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  • Mi., 27. März 2024, 17:00 Uhr
    NIBELUNGENMUSEUM WORMS: Wird aus vorläufiger Schließung ein dauerhaftes Ende?

    „Der Stadtrat muss Farbe bekennen!“

    Ohne die dringend benötigte Sanierung bleibt das Nibelungenmuseum für die Öffentlichkeit geschhlossen. Foto: Florian Helfert


    Von Florian Helfert › „Wer Worms sagt, denkt an die Nibelungen und wer Worms erwähnt, hat die Nibelungen im Sinn“, führte Dr. Olaf Mückain, Leiter des Nibelungenmuseums, am Dienstagvormittag vor dem Wormser Ratsaal aus. Das mittelalterliche Epos, dessen erhaltene, einzigartige Handschriften zum Weltdokumentenerbe der UNESCO zählen, sei für Worms unverzichtbar. Folglich benötige das Thema über die Nibelungenfestspiele hinaus ganzjährige Konstanz und Präsenz.

    Für jene konstante Präsenz sorgte bislang das Nibelungenmuseum. Doch schon ab dem 31. März wird es nur noch ein Schattendasein fristen, wenn es aus baulich-technischen Gründen für die Öffentlichkeit vorerst geschlossen bleibt – unter Umständen jedoch sogar für immer.

    Kostspieliger Brandschutz

    Als Gründe für die geordnete, temporäre Schließung nannte die Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Adolf Kessel zusammengefasst eine hohe Brandlast im multimedial ausgelegten Museum im Verbund mit einem wiederkehrend störanfälligen Brandschutz. „Es wurden Steuerungen ausgetauscht, Komponenten gewechselt und Besuchergruppen unauffällig durch Museumspersonal als provisorische Brandwachen begleitet, aber das ist kein Dauerzustand“, erläuterte Christian Kraft als Bereichsleiter des Wormser Immobilienmanagements (WIM).

    „Der Stadtrat“, so Oberbürgermeister Adolf Kessel, „muss jetzt Farbe bekennen“. In einer gemeinsamen Sitzung des Kultur-, Bau- sowie Haupt- und Finanzausschusses am Mittwoch, dem 10. April, werden drei Optionen thematisiert. In Betracht kommen eine aufwendige Sanierung für den Weiterbetrieb, ein endgültiges Ende inklusive Rückbau oder der Weiterbetrieb an alternativen Standorten.

    Historische Türme werden saniert

    Unabhängig von der Zukunft des Nibelungenmuseums müssen die beiden eingenetzten Türme der historischen Stadtmauer saniert werden. Fünf Millionen Euro sind ebenso wie eine genauere Untersuchung der Schäden und zu ergreifenden Maßnahmen laut Christian Kraft eingeplant. Zur Frage, mit welchen Kosten für die Sanierung des Nibelungenmuseums zu rechnen sei, verwiesen Christian Kraft und Oberbürgermeister Adolf Kessel auf die kommende Gremiensitzung am 10. April.

    Museumspädagogik wachgeküsst

    „Auch das Siegfriedmuseum in Xanten wankt, wird aber von den Bürgern dort sehr stark unterstützt“, warb Museologe Mückain indirekt für eine höhere Akzeptanz dessen, was sein Personal leistet. So habe sich beispielsweise unlängst im August eine Delegation aus der isländischen Hauptstadt Reykjavík unter einem Professor der Mediävistik in Worms informiert, wie eine Sagenwelt vermittelt werden könne. Und über das Thema der Nibelungen sei der renommierte Künstler Norbert Bisky auf das Nibelungenmuseum und Worms aufmerksam geworden, sodass man gemeinsam eine Ausstellung plane.

    „Das Nibelungenmuseum ist die Wiege der Museumspädagogik und -vermittlung in den städtischen Museen von Worms“, merkte Ulrike Breitwieser, Verwaltungsleiterin der Museen am Torturm und am Weckerlingplatz, einen enormen Verdienst des Nibelungenmuseums an. Umso glücklicher schätzen sich Mückain und Breitwieser, dass mit Ausnahme zweier bis Ende März befristeter Werkstudenten alle Mitarbeiter der Wormser Museenlandschaft erhalten bleiben.

    „Worms will weiter“ begrüßt Ende

    Die Wählergemeinschaft „Worms will weiter“ begrüßte in ihrer Pressemitteilung die Schließung des Nibelungemuseums. „Schon beim Bau 2001 war klar“, meint deren Vorsitzender Mathias Englert, „dass dieses Museum ein Millionengrab sein würde“. Ohne das umstrittene Nibelungenmuseum, so Englert, wäre die Stadt Worms rund 20 Millionen Euro weniger arm.

    Ein Abriss des Gebäudes erachtet die Wählergemeinschaft als für die Stadt Worms nur schwer finanzierbar und präferiert stattdessen eine Umnutzung zu einer privat getragenen Gastronomie oder einer Begegnungsstätte.

    „Das Nibelungenthema muss in Zukunft nicht mehr nur in einem Museum, sondern im gesamten Stadtgebiet erlebbar sein“, so Englert abschließend. Kriemhilds Rosengarten am Rhein böte eine solche Chance.

    SPD hinterfragt OB-Kommunikation

    Auch die Wormser Sozialdemokratie meldete sich bereits kritisch zu Wort. Dass beim Gebäudebestand des Museums Handlungsbedarf bestanden habe, sei schon lange bekannt gewesen. „Von daher gehen wir davon aus, dass es auch Vorschläge gibt, wie und wo das Thema Nibelungen künftig ganzjährig vorkommt und man nicht jetzt erst beginnt, sich Gedanken zu machen“, äußerte Fraktionsvorsitzender Dirk Beyer eine Position der SPD.

    Dass die Schließung des Museums der Öffentlichkeit medial kommuniziert worden sei, bevor das Stadtoberhaupt dessen Mitarbeiter über die geplanten Schritte der Verwaltung informiert habe, bedauert die SPD-Fraktion. „Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Mitarbeitenden sieht anders aus“, kritisiert die SPD-Stadtratsfraktion.

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