
Von Clara Werger › Kurz vor 20 Uhr am Sonntagabend war es Gewissheit: Stephanie Lohr wird die erste Oberbürgermeisterin von Worms. Nach einem engen Rennen zwischen ihr und Timo Horst in der Stichwahl konnte sie 53 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Die Kandidierenden trafen sich kurz nach Beendigung der Auszählung im Rathaus zum Händeschütteln, welches schnell in eine herzliche Umarmung überging. Dann stellte sich Lohr den Kameras: „Oberbürgermeisterin meiner eigenen Heimatstadt zu werden, macht mich stolz. Aber ich bin an diesem Abend auch demütig in Bezug auf die Aufgabe, die auf mich zukommt.“ Diese sei keine einfache und das Amt der Oberbürgermeisterin keine „Solo-Show“. Es brauche viele Menschen, die mitmachen.
Ihr Dank gelte in erster Linie allen Wählerinnen und Wählern sowie Horst: „Dieses knappe Ergebnis zeigt, dass es ein Kampf auf Augenhöhe war.“ In ihren Wahlprogrammen lagen die Kandidierenden thematisch nicht weit auseinander. Bei beiden stehen Sicherheit und Sauberkeit an oberster Stelle, Bildung und Familien sowie natürlich die Stärkung der Wirtschaft.
Ein besonderer Dank gilt auch Oberbürgermeister Adolf Kessel: „Er hat die Menschen abgeholt und den Mitarbeitenden Vertrauen geschenkt. Ich konnte in den letzten Jahren wachsen, weil Adolf Kessel mir die Möglichkeit gegeben hat, Entscheidungen zu treffen.“
Wunder möchte die zukünftige Oberbürgermeisterin nicht versprechen – angesichts der Haushaltslage der Stadt. „Wenn Wirtschaft, Vereine und der Stadtrat zusammenhalten, können wir viel möglich machen, auch wenn die Kassen knapp sind. Aber ich kann in diesem Bereich nicht zaubern und werde den Haushalt auch nicht innerhalb von einem Jahr aus eigener Kraft sanieren können.“ Stattdessen verspricht Lohr ehrliches Engagement: „Es geht darum, die Kräfte in dieser Stadt zu mobilisieren und das, was machbar ist, zu realisieren.“
Timo Horst war nach der Ergebnisverkündung gefasst: „Das ist eine demokratische Wahl, da muss man damit rechnen, dass man verliert.“ Leider sei die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl eingebrochen, die nur bei 38,5 Prozent lag. Sein Blick geht optimistisch in die Zukunft. „Jetzt habe ich Zeit für andere Sachen und wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf.“ Doch merkte er an, dass das Thema „Mann/Frau“ massiv gespielt worden sei. In den Monaten vor der Wahl erfuhr Lohr parteiübergreifend viel Unterstützung aus der Stadtgesellschaft. Insbesondere auch von Frauen, so ist Lohrs Wahl zur ersten weiblichen Oberbürgermeisterin historisch zu nennen.
Anna Biegler von den Wormser Grünen gratuliert Lohr herzlich zu ihrem Wahlsieg und freut sich, „dass nun zum ersten Mal eine Frau an der Spitze unserer Stadt steht“, bemängelt jedoch ebenso die Wahlbeteiligung. „38,5 Prozent sind desaströs. Stolz kann auf dieses Ergebnis niemand sein. Da müssen sich alle fragen, warum Politik die Menschen nicht besser erreicht und was sich in Zukunft ändern muss.“
In dieser Woche soll der Wahlausschuss das Ergebnis bestätigen, dann kann Lohr am 1. Januar 2027 das Amt von Kessel übernehmen.
Beitrag aus der Rubrik