
Von Regina Urbach Bei herrlichem Spätsommerwetter war das Interesse besonders an den Führungen durch Jürgen Hamm, den leitenden Architekten der Sanierungsprojekte Dom und Andreasstift intensiv. Er schärfte den Blick für die rücksichtsvolle Restaurierung des Putzes im Stifts-Innenhof und an den Türmen der Andreaskirche: „Hier wurde kleines Werkzeug verwendet wie zur Bauzeit und der Putz von Hand aufgeworfen“, verriet er. Entgegen der anfänglichen Annahme, die Türme neigten sich immer stärker in eine Richtung, habe man durch langjährige Messungen festgestellt, dass es sich vielmehr um ein „Schlingern“ in Zeitlupe handele und die Türme daher durch eine kaum sichtbare Rundumverankerung und Drähte gesichert. Nach der Restauration der verwitterten Bausteine entschied man sich für eine rötliche, aber zurückhaltende Putzfarbe. Der ursprüngliche „Wormser Putz“ hatte hier, wie auch an Liebfrauen oder am Dom, leuchtend ocker ausgesehen.
Auf Fragen nach der weiteren Restaurierung, etwa dem geplanten Nachbau der zwei bislang durch Kirche und Museum ausgesparten Kreuzgangsteile, gab er, unterstützt durch Dr. Josef Mattes vom Altertumsverein, bereitwillig Auskunft: Bis 2020 sollen die beiden neuen Kreuzgangsflügel gebaut und bezugsfertig sein, damit 2021 hier die große Lutherausstellung auf 1.000 Quadratmetern (oder mehr; derzeit ist nur die Hälfte verfügbar) stattfinden könne . Die Neubauten sollen ebenerdig im Innenhof vor Kirche und Museum Platz finden und nach Denkmalschutzrichtlinien optisch als Ergänzung erkennbar bleiben, ohne die historische Substanz ringsum zu „alt aussehen“ zu lassen. Sie böten mit geschlossenen Fenstern Raum für Exponate aller Art, während die bestehenden Kreuzgangsteile offen und damit Stellplatz für „weniger empfindliche“ Objekte bleiben sollen. Die Finanzierung (geschätzt auf ca. 10 Mio. Euro) stehe, ergänzte Dr. Mattes, sodass mit der Ausschreibung begonnen werden könne.
Die Sanierungsarbeiten in der Kirche werden im Spätjahr 2017 abgeschlossen sein, so dass ab dann hier wieder Veranstaltungen sattfinden können.
Auch anderorts nutzten viele Wormser den Blick hinter Denkmalstüren unter dem Motto „Gemeinsam Denkmale erhalten" und erhielten exklusiven Einblick, etwa in Luther- und Dreifaltigkeitskirche, auf dem Jüdischen Friedhof oder rund um die Horchheimer Kirchen, die Klausenbergskapelle oder die Abenheimer Wegekreuze.
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