Der „Runde Tisch Asyl“ diskutierte die Themen Sprachkompetenz, Arbeitsaufnahme und künstlerische Umsetzung der Flüchtlingsproblematik
Deutsch lernen in den Fokus rücken
Der "Runde Tisch Asyl" traf sich zu seiner insgesamt dritten Sitzung in der Hochschule Worms. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Der Wormser „Runde Tisch Asyl“ traf sich am Dienstagabend um 19 Uhr zum insgesamt dritten Mal. Der Tagungsort war die Wormser Hochschule. Die Moderation des 20-köpfigen Gremiums lag wieder bei dem Wormser Politikwissenschaftler Prof. Dr. Rudolf Korte, der an der Universität Duisburg-Essen lehrt. In seinen Einführungsworten machte der Wissenschaftler deutlich, dass in dem Thema momentan sehr viel Bewegung sei, sowohl in Worms wie in Deutschland. Zwar sei die Zuwanderungsproblematik kurzfristig von der Griechenland-Krise überlagert worden, doch sei damit zu rechnen, dass sie nun wieder auf die Tagesordnung komme. Besorgniserregend sei die Zunahme der Brandanschläge. Hier erläuterte Karl-Heinz Winkler aus dem Büro des Wormser Oberbürgermeisters, dass es in den Objekten in Worms eine 24-Stunden-Betreuung gebe, die Polizei häufig Kontrollfahrten unternehme und ein Sicherheitsdienst engagiert sei.
Braucht Worms Zuwanderung?
Prof. Dr. Rudolf Korte führte aus, dass es im Vergleich zu den 1990er Jahren, als die letzte große Flüchtlingswelle nach Deutschland kam, sich das Bewusstsein der Menschen durchaus geändert hätte. Dies habe auch mit dem Demographischen Wandel und der Erkenntnis zu tun, dass eine Zuwanderung für den Arbeitsmarkt notwendig ist. Er belegte dies mit einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen aus dem April 2015. Die Frage war hierbei: „Brauchen wir die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte?“ Insgesamt bejahten dies 62 Prozent, 31 Prozent sagten „Nein“ und vier Prozent „Weiß nicht.“
Auf die Frage zur „Aufnahme von Flüchtlingen“ antworteten die Deutschen wie folgt: 32 Prozent sagten, es werden zu viele Flüchtlinge aufgenommen, 43 Prozent meinten „gerade richtig“ und 18 Prozent fanden „es sind zu wenige.“
Deutschlandweit gesehen, habe auch der Zulauf zur AfD nachgelassen, so Korte abschließend zu diesem Themenkomplex.
Traumaverarbeitung durch Kunst
Der Wormser Künstler Klaus Krier stellte im weiteren Verlauf der Sitzung sein Projekt vor, bei dem er Flüchtlingen die Möglichkeit gibt, in seinem Atelier mitzuarbeiten. Klaus Krier selbst möchte mit seinen Werken die Menschlichkeit darstellen und sie in die Öffentlichkeit transportieren. Hier formulierte er: „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“
OB Michael Kissel schlug vor, die Kunstwerke der Flüchtlinge auszustellen, um die Flüchtlinge und deren Schicksal den Wormser Bürgern präsent zu machen. Agnes Denschlag wünschte sich mehr Klaus Kriers. Der Künstler sagte diesbezüglich. „Sein Projekt soll nur der Anfang sein.“ Angeregt wurde auch, die Ausstellungen nicht im WORMSER zu machen, wo immer die gleichen Leute auftauchten, sondern bewusst dorthin zu gehen, wo die Menschen leben, also etwa in Ortsverwaltungen.
Ein weiteres Großprojekt, das präsentiert wurde, war „Worms Pop Up“, das Festival für junge Künstler findet vom 25. September bis zum 3. Oktober mit 25 Einzelveranstaltungen stattfindet. Das Ziel ist mehr Toleranz für Flüchtlinge zu erzeugen. Vier Events stechen dabei besonders heraus. Dies ist eine Bilderausstellung „Wir sind Wormser“, ein Theaterstück, der Kinobesuch des Films „Heute bin ich Samba“ und ein frecher, etwas provozierender Stammtisch.
Sprachkompetenz das A und O
Den Schlusspunkt des Runden Tisches setzten die etwa einstündige Diskussion zum Thema Arbeitsaufnahme für Flüchtlinge. Hierzu referierte zunächst Henrike Trapp-Heinz vom Arbeitsamt Mainz. Sie erläuterte, dass Flüchtlinge die ersten drei Monate überhaupt nicht arbeiten dürften. Danach dürfen sie bis zum 15. Monate ihres Aufenthalts in Deutschland nur arbeiten, wenn der Arbeitgeber nachweise, dass für diese Stelle kein Deutscher und kein EU-Ausländer zur Verfügung stehe. Ab dem 16. Monat können die Flüchtlinge dann auf dem „normalen“ Arbeitsmarkt eine Stelle suchen. Die ganz große Problematik seien aber die Sprachkenntnisse, so Henrike Trapp-Heinz. Ohne die Fähigkeit, sich zumindest auf Deutsch zu verständigen, sei es sehr, sehr schwer eine Arbeit zu finden. Daher müssten diesbezüglich die Anstrengungen bei Bund und Ländern dramatisch verstärkt werden. Auch sei die Gesetzgebung hier zu komplizierte und die Maßnahmen würden oft unkoordiniert laufen.
Eric Niekisch betonte die Wichtigkeit der Arbeitsaufnahme, denn häufig müssten sich Flüchtlinge das Vorurteil anhören: „Die stehen ja nur rum und tun nichts“, dabei dürften sie ja zunächst gar nicht arbeiten.
Der Runde Tisch war sich einig, dass die Sprachförderung in Worms noch mehr in den Fokus der Bemühungen gerückt werden muss, soll die Integration gelingen.