
Von Florian Helfert › Ein Jubiläum, das leise daherkommt und doch großen Stellenwert besitzt: Seit 30 Jahren begleitet die Ökumenische Hospizhilfe in Worms Menschen auf ihrem letzten Lebensweg. Was 1995 mit viel Idealismus begann, ist heute ein fest verankerter Bestandteil des sozialen Lebens in der Stadt. Am vergangenen Sonntag wurde dieses Wirken mit einem Festakt im Beisein des Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer und des Stadtoberhauptes Adolf Kessel gewürdigt.
Am Anfang des Festaktes im WORMSER stand ein geistlicher Impuls von Dompropst Tobias Schäfer und Dekanin Jutta Herbert. Beide erinnerten an die Anfänge der ambulanten Hospizarbeit und an die vielen Menschen, die diese Aufgabe über drei Jahrzehnte getragen haben. „Erst 2020, als sich die Pläne für das stationäre Hospiz konkretisierten und es eine Rechtsform brauchte, um das Hospizgebäude zu erwerben, wurde der Verein gegründet“, berichtete Schäfer. Daraufhin habe zwei Jahre später das heutige Hospiz im Hochstift das ambulante Angebot ergänzt werden können.
Für sie sei die Zahl 30 keine bloße Statistik, sagte Herbert im Anschluss, sondern erfüllt von Gesichtern, Begegnungen und Geschichten. Hospizarbeit bedeute, am verletzlichen Punkt des Lebens präsent zu sein, Menschen nicht allein zu lassen, zuzuhören, auszuhalten und Würde zu bewahren. Dankbar erinnerte sie an Ehrenamtliche, Hauptamtliche und Angehörige, die oft mit großer Hingabe begleiteten. Auch Kathrin Anklam-Trapp, erste Vorsitzende des Fördervereins, würdigte den „unglaublichen humanitären Dienst“, der in Worms seit nunmehr drei Jahrzehnten geleistet werde.
„Der Tod ist urdemokratisch, er trifft uns alle“, so Ministerpräsident Schweitzer. Nach dessen Grußwort erklärte Oberbürgermeister Kessel: „Wir alle möchten, dass uns in den letzten Lebenstagen jemand begleitet und beisteht.“ Der Dritte im Bunde der Grußworte, Caritasdirektor Lars Diemer, befand, dass Sterben, Tod und Trauer zum Leben gehören. Ferner lobte er den Förderverein. „Durch ihn werden wunderbare Projekte für Menschen realisiert, oder wie beispielsweise zuletzt der Raum der Stille oder die Balkone auf der Westseite.“
Eine von Dr. Ulrike Löffler moderierte Gesprächsrunde, ließ Raum für Rückblick, Austausch und Perspektiven. Dabei wurde deutlich, wie stark die Wormser Hospizarbeit seit drei Jahrzehnten vom außergewöhnlichen Einsatz Ehrenamtlicher lebt. Mit Zeit, Mitgefühl und persönlichem Engagement stehen sie Menschen in einer existenziellen Lebensphase zur Seite. Dieses stille Wirken bleibe oft unsichtbar, sei jedoch für Betroffene und Angehörige von unschätzbarem Wert und aus dem sozialen Leben der Stadt längst nicht mehr wegzudenken. Getragen wird die Hospizarbeit von Caritas, Diakonie, der Katholischen Kirche und dem Evangelischen Dekanat Worms-Wonnegau.
Musikalisch gestaltet wurde der Nachmittag von Konzertmeisterin Olga Nodel und ihrem Schüler Kenta Nishino. Mit einem gemeinsamen Umtrunk klang die Feier aus, verbunden mit dem Dank an alle, die diese Arbeit aufgebaut haben und weiterhin mit Herz, Zeit und Haltung sowie Fachwissen erfüllen.