OB Kissel gedenkt der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 um Oberst Graf von Stauffenberg
Der Krieg hätte beendet sein können
Oberbürgermeister Michael Kissel legte am Mahnmal für die Opfer der NS-Terrorherrschaft am Samstagmorgen einen Kranz nieder. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Der 20. Juli ist der Gedenktag, an dem sich das Attentat von einer Gruppe hoher Offiziere um Oberst Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler jährt. Mit einer Bombe versuchten die Widerstandskämpfer im Jahr 1944 Hitler in der „Wolfsschanze”zu töten. Dieser überlebte jedoch leicht verletzt. Noch am gleichen Tag wurden Oberst Stauffenberg und am Attentat beteiligte Offiziere festgenommen und erschossen. Damit scheiterte der Umsturzversuch und der 2. Weltkrieg ging noch fast ein Jahr bis Mai 1945 weiter. Obwohl die Niederlage des Deutschen Reiches längst besiegelt war, starben noch Millionen von Soldaten und Zivilisten. Auch das Morden in den Vernichtungslagern wurde mit aller Grausamkeit fortgesetzt.
OB Kissel legt Kranz nieder
Den Hitler-Attentätern des 20. Juli wurde am Samstagmorgen um 11 Uhr am Wormser Mahnmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft gedachtet. Oberbürgermeister Michael Kissel legte einen Kranz nieder und mahnte, das Leid nicht zu vergessen, das vom Nazi-Terrorregime ausging. Er erinnerte dabei an die in Konzentrationslagern ermordeten Juden, Homosexuellen, Gewerkschaftler, Geistlichen, Sozialdemokraten sowie Sinti und Roma. Mit bewegenden Worten sagte er, dass der 2. Weltkrieg mit einem erfolgreichen Attentat hätte beendet sein können. So aber sei das Morden und Sterben weitergegangen.
20. Juli noch zeitgemäß?
Insgesamt waren nur rund 20 Bürger bei der Kranzniederlegung anwesend. Es stellt sich daher die Frage, ob das ritualisierte Erinnern an den 20. Juli 1944 noch zeitgemäß ist oder wir nicht längst in einer anderen Geschichtsepoche leben, die mit der NS-Zeit nicht mehr zu tun hat? Im Gespräch mit den Teilnehmern der Gedenkveranstaltung kristallisierte sich jedoch rasch die Meinung heraus, dass Jahrestage wie der am 20. Juli nichts von ihrer Notwendigkeit verloren hätten. Leider sei braunes Gedankengut immer noch vorhanden und die Gefahr von Extremismus bestehe weiterhin. Der momentan in München stattfindende Prozess gegen die Zwickauer Nazi-Terrorzelle NSU, die in den Jahren von 2000 bis 2007 zehn Bürger aus rassistischen Gesinnung heraus ermordete, belege dies. Weiter wurde argumentiert, dass mit dem 20. Juli nicht nur der Hitler-Attentäter und der Toten der des II. Weltkrieges gedacht werde, sondern der Tag auch ein Symbol für die Demokratie sei und der 20. Juli den Aufruf beinhalte, jeden Tag den Mut aufzubringen, um gegen Fremdenhass, Extremismus und für die Menschenrechte einzutreten. Diesen Mut oder gar dies Opferbereitschaft hätten die Offizier des 20. Juli aufgebracht.