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Mo., 06. Mai 2024, 20:03 Uhr
Fußball Bezirksliga Rheinhessen: Horchheim nimmt bei Derby spät die Hürde in Neuhausen und gewinnt am Ende mit 4:2 / Schweres Foul in der 19. Minute
Der SV Horchheim mit dem längeren Atem
Sueleyman Kaplan (Neuhausen) befindet sich als Fußballer momentan in seinem zweiten Frühling. Die siebzehn Jahre Altersunterschied gegenüber Dennis Renner (Horchheim) und dessen Schnelligkeitsdefizit hat er seinem Gegenspieler keinen Platz zur Entfaltung geboten. Foto: Felix Diehl
Von Marcus Diehl › Es hätte ein tolles Fußballspiel werden können. Doch die 19. Spielminute steht allen Beteiligten und auch den Zuschauern noch im Gesicht geschrieben: An der Mittellinie und noch zwei Meter vor der Horchheimer Bank entfernt, leistete sich TuS Neuhausen-Spieler Luca di Stefano ein absolut unnötiges und gleichzeitig brutales Foul – mit schweren Folgen für Marcel Günther vom SV Horchheim. Mit einer Fraktur am Schienbein wurde er ins Klinikum transportiert und am Montagmittag operiert. Gleichzeitig mit dem Pfiff nahm der Schiedsrichter schon die Rote Karte in die Hand.
Natürlich wurde davor und auch danach auch Fußball gespielt. Mit dem besseren Ende für den SV Horchheim. Mit dem 4:2 (1:1)-Erfolg für den SV Horchheim setzte es gleichzeitig die erste Heimniederlage vom TuS Neuhausen in dieser Saison.
„Das ist nicht spurlos an uns vorbei gegangen. Dann gab es noch einige Parallelen zum Hinspiel. Der Sieg zeigt, dass die Jungs daraus gelernt haben“, so SVH-Trainer Sascha Löcher. TuS-Trainer Franz Graber nahm seinen Schützling in Schutz: „Luca ist untröstlich. Es nimmt ihn sehr stark mit und er hat sich mehrmals dafür entschuldigt.“
Immer im erlaubten Rahmen
Es war ein echtes Derby. Viele intensiv geführte Zweikämpfe – auch mit kleinen Nickligkeiten und vielen Tore. Alles, was so eine Begegnung auch ausmacht. Ganz wichtig ist, dass außer dieser einen beschriebenen Szene die Partie immer fair und im erlaubten Rahmen verlief.
Es wurde von Beginn an um jeden Zentimeter Rasen gekämpft. Das kam der Spielweise der Gastgeber eher entgegen als den Gästen. Denn diese versuchten in der Regel ihr Heil aus dem Spielerischen heraus zu finden. Fast genau auf die Sekunde kam – wie auch im Hinspiel – die Rote Karte für Neuhausen. Siebzig Minuten waren sie so in Unterzahl. Ein hartes Unterfangen für den TuS.
Bemerkbar war dies lange Zeit nicht. Mit Kampf und Begeisterung stellten sie sich dem SV Horchheim entgegen. Ein Eigentor von Christian Seibert brachte sogar die Führung für den TuS.
Zu diesem Zeitpunkt kam es durchaus verdient, denn sie hatten mehr Strafraumaktionen mit Abschluss zu verzeichnen. Kurz nach der Führung wurde die Partie für längere Zeit unterbrochen, um Marcel Günther durch den Rettungsdienst versorgen zu lassen.
Ohne große Ideen spielbestimmend
Danach folgte der gleiche Spielverlauf. Horchheim war ohne große Ideen spielbestimmend, aber Neuhausen mit Kontern gefährlicher. Sekunden vor der Pause gab es noch einen Freistoß für Horchheim. Christopher Ludwig mahnte seine Mitspieler noch an, konzentriert zu bleiben, um ohne Gegentor in die Pause gehen zu können. Daraus wurde aber nichts.
