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  • Di., 30. September 2014, 23:55 Uhr
    Nachts haben viele Reisende in Zügen und an Bahnhöfen ein mulmiges Gefühl und wünschen sich mehr Sicherheit

    Die Angst fährt mit im späten Nahverkehr

    Viele Reisende haben nachts in der Bahn ein mulmiges Gefühl. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Die Bahn gilt als das sicherste Verkehrsmittel, doch dies nur im Hinblick auf die Unfallhäufigkeit, nicht was Gewaltdelikte betrifft. So wird zurzeit in der deutschen Medienlandschaft das Thema Sicherheit in Nahverkehrszügen heftig diskutiert. Für Aufsehen sorgten zwei Artikel auf Spiegel online. Am 23. September wurde dort unter dem Titel: „Familie in Regionalzug verprügelt“ berichtet. Nur zwei Tage später erschien ein Artikel über Schaffner mit der Überschrift: „Wir fühlen uns nicht sicher.“ Hier berichteten Zugbegleiter von tätlichen Angriffen über Anspucken bis hin zu verbalen Attacken.

    Keine Berliner Zustände

    Schaut man einmal auf die Region, gilt natürlich, in Rheinland-Pfalz herrschen keine Zustände wie in Berlin-Brandenburg. Aber die Situation als entspannt zu bezeichnen, trifft die Lage auch nicht. So sagte etwa Lilo Hagemann auf einer SPD-Veranstaltung zum ÖPNV im April 2014 in Osthofen, dass die Angst bei vielen Reisenden abends stets mitfahre. Sie schilderte ihre Erlebnisse mit dem aggressiven Verhalten einiger Fahrgäste, die teilweise alkoholisiert seien und Passagiere belästigten. Und die Darstellungen von Lilo Hagemann sind nach Gesprächen des NK keine Einzelfälle. Besonders auf den Strecken von Mannheim nach Worms sowie von Mainz oder Frankfurt in die Nibelungenstadt nimmt bei Fahrten in den Abendstunden das mulmige Gefühl zu. Eine Frau sagte gegenüber dem NK: „Abends fahre ich überhaupt keine Bahn mehr.“ Das ungute Gefühl verstärkt sich dabei, je später die Züge abfahren. Gerade den letzten Nachtzug um 00.12 Uhr von Mannheim nach Worms möchten viele Reisende nicht benutzen. Fragt man nach den negativen Erfahrungen, werden männliche Einzeltäter oder Gruppen von Jugendlichen genannt, die oft unter Alkoholeinfluss stehen.

    Gefühlte Angst oder reale Bedrohung

    Natürlich muss stets unter gefühlter Angst und wirklicher Bedrohungslage bzw. tatsächlichen Attacken unterschieden werden. Und die Zahlen für Angriffe in Zügen ist geringer als im „normalen“ öffentlichen Raum. Doch musste auch die Bahn einräumen, dass die Zahl der Körperverletzungen im Jahr 2013 um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Und letztlich muss man fragen, was ist gefühlte Angst? Es gibt natürlich vollkommen unbegründete Ängste, aber wie ist es, wenn eine pöbelnde Gruppe junger Männer in den Zug einsteigt und Reisende mit mulmigen Gefühl bewusst den Blickkontakt vermeiden, aus dem Fenster schauen und beten: „Hoffentlich gehen sie weiter und es passiert nichts.“ Ist dies noch gefühlte, also eingebildete Angst, oder schon eine Bedrohungssituation? Zudem werden auch nicht alle Übergriffe angezeigt und es bleibt eine Dunkelziffer bei Delikten.

    Forsa Umfrage

    Das Meinungsforschungsinstitut Forsa veröffentlichte im April 2014 eine Umfrage vom Sicherheitsempfinden in öffentlichen Verkehrsmitteln. Hierbei gaben 92 Prozent der Befragten an, sich in öffentlichen Verkehrsmitteln (sehr) sicher zu fühlen. In Rheinland-Pfalz liegt die Zahl exakt bei den 92 Prozent. Wobei nicht zwischen Tages- und Nachfahrten unterschieden wurde, was die Befragung relativiert. An Bahnhöfen und Haltestellen fühlen sich laut Forsa deutschlandweit 72 Prozent sicher, in Rheinland-Pfalz nur 62 Prozent. Auf die Frage, was die wichtigsten Aspekte sind, um sich im öffentlichen Personenverkehr sicher zu fühlen, nannten 78 Prozent der Befragten die Videoüberwachung, 76 Prozent nannten Personal in Dienstuniform (Schaffner) im ÖPNV, 71 Prozent verlangten ein Alkoholverbot, 63 Pro-
    zent nannte die Mitfahrt von Sicherheitspersonal und 29 Prozent wollten Polizisten in den Fahrzeugen.

    Mehr Personal

    Die eindeutige Forderung ist also mehr Personal. Und zwar in den Fahrzeugen und an den Bahnhöfen. Dabei sind Schaffner häufig mit Gewaltsituationen überfordert und haben teilweise selbst Angst. Die Lösung kann also nur im Sicherheitspersonal liegen, aber solchem, das sich auch durchsetzen kann. Ab Dezember 2014 solle zwar ab 19 Uhr in jedem Nahverkehrszug der Region Bahnpersonal sein, doch ob dies so konsequnet kommt, bleibt abzuwarten. Auf den Bahnhöfen fehlt die Präsenz der Bundespolizei, deren Aufgabe dies ist. Hier fehlen laut Polizeigewerkschaft alleine 1.000 Beamte. Und die, die da sind, sind überwiegend in Großtsädten und bei Fußballspielen im Einsatz. Im weiteren Bahnhofsumfeld ist die Landespolizei gefordert, doch wurden in der Vergangenheit auch hier zahlreiche Stellen gestrichen.

    Welche Erfahrungen hat der Leser?

    Der Nibelungen Kurier hat am Montag, dem 6. Oktober, ein Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten und Wormser SPD Vorsitzenden Jens Guth zum Thema Bahn. Dabei würde die Redaktion gerne Anregungen der Leser zu allen relevanten Bahnthemen einbringen. Schildern Sie uns gerne Ihre Erfahrungen und Wünsche. Nutzen Sie dazu die Kommentarfunktion zu diesem Bericht auf unserer Internetseite: www.nibelungen-kurier.de

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