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  • Di., 10. September 2019, 09:29 Uhr
    Turn-Länderkampf der Frauen: Sportliches Highlight des Jahres 2019 in Worms übertrifft alle Erwartungen

    Deutsche Turnstars punkten über Geräte hinaus

    9VON JÜRGEN JAAP | Ein ausverkauftes Haus mit 1147 Zuschauern, Gänsehaut-Stimmung und internationales Flair, unfassbar spektakuläre sportliche Leistungen und Sportlerinnen ohne Allüren zum Anfassen. „Allez, allez, push, push!“, rufen die französischen Turnerinnen Lorette Charpy laut bei ihrer Übung am Stufenbarren zu. Das müssten die fünf Französinnen und deren Betreuerinnen eigentlich gar nicht so intensiv tun, denn das Publikum in den Sporthallen des Bildungszentrum Worms ist längst von der Turn-Show, die da Schlag auf Schlag ohne Pause zweieinhalb Stunden lang geboten wird, gefangen. Und wenn zwischen zwei der fünf Durchgänge beim Wechsel der Geräte vom Sprung zum Boden, zum Stufenbarren oder zum Schwebebalken mal ein kurzer Moment des Durchschnaufens entstehen könnte, lässt der äußerst fachkundige Hallensprecher Jens Zimmermann, der auch vom 4. bis 13. Oktober die Turn-Weltmeisterschaften in Stuttgart moderiert, eine La-Ola-Welle durch die BIZ-Arena schwappen.

    Worms hat „Turnfieber“
    „Unter dem Strich war es genau die richtige Entscheidung, in Worms mitten in der Metropol-Region Rhein-Neckar die zweite Qualifikation zur WM durchzuführen“, betont Sylvio Kroll mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Der Vizepräsident des DTB und frühere Turn-Weltmeister ergänzt: „Wir wollten das Turnen mit diesem Event auch ein wenig in der Region verbreiten.“ Volltreffer! Worms hat das Turnfieber gepackt, ist vom Virus des olympischen Sports, den so viele Kinder und Jugendliche in den tausenden Vereinen Deutschlands und Schulen des Landes als ersten Einstieg in den Sport überhaupt praktizieren, befallen. Da sitzen die Turnkids nun also am Rande der Arena mit den vier olympischen Geräten der Frauen. Die Münder der Kids sind offen, der Filzschreiber für das Ergattern eines Autogramms gerichtet. Turnstars wie Nina Derwael, die amtierende belgische Weltmeisterin am Stufenbarren, sorgen für einen „Wow-Effekt“ nach dem anderen.

    Turnstars lassen keinen Wunsch offen
    Und dann natürlich das deutsche Team. „Kim, Sarah, Sophie, Emelie, Pauline und Eli“, hört man die Rufe noch neunzig Minuten nach der Siegerehrung, bei der das Turn-Team Deutschland und Elisabeth Seitz im Mehrkampf-Wettbewerb ganz oben auf dem Treppchen stehen. Die Turn-Weltstars schreiben sich die Finger wund, erfüllen jeden Selfie-Wunsch, stehen der schreibenden Presse und den vielen Fernseh-Sendern Rede und Antwort, sind einfach nur Stars zum Anfassen. „Ich habe doch selbst so wie viele der Wormser Kids angefangen“, sagt Sarah Voss, die aktuelle dreifache Deutsche Meisterin von Berlin 2019. Man merkt der 19-jährigen jungen Frau aus Dormagen die Erleichterung über ihr geglücktes Comeback nach einer Fußverletzung ganz offenkundig an. „Sarah, Sarah, Sarah“, feiern die Turnflöhe des Nibelungen-Turngau Worms ihr Idol.

    Mitreißende Elisabeth Seitz
    Ein deutsches Turn-Idol aus der Region zieht Worms so richtig in den Bann. Die 25-jährige Elisabeth „Eli“ Seitz aus Heidelberg punktet an den vier Geräten und im Umgang mit den Fans. Immer lächelnd, hier ein markanter strahlender Blick zum Kampfgericht, dort ein kurzes Winken ins Publikum, dazwischen eine perfekt geturnte Schraube, ein spektakulärer Flugteil am Stufenbarren oder eine sensationell hoch in die Luft gestellte Bahn mit Sprüngen, Schrauben und Überschlägen am Boden. „Wir haben den Länderkampf gegen starke Konkurrenz gewonnen, uns in Worms viel Selbstvertrauen abgeholt“, sagt die 22-fache Deutsche Meisterin nach ihrer perfekt geglückten Generalprobe für die Heim-WM in vier Wochen. Die höchst erfolgreiche zweifache Olympia-Teilnehmerin von London 2012 und Rio de Janeiro 2016 fügt an: „Ich möchte den jungen Mädels in unserem Team auch das Spiel mit dem Publikum vermitteln.“ Das glückt ihr ausgesprochen gut.

    Es bleiben nur Sieger
    Das Turn-Team Deutschland hat in Worms den Länderkampf gewonnen. Elisabeth Seitz hat in Worms bei der WM-Qualifikation den Mehrkampf gewonnen. Das Turnen hat in Worms gewonnen – Freunde und jede Menge Fans. Wie etwa die Bundestrainerin Ulla Koch noch lange, bevor die erste spektakuläre Übung startete, jeden einzelnen der 80 Helfer des TV Leiselheim und des Nibelungen-Turngau Worms einzeln per Handschlag begrüßte. „Eine fantastische Geste des Respekts“, fand nicht nur Frank Schembs, der Nibelungen-Turngau-Vorsitzende und Organisator des Turn-Länderkampfs in Worms. Ein Event, der eine immense Strahlkraft hinterlässt und alle Erwartungen übertraf – nicht zuletzt auch ob der sympathischen Präsentation der Sportlerinnen, Weltstars, Betreuer und Offiziellen des Deutschen Turnerbundes beim sportlichen Highlight des Jahres 2019 in der Nibelungenstadt.

    Das Turn-Team Deutschland der Frauen präsentierte sich beim Turn-Länderkampf in Worms gegen Belgien und Frankreich konzentriert, sportlich erfolgreich und sympathisch offen. Der Turn-Nachwuchs des TV Leiselheim und des Nibelungen-Turngau Worms kam seinen Turn-Idolen nicht allein als Einlaufkids sehr nah. Foto: Marcus Diehl


     
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