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  • Fr., 23. Mai 2014, 01:08 Uhr
    Die Ausstellungseröffnung und Buchpräsentation zum Beginn des I. Weltkrieges im Raschi-Haus stand angesichts der Tragödie in der Ukraine unter einem brutalen Gegenwartsbezug

    Der Kriegsausbruch ist 100 Jahre her und doch brandaktuell

    Ausstellungseröffnung im Raschi-Haus. Von links: OB Michael Kissel, Hans-Joachim Kosubek und Prof. Dr. Gerold Gönnen. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Der I. Weltkrieg begann am 28. Juli 1914 und endete mit dem Waffenstillstand am 11. November 1918. In den vier Jahren sollten weite Landstreiche Europas verwüstet werden und fast 20 Millionen Menschen den Tod finden. Es war der erste Krieg der Menschheitsgeschichte, der von Maschinen dominiert wurde. Der Einsatz von Flugzeugen, Panzern, Gas, Schlachtschiffen und besonders dem Maschinengewehr mit seinem erbarmungslosen Dauerfeuer revolutionierte die Kriegführung. Das Töten hatte eine neue und grausame Präzision erreicht sowie die Möglichkeit zur großflächigen Vernichtung eröffnet. Am Ende war Europa nicht mehr Europa.

    Eine besondere Aktualität gewinnt die Rückbesinnung auf das Jahr 1914 für viele Menschen dieser Tage durch die Ereignisse im Osten des Kontinents, wo ein aggressives Russland dabei ist, wieder Großmachtspolitik zu betreiben und die Ukraine zu zerschlagen oder sie sich gar einzuverleiben. Der Fluch des Krieges scheint damit in Europa wieder eingezogen zu sein und viele Bürger stellen sich beklommen die Frage, ob die Menschheit aus den Tragödien der beiden Weltkriege nichts gelernt hat?

    Fotoausstellung im Raschi-Haus
    Aus Anlass dieses 100-jährigen Wiederkehrens des Kriegsausbruchs finden in diesem Jahr in ganz Europa zahlreichen Veranstaltungen statt, so auch in Worms. Insgesamt werden sich drei Ausstellungen mit dem Thema beschäftigen. Am Donnerstagabend wurde im Raschi-Haus die Fotoausstellung eröffnet, die sich mit den Auswirkungen des Krieges auf Worms und die Region beschäftigt. Die schwarz-weiß Ablichtungen geben dem Besucher einen Einblick, welchen Einfluss der Weltkrieg an der „Heimatfront“ in Rheinhessen hatte. Es wird der Jubel gezeigt, mit die Soldaten loszogen, aber auch das Elend, die Entbehrungen und natürlich der wenig glorreiche Alltag.

    Der I. Weltkrieg in Worms
    Mit der Ausstellungseröffnung fand auch die Präsentation des 480 Seiten umfassendes Buches: „Eine furchtbar ernste Zeit….“ mit dem Untertitel: „Worms, die Region und der `große Krieg`1914 bis 1918“ statt. Um allen Interessierten Platz bieten zu können, fand der Erste Teil der Präsentation im Frauenraum der Wormser Synagoge statt. Zunächst sprach Oberbürgermeister Michael Kissel und bezeichnet den I. Weltkrieg als die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Professor Dr. Gerold Bönnen hielt die Hauptrede und umschrieb den Inhalt des Buches und damit gleichzeitig auch die Situation in Worms. Er gliederte seinen Vortrag in die drei Bereiche: 1) Wie reagierte die Bevölkerung auf den Ausbruch des Kriegs, 2) Welche sozial und wirtschaftlichen Auswirkungen hatte der Waffengang und 3) Warum hat sich das Gedenken an den I. Weltkrieg in Deutschland wie in Worms so ganz anders entwickelt als in unseren westlichen Nachbarländern. Das Buch ist ab sofort für 35 Euro im Buchhandel erhältlich.

    EU als Friedensunion
    Die Schlussworte sprach Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek, der die Gegenwartsrelevanz in den Fokus rückte. Er erinnerte daran, dass mit dem Kriegsende von 1918 die noch größere Katastrophe des II. Weltkrieges eingeläutet wurde. So sei der Versailler Vertrag in Deutschland von weiten Teilen der Politik und Bevölkerung nicht akzeptiert worden, zu dem hohe Reparationszahlungen und Gebietsabtretungen gehörten. Hier stellte er die viel diskutiert Frage, ob die Weimarer Republik von Anfang an zum Scheitern verurteilt war oder ob sie eine Chance hatte?

    Hans-Joachim Kosubek hob zum Abschluss die Bedeutung der Europäischen Union heraus, die die Antwort auf den Nationalismus mit zwei Weltkriegen in Europa gewesen sei. Alleine wegen dieser Leistung als Friedensunion dürfe man sie nicht Frage stellen und dürfe sie unter keinen Umständen in den Nationalismus zurückfallen.

     

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