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  • Do., 18. Februar 2021, 13:14 Uhr
    Verband Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer Worms: Stellungnahme zur Notfallzulassung der Zuckerrübenbeize „Cruiser 600 FS“ und einem nachhaltigen Pflanzenschutz in Rheinland-Pfalz und Hessen

    „Desinformation und Panikmache gefährden auch Bio-Anbau"





    Die Zuckerrübenanbauer in Hessen und Rheinland-Pfalz fordern Vertreter diverser Organisationen von Imkern oder Umweltverbänden zur Beendigung der Verbreitung von Unwahrheiten und falschen Studien bzw. Studieninterpretationen auf, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes Hessisch-Pfälzischer Zuckerrübenanbauer e.V. Die in Artikeln oft benannte Dialogbereitschaft dieser Organisationen sei bisher überhaupt nicht vorhanden. „Im Gegenteil: Mit immer weiteren Fake-News versucht man, Imkern und Bevölkerung Angst einzujagen. Dabei steht fest: Die Notfallzulassung ist ökologisch, ökonomisch und nachhaltig sinnvoll", so der Verband. Die Anwendung von neonicotinoiden Beizen im Zuckerrübenanbau sei jahrzehntelang weltweit ohne einen einzigen Fall von Bienen- oder Vogel-Schädigung erfolgt. „Beizung gilt generell als eine der besten und minimalsten Pflanzenschutzanwendungen, da hierdurch keine anderen Pflanzen oder sonstige Organismen außer der Kulturpflanze erfasst werden und somit höchste Einsparungen und Umweltschonung ermöglicht werden. Es gibt daher keinerlei Grund(lagen) für Panikmache. Behauptungen einer Anreicherung von Pflanzenschutzmitteln oder Vogelschäden sind vollkommen haltlos und frei erfunden", so der Verband Hessisch-Pfälzischer Zuckerrübenanbauer e.V.. Zu keiner Zeit hätte es beim Zuckerrübensaatgut solche Problematiken gegeben. „Umweltorganisationen und verschiedene Imker-Vertreter übertragen einfach die Probleme in anderen Anwendungen oder Kulturen auf die Zuckerrübe, wohl wissend, dass hier gar keine Gefahr besteht."

    Das sei keine Basis für einen Dialog, sondern Hetze der übelsten Art, heißt es in der Pressemitteilung weiter. „Wer solches tut, entzieht der Kooperation zwischen Imkern und Bauern den Boden. Zucker und Honig aus heimischer Produktion sind beides natürliche Süßungsmittel. Das müsse eigentlich Landwirte und Imker verbinden, zumal Imker den Zucker aus Offstein ihren Bienen als Bienenfutter füttern, damit sie Hungerzeiten überstehen."

    Zuckerrübe in Gefahr

    In den letzten 10 Jahren seien die Honigbienenbestände in Deutschland um circa 20 Prozent angestiegen, weltweit in den letzten 50 Jahren sogar um 45  Prozent, so der Verband. „Seit drei Jahren ist aber der Zuckerrübenanbau in Gefahr. Die Politik hat eine drastische Senkung der Preise und die Verschärfung des internationalen Wettbewerbes beschlossen. Mehr Weltmarkt und mehr Krankheiten durch den Klimawandel kann man aber nicht durch weniger Pflanzenmedizin beantworten!", erklärt der Verband. Der Ausstieg aus der Saatgutbeize bei Zuckerrüben sei deshalb auch inzwischen europaweit gescheitert. „In Frankreich werden die Zuckerrübenanbauer sogar eine finanzielle Entschädigung für diese falsche politische Entscheidung erhalten."








