Fr., 27. September 2013, 10:56 Uhr
Spannender Vortragsabend mit Clemens Ronnefeldt im Liobahaus
Die arabischen Revolutionen und die Christen
Zahlreiche interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten einen Informationsabend zum Thema "Die arabischen Revolutionen und die Christen" mit Clemens Ronnefeldt, Diplom-Theologe, der seit 1992 für den Internationalen Versöhnungsbund als Friedensreferent arbeitet.
Der Referent zeigte Bilder und kurze Filme seiner Reisen nach Ägypten, Syrien und Libanon, die ein eindrückliches Bild der äußerst angespannten Situation der Christen in diesen arabischen Ländern lieferte.
In Ägypten lebten rund zehn Prozent koptische Christen mit rund 90 Prozent Muslimen zusammen, Katholiken und Protestanten machten gerade einmal zusammen ein Prozent aus. "Nach der Revolution haben sich die Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen erheblich verschärft, etliche Kirchen wurden angezündet, es gab Tote bei Auseinandersetzungen etwa um Heiraten von Christen und Muslimen auf beiden Seiten", so Clemens Ronnefeldt. Viele christliche Familien in Ägypten säßen auf gepackten Koffern oder hätten das Land sogar schon verlassen, seit die Vertreter der Muslimbruderschaft und der Salafisten Maßnahmen gegen die christliche Minderheit im Land ergriffen hätten.
Caritas in Ägypten unterstützen
Ronnefeldt plädierte dafür, die Caritas Ägypten, die eine hervorragende soziale Arbeit gerade in Kairo und Alexandria im Bereich Straßenkinder leistet, weiter zu unterstützen, um das soziale Gefüge des Landes - mehr als die Hälfte der Menschen lebten von weniger als 2 Dollar pro Tag - nicht noch weiter zur verschärfen.
In Syrien unterstützten bis zuletzt viele Christen das Regime von Bashar al-Assad, weil sie Angst hätten vor dem, was danach kommt. Der syrische Präsident habe den Christen durch Zollvergünstigungen beim Einkauf von Baumaterialien Unterstützung gewährt, um neue Kirchen bauen zu können,
so Clemens Ronnefeldt. Die Lage der christlichen Gemeinden, die oft zwischen allen Stühlen sitzen, werde immer prekärer, viele seien ins Ausland geflüchtet.
Nach dem Krieg würde sicherlich die gegenwärtige Zahl von rund 10 Prozent nicht mehr erreicht werden, weil viele Flüchtlinge Angst vor einer Rückkehr hätten.
Im Libanon lebten 19 anerkannte Religionsgemeinschaften, die Christen machten dort rund 30 Prozent der Bevölkerung aus und stellen den Staatspräsidenten, die Sunniten den Ministerpräsidenten und die Schiiten den Parlamentspräsidenten. Dieses starre festgeschriebene religiöse Proporzsystem
gelte es zu überwinden, so der Referent.
Lage der Christen verschärft
Die Lage der Christen im arabischen Raum habe sich schon vor den Revolutionen durch den Irakkrieg von 2003 ganz erheblich verschärft, insbesondere auch, weil der damalige US-Präsident George W. Bush von einem "Kreuzzug gegen das Böse" sprach, was bei der muslimischen Mehrheit böse Erinnerungen an die Zeit der Kreuzzüge weckte. Die Tötungen und Misshandlungen von Muslimen in Guantanamo oder dem Gefängnis Abu Graib durch westliche Soldaten habe großen Zorn auf Christen zur Folge gehabt, unter dem noch immer viele christliche Gemeinden litten.
Clemens Ronnefeldt plädierte für eine Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen und Mittleren Osten, um die Region vor dem Abgleiten in einen lang anhaltenden Krieg zu bewahren. Dem interreligiösen Dialog komme eine große Bedeutung zu, um mehr Frieden zu ermöglichen.