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Do., 05. Mai 2022, 21:55 Uhr
Fußball Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar – Abstiegsrunde: TSG Pfeddersheim baut Tabellenführung durch 3:0-Erfolg über die Sportfreunde Eisbachtal aus
Der Klassenerhalt winkt heftig
Der Kapitän hat’s schon wieder gemacht: Sebastian Kaster (links) traf im Nachholspiel der TSG Pfeddersheim gegen die spielstarken Sportfreunde Eisbachtal mit seinem fünften Tor in der Abstiegsrunde zur erlösenden und späten 1:0-Führung. Danach brachen alle Dämme beim Spitzenreiter der Abstiegsrunde der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar. Foto: Felix Diehl
VON JÜRGEN JAAP | Fünf furiose Minuten. Fünf Minuten, die ein ganzes Fußballspiel auf den Kopf stellen. Fünf Minuten mit drei Toren, mit jeder Menge Emotionen, mit Wiedererkennungswert. Zwischen der 70. und 75. Minute feuerte die TSG Pfeddersheim im rasanten Spitzenspiel der Abstiegsrunde der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar gegen die Sportfreunde Eisbachtal urplötzlich aus allen Rohren. TSG-Kapitän Sebastian Kaster eröffnete das Feuerwerk (70.), Rechtsaußen Patrick Huth zündete den zweiten Böller (74.) und Einwechselspieler Jan-Philipp Schünke ließ es ein drittes Mal krachen (75.). Nicht etwa, dass sich das Finale furioso der TSG angedeutet hätte. Ganz im Gegenteil: Pfeddersheim musste gegen spielstarke Eisbären aus dem Westerwald lange zittern, intensiv verteidigen und ab und an auch das Glück der Tüchtigen bemühen. Am Ende stand ein 3:0-Heimsieg – und eben jene mitreißenden fünf Minuten „Champagner-Fußball“ zu Buche.
Diskussions-Stoff: SV Röchling Völklingen zieht Team zurück
Bevor der Ball im Pfeddersheimer Uwe-Becker-Stadion rollte, gab’s aber reichlich Stoff für Diskussionen und Spekulationen rund um die Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar. SV Röchling Völklingen, finanziell arg angeschlagener Traditionsverein aus dem Saarland, zog keine 24 Stunden zuvor seine erste Mannschaft vom Spielbetrieb zurück. Den Saarländern gingen die Spieler aus, heißt es. Die Oberliga, speziell die Abstiegsrunde rutscht dadurch in ein sportliches Chaos hinein. „Ich habe dafür kein Verständnis, das ist pure Wettbewerbsverzerrung “, sprach Pfeddersheims junger 33-jähriger Trainer Daniel Wilde das aus, was viele im Fußball-Südwesten über die Maßnahme der Saarländer kurz vor Saisonende denken. Wie die absolvierten Spiele von Völklingen zu werten sind, muss der Fußball-Südwestverband regeln. Der Abstiegskampf wird wohl nicht allein auf dem grünen Rasen entschieden, sondern auch von den Sportgerichten. Ausgang? Derzeit völlig offen.
Partie mit dem Charakter eines Spitzenspiels
Von derlei Sportpolitik ließen sich beide Mannschaften nicht narren. „Ich erwarte ein Fifty-fifty-Spiel zweier offensiver Mannschaften“, hatte Daniel Wilde prognostiziert. Mathias Tillschneider nach einer Ecke (5.) und Patrick Huth knallhart aus der Distanz (20.) setzten für die TSG auch die ersten Akzente. Mitte der ersten Hälfte fuhren die Eisbären aber immer mehr ihre Pranken aus. „Eine richtig gute Elf“, bestätigte Patrick Stofleth die Einschätzung seines Trainers. Der 23-jährige Torwart der TSG rückte bald in den Mittelpunkt der Partie. Erst rettete Stofleth gegen den Weitschuss von Takuya Kakui (27.), dann gegen den anstürmenden Jonah Arnolds (29.) und schließlich gegen Marc Tautz, dem er das Leder in höchster Not vom Fuß stiehlt (31.). Beim Knaller von Arnolds aus 20 Metern musste Fabio Schmidt mit dem Kopf auf der Linie klären (40.). Das torlose Unentschieden zur Pause kann man als schmeichelhaft für die Gastgeber bezeichnen.
Patrick Stofleth rettet TSG „die Null“
Und weiter ging’s nach dem Wechsel mit dem Duell des besten TSG’lers gegen Eisbachtals Kicker. Diesmal legte sich Julius Duckscherer das Leder 20 Meter vor dem TSG-Tor zum Freistoß ab. Ein Schuss über die TSG-Mauer in den Winkel schien die überfällige Gäste-Führung zu bedeuten, hätte nicht Patrick Stofleth noch seine Fingerspitzen ans Spielgerät gebracht (52.). Huth für die TSG (59.) und Arnolds für Eisbachtal (66.) hätten ihre Farben in Front bringen können. Doch es blieb vorwiegend dank des Pfeddersheimer Torwarts Stofleth und des einmal mehr glänzend agierenden TSG-Abwehrchefs Mathias Tillschneider bei „der Null“.
Aymen Chahloul, der dreifache Tor-Vorbereiter
Bis in jene fünf fantastischen Minuten. Stets seine Füße im Spiel hatte dabei TSG-Winterzugang Aymen Chahloul, dem Daniel Wilde „in der ersten Halbzeit eine grausame Vorstellung“ attestierte, und der „im zweiten Durchgang aus dem tiefen Dornröschenschlaf erwachte“. Ein Chahloul-Solo bereitete die 1:0-Führung von Sebastian Kaster vor. Dem 2:0 durch Patrick Huth per Aufsetzer vom Elfmeterpunkt ging ein klasse Pass von Chahloul voraus. Und das 3:0 resultierte aus einer Kombination von Chahloul, Kaster und abschließend Jan-Philipp Schünke, der erst kurz zuvor eingewechselt wurde. Pfeddersheim hatte die spielstarken Gäste binnen fünf Minuten überrumpelt, 3:0 gesiegt und drei weitere wichtige Punkte für den Klassenerhalt eingesammelt. Folglich geriet das heiß diskutierte Reizthema „Röchling Völklingen“ bald in den Hintergrund rund um das Pfeddersheimer Schießhaus.