    Bewusst Angst vor Schäden geschürt

    „Zuckerrüben blühen nicht. Zuckerrüben werden im jungen Stadium überhaupt nicht angeflogen von Bienen. Zuckerrüben haben auch keine Wasserausscheidung an den Blättern (Guttation), die Bienen mit dem Wirkstoff in Kontakt bringen könnte. Bei der Aussaat entwickeln sich wegen der Verkapselung der Wirkstoffe in der Samenpille so geringe Stäube, dass erst einmal Geräte zu deren Messung entwickelt werden mussten", erklärt der Verband Hessisch-Pfälzischer Zuckerrübenanbauer e.V.. Es werde hier jedoch teilweise bewusst eine Angst vor Schäden geschürt, die es nicht gäbe und die niemand bisher auch nur einmal nachweisen konnte. Pflanzenschutzgegner interessiere das nicht. „So wenig wie Impfgegner oder Klimaleugner die wissenschaftlichen Argumente überzeugen können. Dabei werden tausende Arbeitsplätze und die hohen Umweltleistungen der Zuckerrübe sowie deren Schutz vor Nitrat im Grundwasser einfach vergessen." Biodiversität werde gefordert, aber sie sei nicht ohne jeglichen Pflanzenschutz zu bekommen, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

    „Auch der biologische Zuckerrübenanbau ist nur möglich, wenn noch der konventionelle Anbau Technik, Logistik und Fabriken erhält. Zikaden und Blattläuse befallen Zuckerrüben unabhängig vom Anbaukonzept. Der Befallsdruck ist massiv angestiegen und gefährdet dann sehr schnell auch den biologischen Anbau vollständig. Es ist eine Illusion, dass der Bio-Anbau die Rettung darstellt. Gerade 1 Prozent der Fläche wird biologisch bewirtschaftet, da die Bewältigung des hohen Unkrautdrucks sehr viele Saisonarbeiter erfordert, die mit der Hacke in aufwändiger Handarbeit viele hundert Stunden im Einsatz sein müssen. Im Südzucker-Versuchsgut Kirschgartshausen wird neue Roboter-Technik erprobt, um hier Entlastung zu schaffen. Es braucht aber noch Jahre, bis die Technik breit eingesetzt werden kann", so der Verband weiter.

    Zwischen zwei existenzbedrohenden Krankheiten

    Auch die immer wieder gerne geäußerte Verschwörungstheorie einer Klüngelei von staatlichen Stellen mit der Landwirtschaft und der Industrie oder von unzulässigen Beihilfen seien frei erfunden. Vielmehr seien aufgrund einer eindeutigen Faktenlage alle mit der Thematik befassten staatlichen Stellen in den stark von Viruskrankheiten betroffenen Regionen gemeinsam mit den staatlichen Pflanzenschutzdiensten und Wissenschaftlern sowie der Politik zu dem einhelligen Schluss gekommen, dass hier ein Notfall vorliege. „Man kann die Krankheit schlicht nicht mehr ohne eine Notfallzulassung, wie sie jetzt in vielen Ländern Europas beschlossen wurde, beherrschen. Dies gilt ganz besonders für den Südwesten, da hier im Zuge des Klimawandels eine neue Bakterien-Krankheit mit Zikaden aus dem Mittelmeer-Raum eingewandert ist, die die Zuckerrübenkultur zusätzlich bedroht. Dagegen gibt es bis heute keinerlei Mittel oder Möglichkeiten der Bekämpfung", erklärt der Verband. Zwei Krankheiten Viren und Bakterien könne man aber nicht gleichzeitig behandeln und leider gäbe es weder biologische noch chemische Mittel gegen die Viren in der Pflanze. „Daher müssen wir den Zuckerrüben einen Schutz schon in der Rübenpille mitgeben, einen sogenannten `Beizschutz`, wie er hier im Rahmen der Notfallzulassung erfolgt. Wie sich die Behandlung auf die weitere Entwicklung der Epidemie auswirkt, werden die Pflanzenschutzdienste gemeinsam mit unseren Forschungsprojekten und Landwirten genau untersuchen. Der auf Betreiben unseres Verbandes bereits vor drei Jahren gegründete `Arbeitskreis Viren und Bakterien` mit über 30 Experten aus den drei Südwest-Bundesländern hat zuletzt getagt und ein umfangreiches Monitoring der Blattläuse und Zikaden abgesprochen und geplant. Im Herbst werden hierzu genaue Zahlen und Fakten vorliegen", so der Verband weiter.








