wie Otto Dix oder Max Beckmann schier vergessen schienen. Sie haben kaum weniger eindrucksvolle Äußerungen als diese „Großen“ hinterlassen“, so Mückain.
Exponate aus dem Wormser Stadtarchiv
„Die Ausstellung macht auf eindrückliche Weise deutlich, wie Künstler, aber auch die Zivilbevölkerung den Ersten Weltkrieg erlebten“, so Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek: „Auch die Stadt Worms war betroffen: Deren Einwohner bekamen seit dem strengen Winter von 1916 auf 1917 verstärkt Hunger, Mangel und Verluste zu spüren. Schon im Juni 1916 waren sie vereinzelt zu Hungerkrawallen und Plünderungen übergegangen. “Diese Entwicklung veranschaulichen Polizeiprotokolle und Versicherungskorrespondenzen, die aus dem Wormser Stadtarchiv stammen. Sie berichten unter anderem von betroffenen Wormser Ladenbesitzern, die nach Diebstählen Schadensersatz von der Stadt Worms forderten.
Service: Öffnungszeiten & Eintrittspreise Die Sonderausstellung im städtischen Museum dauert vom 18. Juni bis 18. September 2016 und wird im Weißen Saal und der Andreaskirche präsentiert. Geöffnet ist sie von Dienstag bis Sonntag von 10 Uhr bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen drei Euro, für Jugendliche sowie Studenten und Schwerbehinderte (mit Ausweis) kostet der Eintritt 1,50 Euro. Im Ticket zur Sonderausstellung ist der Eintritt zur Dauerausstellung des Museums enthalten.
Die Teilnahme an einer Führung kostet inklusive Museumseintritt drei Euro pro Person und ist ohne vorherige Anmeldung möglich. Der Treffpunkt ist jeweils an der Museumskasse im Eingangsbereich.
Individuelle Führungen können per E-Mail unter museumsvermittlung@worms.de oder von Dienstag bis Freitag, von 10 Uhr bis 17 Uhr unter Telefon 06241-853/4120 gebucht werden.