
„Betreten verboten! Einsturzgefahr!“ signalisiert ein Schild am verschlossenen Eingang zur Wormser Mikwe, dem jüdischen Ritualbad. Seit der Sperrung der Mikwe im November 2016 stehen viele Besucher des jüdischen Worms mit enttäuschten Gesichtern vor jener Bautür.
Um das Ritualbad dennoch erlebbar zu machen und die Gründe der Sperrung zu erläutern, haben Kulturkoordinator Volker Gallé und Dr. Susanne Urban, Geschäftsführerin des Vereins SchUM-Städte, eine Stele für den Synagogengarten anfertigen lassen. Ein QR-Code führt zu einer neuen Internetseite, die die Wormser Mikwe vorstellt und zudem allgemeine Informationen zu jüdischen Ritualbädern liefert.
Bildergalerien zur Mikwe Worms und ihres größeren, älteren baulichen Vorbilds in Speyer vermitteln Eindrücke dieser einzigartigen Räume. Weitere Bildergalerien illustrieren die Bedeutung von Ritualbädern.
Informationen zur Sanierung der Mikwe in Worms runden das Bild ab. Eingestreute literarische Texte, Lieder zum Selbstsingen und Töne wie Wasserrauschen und Tröpfeln, der Herzschlag beim Hinabsteigen in die Mikwe oder auch Hämmern begleiten die einzelnen Kapitel der Webseite. Diese wird kontinuierlich ergänzt und in wenigen Wochen auch auf Englisch zur Verfügung stehen.
„Wir wollen den Besuchern diesen spirituellen Raum, die Erhabenheit und Relevanz der Mikwe so authentisch wie möglich virtuell näherbringen“, erläutert Oberbürgermeister Michael Kissel. „Die Synästhesie, die wir auf der Internetseite erzeugen, soll das sinnliche Erlebnis eines Besuchs der Mikwe transportieren“, ergänzt Dr. Susanne Urban. Erstellt hat die Internetseite die Agentur „studio ahoi“ in Hamburg.
Die 1185/86 gestiftete Mikwe ist für Worms gemeinsam mit der rekonstruierten Synagoge und dem Friedhof „Heiliger Sand“ ganz wichtig für die Welterbe-Bewerbung der SchUM-Städte bei der Unesco. Das Ritualbad ist seit mehr als 800 Jahren ein Bestandteil dieses jüdischen Epizentrums.
Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mainz, konnte zwar bei der Enthüllung der Stele nicht zugegen sein, betont jedoch: „Die Wormser Mikwe bot über Jahrhunderte den Mitgliedern der heiligen Gemeinde Worms - Kahal Kadosch Warmaisa die Möglichkeit der rituellen Reinigung. Den Besuchenden der vergangenen Jahrzehnte bot die Mikwe als Erinnerungsort auch ein Eintauchen in die eigene Geschichte bis hinunter zu den Quellen der Torah. Die Webseite ist eine moderne Brücke in diese Erfahrung.“
Das Mauerwerk der Mikwe befindet sich, wie mehrere Gutachten belegen, in einem labilen Zustand. Ein statisch-konstruktives Gutachten aus dem Jahr 2014 weist auf Schäden wie Durchfeuchtungen, Risse und Verformungen hin. Eindringendes Oberflächenwasser und Kondensatbildung verursachen Oberflächenschäden, der Erddruck, vor allem an der Westseite, wo sich die Treppe befindet, ruft statische Schäden hervor. Zudem haben Luftkeimmessungen im Jahr 2015 ergeben, dass in der Mikwe eine hohe Belastung mit Keimen in den verschiedenen Klimaten herrscht.
Die Arbeiten werden Zug um Zug in etwa fünf Abschnitten ausgeführt. Derzeit gehen die Experten von einer Gesamtdauer von sechs bis zehn Jahren – je nach Finanzierungsmöglichkeiten und Erkenntnisstand – aus.
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