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Mo., 24. August 2020, 15:36 Uhr
GEGROS 17. HOCKEY DAYS: Schöne Spiele, viele Tore und sportlich gute Stimmung beim Traditionsturnier der TG Worms – Hockey / Deutscher Meister Club an der Alster Hamburg setzt sich im Feld der Bundesliga-Elite der Damen durch
Der Hockeyball ist größer als das Virus
Der ist mir: Im Zweikampf der beiden Nationalspielerinnen schnappt Lisa Altenburg (Zweite von links) Elisa Gräve (Düsseldorfer HC) den Ball weg. In der Schlussphase der spannenden Partie sichert die Stürmerin des Clubs an der Alster Hamburg ihrem Team mit zwei Toren den Turniersieg. Foto: Marcus Diehl
VON JÜRGEN JAAP | „Nein, Gedanken über eine Absage des Turniers haben wir uns nicht wirklich gemacht.“ Klaus Fischer, Hockey-Legende der TG Worms – Hockey, Macher und von Beginn an Organisator der Wormser Hockey Tage, die 2003 bis 2017 als EWR Hockey Days starteten und nun in ihrer bereits 17. Auflage Gegros Hockey Days heißen, würde etwas Essentielles in seinem Leben fehlen, wenn die Elite der deutschen Hockey-Spielerinnen nicht Jahr für Jahr in die Nibelungenstadt zum Traditionsturnier der TGW pilgern würde. Und auch 2020 war der blaue Hockey-Kunstrasenplatz auf der Jahnwiese wieder Schauplatz von Live-Sport auf Spitzenniveau. Corona zum Trotz zelebrierten sechs Teams der Hockey-Bundesliga der Damen ihren Sport. Viele Tore, spannende Spiele und eine sportlich gute Stimmung prägten das Vorbereitungsturnier auf die Fortsetzung der ob der Corona-Pandemie auf zwei Jahre ausgedehnten Bundesliga-Saison 2019 / 2020 / 2021.
„Glücklich, endlich wieder spielen zu dürfen“
Und das Wichtigste in Zeiten von Corona, Abstandsregeln, Hygiene allenthalben und reduziertem menschlichen Kontakt: Das von Claudia Schneider (TGW-Vorsitzende), Anke Hugo (TGW-Kassenwartin), Tobias Krafczyk (TGW-Geschäftsführer) und vielen Helfern der TG Worms – Hockey in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Worms aufgesetzte Hygienekonzept griff. Der Sport konnte bei Spielerinnen und Zuschauern im Vordergrund stehen oder wie Klaus Fischer es umschrieb: „Die Spielerinnen sind glücklich, endlich mal wieder spielen zu dürfen.“ Ob’s an der langen Wettkampfpause oder dem Heißhunger auf Bewegung lag, sei dahingestellt. Jedenfalls zeigten die mit mehr als zehn Nationalspielerinnen gespickten Bundesliga-Teams aus Mannheim, Rüsselsheim, Düsseldorf, Köln, Mülheim und Hamburg die ganze Palette des olympischen Mannschaftssports, der sehr viel Athletik, Kondition, Ballgefühl und eine hohe Konzentration abverlangt.
Favoriten setzen sich durch
In zwei Gruppen zu je drei Teams aufgeteilt, ging’s Samstag für alle zweimal über die volle Distanz. „Vier Mannschaften sind im Prinz Carl Hotel untergebracht“, erläuterte TGW-Pressewart Tim Bachmann „kurze Anreisen bereits im Sportdress“. Sportlich, wenngleich nicht unter den Augen des Bundestrainers Xavier Reckinger, der ob Corona nicht aus Belgien anreisen konnte, hatten die Favoriten die Nase vorne. Sowohl der Mannheimer HC, Düsseldorfer HC, Club an der Alster Hamburg und Rot-Weiss Köln, allesamt in der aktuellen Bundesliga-Tabelle in der vorderen Hälfte beheimatet, agierten auf Augenhöhe. Am Ende hatte Düsseldorf in umkämpften Matches in Gruppe 1 knapp die Nase vorne, während sich Hamburg mit 2:1 gegen Köln behauptete. „Jede Menge Spannung und ein unglaublich hohes Niveau“, erkannte Tim Bachmann, der selbst bei den Herren der TG Worms das Tor hütet. Und damit nicht genug, in den Finalspielen legten die Hockey-Spielerinnen noch einmal ein Scheibe drauf.