Nach der Hereingabe herrschte großer Wirrwarr im Strafraum, der Ball konnte nicht konsequent genug geklärt werden und Malte Rheinheimer drückte den Ball über die Linie. Damit stand es zur Pause 1:1-Unentschieden.
Etwas entschlossener kam der SVH aus der Kabine. Nach einer Stunde Spielzeit bekam Steven Junkert eine Zehn-Minuten-Strafe. So war Neuhausen mit doppelter Unterzahl.
Aber alles, was die Gäste auch versuchten, es gab kein Durchkommen gegen die sehr gut stehende Defensive der Gastgeber. Sascha Löcher hierzu: „Das hat der TuS sehr clever gemacht, das muss man einmal zugeben.“ Die beiden Innenverteidiger Christopher Ludwig und Thierry Bogue hatten alles im Griff.
Der SVH bekam seine schnellen Außenspieler nicht ins Spiel integriert. Auch weil Sueleyman Kaplan dem schnellen Dennis Renner überhaupt keinen Platz angeboten hat. Franz Graber: „Wir wollten die Räume eng halten, dass sie mit ihren Diagonalbällen uns nicht weh tun können.“
Unglücklich agierte Christian Seibert in der 80. Minute. Gegen Maurizio Scherer verursachte er im Strafraum einen Elfmeter. Christopher Ludwig verwandelte sicher zur erneuten Führung für Neuhausen.
Viele der zahlreichen Zuschauer hatten ihre Zweifel, ob der SVH noch einmal zurückkommen konnte. Offensiv hatte Trainer Sascha Löcher schon alle Optionen auf dem Platz, die beiden kopfballstarken Marcel Edel und Fabian Sombetzki wurden auch noch nach vorne beordert. Es wurde die Brechstange ausgepackt. In der 85. Minute hatte noch Marcel Seibel, die Entscheidung auf dem Kopf. Doch der Ball gingt über das Tor. Die ganz heiße Phase der Partie hatte nun begonnen. Bei Neuhausen wurde langsam der Kräfteverlust spürbar, die Konzentration ließ immer mehr nach. In der 86. Minute dann der erneute Ausgleich. Der eingewechselte Christoph Braun schaltete am schnellsten und traf trocken in die Ecke.
SVH blieb am Drücker
Der SVH wollte noch mehr und blieb am Drücker. Nach einer Ecke traf Marcel Edel zur Führung. Eine Mischung aus Hand und Kopf brachte das 2:3. Der TuS war geschlagen, es ging einfach nicht mehr. Das 2:4 durch Lars Freese in der Nachspielzeit hatte nur noch statistischen Wert. Zu groß war der aufopfernde Kampf.
Nach dem Spiel wurde mehr über das Foul gesprochen als über die Leistung beider Teams. Der TuS drückte mit Kampf dem Spiel lange Zeit seinen Stempel auf und der SVH drehte mit einem unbändigen Willen noch die Partie. Spielerisch ist bei beiden viel Luft nach oben.
Kleinigkeiten können entscheiden
Bei solchen Derbys entscheiden Kleinigkeiten. Das Momentum am Ende war halt auf Seiten des SV Horchheim. Für Sascha Löcher war es am Ende ein Sieg des Willen und der Kraft: „Wir haben bis zum Schluss mit offenem Visier gespielt. Auch mit dem Wissen, das wir besser spielen können.“ Für Franz Graber war die schwindende Kraft am Ende der Auslöser für die Niederlage. „Für mich hat die schlechtere Mannschaft gewonnen. Wir hatten auch mit zehn Mann die besseren Chancen.“ Er hat auch die Niederlage schnell abgehakt, auch wenn er gerne ohne Heimniederlage durch die Saison gekommen wäre. Die Verletzung zeigt für ihn, dass es viel wichtigere Dinge gibt im Leben als Sieg und Niederlage. „Wir alle wünschen Marcel eine schnelle Genesung, dass er wieder seinem Hobby ohne Probleme nachgehen kann und so schnell wie möglich auf dem Platz steht.“ Diesen Worten von Franz Graber ist nichts mehr hinzuzufügen.