
Meteorologische Ereignisse und ihre Folgen sorgen aktuell für Schlagzeilen: Hitzerekorde im Norden Deutschlands bis an die Küste, historische Trockenheit im Westen, Niedrigwasser und ausgetrocknete Flussläufe, Blaualgenplagen, Rekordwaldbrände, Trinkwassernotstände – oft Seite an Seite mit regionalen Starkregenfällen und Überflutungen.
„Die Extreme dieses Sommers zeigen sich auch in der Klimastatistik“, konstatiert Uwe Kirsche als Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Der Sommer 2022 war in Deutschland der sonnigste, sechsttrockenste und gehört zu den vier wärmsten seit Aufzeichnungsbeginn. „Wir dürften damit in Zeiten des Klimawandels einen bald typischen Sommer erlebt haben“, so Kirsch weiter.
Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland meldeten eine historische Sommerdürre.
Temperaturplus von 2,9 Grad im Vergleich zum vieljährigen Mittel
Der Temperaturdurchschnitt lag im Sommer 2022 nach vorläufigen Berechnungen des DWD mit 19,2 Grad Celsius (°C) um 2,9 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Der diesjährige Sommer gehört zu den vier wärmsten in Deutschland seit 1881. „Spitzenreiter“ bleibt 2003 mit 19,7 °C.
Sechsttrockenster Sommer seit 1881
In diesem Sommer fielen mit rund 145 Litern pro Quadratmeter (l/m²) knapp 40 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990 mit 239 l/m². In der seit 1881 bestehenden Zeitreihe des DWD war der Sommer damit der sechsttrockenste. Am trockensten bleibt der Sommer 1911 mit nur 124 l/m².
Von der Trockenheit besonders getroffen sind vor allem Sommerkulturen wie Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben. Auswirkungen auf das kommende Erntejahr zeichnen sich bereits ab. So wird auch der Erntebericht der Bundesregierung laut Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, „immer mehr zum Zeugnis der Klimakrise: Fast überall wurde dieses Jahr früher gedroschen, gerodet oder gepflückt“.
820 Sonnenstunden – ein neuer Rekord
Mit fast 820 Stunden überragte die Sonnenscheindauer im Sommer ihr Soll von 614 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um rund 35 Prozent. Den bisherigen Rekordhalter 2003 hat der diesjährige Sommer mit 793 Stunden deutlich abgelöst. Am Oberrhein schien die Sonne in den letzten drei Monaten fast 1.000 und im äußersten Norden um 700 Stunden.
Hessen und Rheinland-Pfalz
In Klammern finden sich die vieljährigen Mittelwerte der internationalen Referenzperiode 1961 bis 1990. Der Vergleich aktueller mit diesen Werten ermöglicht, den Klimawandel besser einzuschätzen.
Hessen meldete Dauersommer und Dürre. Der Sommer 2022 könnte mit 19,6 °C (16,2 °C) dort zu den drei wärmsten seit Aufzeichnungsbeginn gehören. Mit 56 Sommertagen wurde ein Rekord erreicht. Mit unglaublich mageren 85 l/m² (222 l/m²) lässt der Sommer vertrocknete Landschaften sowie verbrannte Wälder und Felder zurück.
Die Datenbank zeigt: Es war wohl der trockenste und mit 860 Stunden (586 Stunden) auch der sonnigste Sommer seit Messbeginn in Hessen. Im Ländervergleich war Hessen in der diesjährigen warmen Jahreszeit das zweitniederschlagsärmste Bundesland.
Rheinland-Pfalz war im Sommer sehr warm. 20 °C (16,3 °C) zeigten die Thermometer im Mittel. Damit reihte sich 2022 nach 2003 auf Platz 2 ein. Keine 90 l/m² (218 l/m²) Regen fielen – laut DWD ein neuer Defizitrekord. Die Sonne schien 880 Stunden (595 Stunden) lang. Ein weiterer Sommerrekord.
Alle genannten Monatswerte sind vorläufig, denn die für die letzten zwei Tage des Monats verwendeten Daten basieren auf Prognosen. Bis Redaktionsschluss standen nicht alle Messungen des Stationsnetzes des DWD zur Verfügung.
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