    Notfallzulassung ist existenzielle Brückenlösung

    Die jetzt erteilte Notfallzulassung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten sei unter diesen verschärften Bedingungen eine existenzielle Brückenlösung, um den Zuckerrübenanbau bis zur Entwicklung praxisreifer Alternativen zu erhalten. Mit dem Notfall-Einsatz der Neonic-Beize könne man 90 Prozent der sonst in der Fläche nötigen Mittel einsparen. Der Verband selbst hätte dafür plädiert, die Mittelkonzentration je Hektar gegenüber der noch vor drei Jahren zulässigen Konzentration um 36 Prozent zu vermindern, um jeglichen Bedenken Rechnung zu tragen, obwohl in drei Jahrzehnten Einsatz selbst in der erhöhten Konzentration keinerlei Schäden aufgetreten sein. „Damit wird mit minimalem Einsatz die Kulturpflanze vor Schädlingen und Viren geschützt. Nach wenigen Wochen ist dieser Schutz durch die verringerte Mittelkonzentration zwar vorbei, jedoch fügen Infektionen der `erwachsenen` Pflanze keine so großen Schäden mehr zu. Statt 45 Prozent Ertragsminderung werden dann nur noch circa 5 Prozent geringere Erträge beobachtet", erläutert der Verband. In vielen Ländern Europas werde die Notfallzulassung praktiziert. Das Experiment des totalen Verbotes wirksamer Mittel sei vor allem deshalb gescheitert, da bisher gerade die Umweltschutz-Verbände radikal nur den totalen Ausstieg gefordert hätten, ohne Rücksicht darauf, ob überhaupt geeignete Alternativen zur Verfügung stünden, heißt es in der Stellungnahme weiter. Es sei daher zu begrüßen, dass aktuell eine Umkehr zu beobachten sei und verstärkt jetzt auch die Förderung der Entwicklung von Alternativen gefordert werde.

    Forschungsaktivitäten zur Entwicklung fördern


    „Wer eine Brücke abbricht, muss zuerst eine neue bauen! Unser Verband hat daher bereits vor Wochen dazu aufgefordert, die Forschungsaktivitäten in Richtung biologischen oder auch biotechnologischen Pflanzenschutz zu fördern, damit die Brückenlösung keine Sackgasse bleibt. Seit Monaten suchen und führen wir mit allen Parteien dazu den Dialog. Dabei gab es auch aus allen Parteien Unterstützung für den Erhalt von Zuckerfabriken, Arbeitsplätzen im ländlichen Raum und dem Zuckerrübenanbau, der die geforderte Biodiversität und Grundwasserschutz fördert", so der Verband. In den nächsten Jahren entscheide sich die Zukunft des Anbaus und damit auch vieler bäuerlicher Betriebe. „Bei einem hohen Schaden durch die Viröse Vergilbung ist kein Rübenanbau weder biologisch noch konventionell - mehr möglich. Statt aus regionaler Produktion, die keine Bienen gefährdet, kommt Zucker dann aus dem ehemaligen Regenwald, der abgeholzt wird, um unsere Ernährung in Europa sicherzustellen."








    „Wir als Verband der Zuckerrübenanbauer sind und bleiben für einen Dialog offen, der auf wissenschaftlicher Basis geführt wird. Wenn dieser Dialog offenbar von Seiten verschiedener Personen nur zur Profilierung ihrer eigenen Ideen und Ideologien genutzt wird, ist das mehr als bedauerlich. Imker und Landwirte nutzen die gleiche Natur. Beide haben ein natürliches Interesse, die Lebensgrundlagen nicht zu beeinträchtigen und nachhaltig damit umzugehen”, so der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer. Der Verband fordere daher Imker, Umweltverbände und Politik auf, die Zuckerrübenanbauer bei der Entwicklung von Alternativen und der Erhaltung einer alten Kulturpflanze mit all ihren positiven Wirkungen im ländlichen Raum zu unterstützen. „Ohne Rüben schließt die Zuckerfabrik Offstein ihre Tore, und mit ihr verschwinden bäuerliche Betriebe und tausende Arbeitsplätze auf alle Zeit", heißt es abschließend.

     



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