Das Finale
Club an der Alster Hamburg – Düsseldorfer HC 5:4 (2:1)
Hin und her auf hohem sportlichem Niveau – wie in den meisten der Gruppenspiele – ging’s im Endspiel. „Ein klasse Spiel, fantastische Tore und super für die Zuschauer“, befand Jens George, der Trainer des amtierenden Deutschen Meisters aus Hamburg. Waren es zunächst je ein Tor nach einer Strafecke für Düsseldorf durch Luca Scheulen (4.) und zum Ausgleich von Hanna Valentin (6.), so nahm die Partie mit zunehmender Spielzeit immer mehr Fahrt auf. Ein spektakulärer Rückhand-Schlenzer von Emily Kerner sorgte für die verdiente 2:1-Pausenführung der Norddeutschen.
Nach dem Wechsel aber völlige Verschiebung der Verhältnisse. Lisa Nolte (33.), Tessa Schubert per Strafecke (35.) und ein satter Schuss von Alisa Vivot (36.) brachten Düsseldorf binnen vier Minuten ganz nah an den Titel. Doch eben nur ganz nah. Der Club an der Alster Hamburg drehte die Partie nochmals, als erst Benedetta Wenzel erneut per Strafecke das 3:4 gelang (48.). Ein Doppelschlag der sehr präsenten Nationalspielerin Lisa Altenburg (50. und 58.), die zweimal den Schläger in einen Kracher im Schusskreis hielt, sorgte für die Entscheidung zugunsten der Mädels aus dem hohen Norden Deutschlands. Coach Jens George freute es doppelt: „Gerade gegen Düsseldorf war das eine wichtige Duftmarke, starten wir doch den weiteren Saisonverlauf genau gegen dieses Team.“
Gegros 17. Hockey Days – Ergebnisse:
Gruppe 1:
Mannheimer HC – Rüsselheimer RK 2:0
Düsseldorfer HC – Mannheimer HC 3:2
Düsseldorfer HC – Rüsselheimer RK 5:4
Gruppe 2:
Club an der Alster Hamburg – HTC Uhlenhorst Mülheim 2:0
Rot-Weiss Köln – HTC Uhlenhorst Mülheim 5:0
Club an der Alster Hamburg – Rot-Weiss Köln 2:1
Platz 5:
Rüsselheimer RK – HTC Uhlenhorst Mülheim 4:1
Platz 3:
Mannheimer HC – Rot-Weiss Köln 1:0
Finale:
Club an der Alster Hamburg – Düsseldorfer HC 5:4
Splitter – Gegros 17. Hockey Days
„Der ewige Kiebitz“
Sein Klappstühlchen steht stets auf Höhe der Mittellinie. Seit dem ersten Tag der Hockey Days ist Michael Holl als Zuschauer dabei. „Hockey begeistert mich einfach“, lässt der Wormser wissen, der erstmals 1985 bei der in der Kerschensteiner Schule ausgetragenen Endrunde der Deutschen Hallen-Hockeymeisterschaften den schnellen Ballsport ins Visier nahm. Seither hat Michael Holl kein Spiel bei den Hockey Days von seinem Stammplatz aus an der Mittellinie verpasst.
Vom Ballmädchen zur Spielerin
TG Worms – TG Frankenthal – Rüsselsheimer SK. Das sind die Stationen von Lea Schopper, die seit März 2019 beim Bundesligisten in Rüsselsheim aktiv ist. „Ich habe hier Heimspiel“, sagt die 25-jährige Wormserin, die an den beiden Turniertagen („Ganz wie früher“) mit dem Fahrrad aus Hochheim zur Jahnwiese kam. 2020 aber nicht mehr als Ballmädchen, wie in den Anfangsjahren des Turniers, sondern diesmal im Mittelfeld des Rüsselsheimer SK. „Ein bisschen nervös war ich schon“, verrät Lea Schopper, denn: „Ist ja schon was Besonderes, vor heimischem Publikum zu spielen.“
Die Preisgelder
Für den Turniersieger gibt es 900 Euro in die Mannschaftskasse. Für Rang zwei gibt es 800 Euro und der Sieger des kleinen Finales darf sich immerhin noch über 700 Euro freuen.
Rasante Laufduelle und intensive Zweikämpfe zwischen Charlotte Gerstenhöfer, Florencia Habif (beide Mannheimer HC) und der Ex-Mannheimerin und Nationalspielerin Nike Lorenz prägten das kleine Finale, das Mannheim am Ende knapp mit 1:0 gewann. Foto: Marcus Diehl