Der Samstag bot erneut herausragende Konzerte. Foto: Karolina Krüger
Von Regina Urbach Kompakter Genuss internationaler Weltklassebands im Geflecht der historischen Plätze, aber auch Überraschungen beim Sich-Treiben-Lassen prägten den Jazz&Joy-Samstag. Heftige Regenschauer trübten allerdings teilweise wieder die Atmosphäre.
Wormser Bands wie die Ska-Band Offbeat-Service und zahlreiche bekannte Künstler, allen voran ein gesprächiger Gregor Meyle oder die perfekt durchchoreografierte Mädelsformation LAING, trafen mit ungekünstelt-rauhen, philosophischen oder eher sensiblen deutschen Texten den Ton vor allem beim jungen Publikum. Ob verzerrt ins Mikro genuschelt oder charmant-kratzig von der Seele gesungen („Die Felsen“ mit eigenwilliger Gitarrenhandschrift), auf der Mini-RENOLIT-Bühne vor zuckenden Tanztrauben bis auf die Straße (Luis Laserpower) oder auf dem riesigen Marktplatz bei Judith Holofernes oder MIA: Deutsch ist cool als Musiksprache.
Das klassische Jazz-Kernpublikum fand seine Bühne direkt an der Stadtmauer auf einem unterteilten Platz der Partnerschaft, der ein wenig von der Atmosphäre des weggefallenen Andreasstift-Innenhofs retten sollte. Wegen seiner Durchgangslage herrschte hier im hinteren Bereich stets Unruhe. Jazz-Hochkaräter wie der 80-jährige Wolfgang Schlüter und Roberto Bonati pflegten ihre Kunst unbeirrt vor einem in den ersten Reihen hochkonzentrierten Auditorium, sogar mit Zugaben. Das Louis Sclavis Atlas Trio verlangte den Hörgewohnheiten mit Aufsehen erregenden Ton-Er-fahrungen viel ab. Bis wieder einmal das Wetter die Regie übernahm und stürmische Regenschauer die Hälfte des Auditoriums von den Sitzen fegte. Worüber sich andere freuten.
Ankündigung und Konzerterlebnis deckten sich bei der Weltmusik auf dem Schlossplatz nicht unbedingt. Pünktlich aus der nigerianischen Sahara, doch leider verspätet durch die deutsche Bahn, groovte das Trio Anewal in Tuareg-Kostümen meditativen Wüstenblues im strömenden Regen. Jaro Milko & The Cubalkanics aus Basel konnten die Erwartungen an eine ausgereifte kubanisch-balkanische Fusion oder gar Tanzbarkeit nicht ganz erfüllen. Dagegen haute der in Berlin aufgewachsene Diplomatensohn Jupiter Bokonj Ilola (Jupiter & Okwess International) mit seinem urbanem Kongo-Rock alles vom Sockel, was Beine hatte: mit Humor, (ja, auch deutschen!) Texten, überspringendem Tanzfunken, Klicklaut- und Mund-Percussion, furioser Energie und konzertreifen Stimmen (außer dem Leadsänger auch Yende Balamba Bongongo und Blaise Sewika Boyite) .
Der gleichzeitige Top Act MIA verdiente diesen Namen dagegen allenfalls durch schreiend bunte Plastic-Optik. Bedauerlich war, dass das Spätprogramm vier Highlights gleichzeitig bot, was das auswahlverwöhnte Publikum zur Entscheidung zwang.